Super-Streuer beschleunigen SARS-Ausbreitung

29. April 2003, 12:50
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Ein Arzt infizierte in Hongkong mehr als 100 Menschen

Wiesbaden - Die Ausbreitung der Lungenkrankheit SARS wird nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation WHO von so genannten Superspreadern (Super-Streuern) beschleunigt.

Der gerade aus China zurückgekehrte SARS-Experte der WHO, Wolfgang Preiser, berichtete am Dienstag beim Internisten-Kongress in Wiesbaden über diese These. "Superspreader könnten aus nicht bekannter Ursache eine Fülle von Kontakt-Infektionen auslösen", sagte der Frankfurter Infektiologe.

Menschliche Virenschleudern

Dokumentiert sei der Fall eines Arztes aus Guangdong, der in Hongkong mehr als 100 Menschen infiziert hat. Über die von ihm angesteckten Patienten habe sich die Krankheit später über die halbe Welt verbreitet. Die Experten wollen nun untersuchen, wie es zu solchen menschlichen Virenschleudern kommt. "Wir müssen verstehen, was sie von anderen unterscheidet", sagte Preiser.

Über 5000 SARS Fälle weltweit

Laut WHO waren bis Montagabend weltweit 5.050 SARS-Fälle bekannt, 321 Patienten starben am Schweren Akuten Atemwegssyndrom. 28 Länder sind betroffen, darunter auch Deutschland mit sieben Fällen. In Österreich gab es bisher keinen Fall.

Bereits Mitte März hat es nach Angaben des Leiters der Frankfurter Isolierstation, Hans-Reinhard Brodt, eine erste SARS-Ansteckung in einem Flugzeug gegeben. Brodt berichtete, dass der am 15. März in Frankfurt gelandete SARS-Patient aus Singapur im Flugzeug eine Stewardess angesteckt hat. Die Frau habe dem gesondert sitzenden Mann nur ein Tablett gereicht, sagte Brodt. "Meines Wissens nach ist das der erste Nachweis einer Infektion im Flugzeug."

Schmierinfektion und Tröpfcheninfektion

Das SARS-auslösende Corona-Virus ist nach Angaben des Frankfurter Virologen Prof. Hans Wilhelm Doerr noch bis zu 25 Tage nach Genesung im Stuhlgang nachzuweisen. "SARS wird also nicht nur durch eine Tröpfcheninfektion übertragen, es gibt auch eine Schmierinfektion." Glücklicherweise deuteten Laborbefunde aber darauf hin, dass Patienten dann am meisten ansteckend seien, wenn sie die typischen Symptome hätten. (APA)

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