Verfassungsreferendum in Katar

29. April 2003, 14:22
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Neue Verfassung sieht begrenzte Mitbestimmung durch einen zum Teil gewählten Konsultativrat vor

Doha - Die BürgerInnen des Golf-Emirats Katar haben am Dienstag in einem Referendum über einen Verfassungstext abgestimmt, der eine begrenzte Mitbestimmung durch einen zum Teil gewählten Konsultativrat vorsieht. Der regierende Emir, Scheich Hamad bin Khalifa al Thani, rief sein Volk in einer von Radio und Fernsehen ausgestrahlten Ansprache zur Teilnahme an dem Referendum auf. Die neue Verfassung sieht ein 45-köpfiges Gremium vor, das zu zwei Dritteln direkt vom Volk gewählt wird. Das andere Drittel wird vom Emir ernannt. Er behält auch das Recht, das Kabinett zu ernennen. Frauen haben sowohl das passive als auch das aktive Wahlrecht. Wird die Verfassung angenommen, findet voraussichtlich 2004 eine allgemeine Wahl statt.

Zur Zahl der Wahlberechtigten lagen keine offiziellen Angaben vor. Von den 800.000 EinwohnerInnen sind nur rund 25 Prozent katariotische StaatsbürgerInnen. Das Emirat Katar, eine knapp 11.500 qkm große Halbinsel, die 150 Kilometer in den Persischen Golf hineinragt, wurde im 18. Jahrhundert von einem streng religiösen Beduinenstamm gegründet, der sich zur wahhabitischen Lehre des sunnitischen Islam bekennt. Unter der Herrscherdynastie der Thani geriet das Land 1860 unter britischen Einfluss. Im Ersten Weltkrieg schloss London 1916 mit dem Emir ein Abkommen, durch das Katar faktisch Protektorat der britischen Krone wurde. In den dreißiger Jahren entdeckte man große Ölvorkommen. Nach der 1971 erfolgten Unabhängigkeitserklärung lehnte Katar die Eingliederung in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ab. Der jetzige Emir kam 1995 durch einen Putsch gegen seinen Vater Scheich Khalifa bin Hamad al Thani an die Macht. (APA/AP/AFP)

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