Kinder offenbar weniger von SARS bedroht als Erwachsene

29. April 2003, 14:13
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Wirksame Therapie gegen SARS ist nicht in Sicht - Todesrate von bis zu 15 Prozent

Wiesbaden - Bei der Lungenkrankheit SARS ist bisher keine wirksame Therapie in Sicht. Der Leiter des Frankfurter Instituts für medizinische Virologie, Hans Wilhelm Doerr, sagte am Dienstag auf dem Deutschen Internistenkongress in Wiesbaden, die Wirksamkeit des Anti-Viren-Mittels Ribavirin habe sich in Laborversuchen nicht bestätigt. Andere ähnliche Medikamente hätten in Versuchen ebenfalls dem Virus nicht wirksam genug begegnen können.

Todesrate von bis zu 15 Prozent

Der deutsche Experte Wolfgang Preiser, der bis Anfang der Woche mit einem Team der Weltgesundheitsorganisation in China war, berichtete, nach den aktuellsten Zahlen liege die Sterblichkeit unter SARS-Patienten bei 6,4 Prozent. Allerdings sei eine höhere Todesrate zu befürchten, wenn - anders als derzeit in Ostasien - eine größere Anzahl älterer Menschen erkranke. Unter den Toten sei jeder Zweite über 60 Jahre alt. Ein zusätzliches Risiko, dass die Krankheit tödlich verlaufe, trügen Menschen, die bereits durch eine andere Erkrankung geschwächt seien. Nach Angaben des Frankfurter Infektionsforschers Hans Reinhard Brodt ist damit zu rechnen, dass die Sterblichkeitsrate bis zu 15 Prozent betragen könnte.

Kinder offenbar weniger von SARS bedroht als Erwachsene

Kinder sind durch die Lungenkrankheit SARS offenbar weniger bedroht als Erwachsene. Die Krankheitssymptome machten sich bei Kindern weniger bemerkbar, auch das Risiko der SARS-Übertragung durch Kinder sei relativ gering, heißt es in einer Studie, die am Dienstag vom britischen Wissenschaftsmagazin "The Lancet" in einer Kurzfassung veröffentlicht wurde.

Untersuchung

Die Untersuchung wurde von der pädriatischen Abteilung der Universität Hongkong unter der Leitung von Tai Fai Fok erarbeitet.

Zwischen dem 13. und 28. März wurden in zwei Krankenhäusern in Hongkong zehn Minderjährige zwischen 18 Monaten und 16 Jahren mit SARS-Symptomen eingeliefert. Bei den fünf Teenagern zwischen 13 und 16 Jahren entsprachen die Symptome weitgehend den Befunden bei Erwachsenen. Sie litten unter Muskel- und Kopfschmerzen, Atembeschwerden und Frösteln. Bei den ganz jungen Patienten zwischen 18 Monaten und sieben Jahren war der Gesundheitszustand nicht so alarmierend. Sie hatten zwar ebenfalls Husten, Fieber und Schnupfen, mussten aber im Gegensatz zu den Älteren nicht künstlich beatmet werden.

Bis zum 25. April sei kein SARS-Fall bei Kindern mit tödlichem Ausgang bekannt geworden, hielten die Forscher fest. Auch scheine es so zu sein, dass Kinder die gefährliche Krankheit nicht so schnell übertragen: Von den zehn Minderjährigen, die in die Krankenhäuser eingeliefert worden waren, besuchten acht eine Schule. "Es gab keine Hinweise darauf, dass sie ihre Infektion auf die Schulfreunde übertrugen", heißt es in der Studie.

Studie muss noch ausgeweitet werden

Bei Erwachsenen sei die Ansteckungsgefahr hingegen sehr hoch. "The Lancet" erklärte, die Studie sei wegen der großen Beunruhigung über SARS vorab veröffentlicht worden. Die Forscher legten jedoch Wert darauf, dass ihre Ergebnisse durch Einbeziehung einer größeren Anzahl von Patienten überprüft werden müssten. (APA)

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