Hochsensibler Bombenschnüffler in Chipform

20. September 2010, 22:13
  • Der neue Sensor für Explosivstoffe baut auf dem Prinzip eines Nano-Feldeffekt-Transistors auf.
    foto: universität tel aviv

    Der neue Sensor für Explosivstoffe baut auf dem Prinzip eines Nano-Feldeffekt-Transistors auf.

Forscher der Universität Tel Aviv bauen mit Nanodrähten neuartigen Sensor für TNT-Nachweis

Tel Aviv - Nicht nur um mögliche Terroranschläge zu vereiteln, sondern auch um Kontaminationen auf ehemaligen militärischen Geländen aufzuspüren, tüfteln Forscher in den letzten Jahren verstärkt an Methoden zur Spurenanalytik von Explosivstoffen. Fernando Patolsky und sein Team von der Universität Tel Aviv haben jetzt einen neuartigen Sensor-Chip entwickelt, der Trinitrotoluol (TNT) und andere Explosivstoffe ohne Aufkonzentrierungsschritt hochempfindlich detektiert. Wie die israelischen Forscher in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichten, ist er allen bisherigen Nachweismethoden für den Explosivstoff und sogar Spürhunden überlegen.

Das Problem beim Nachweis von Explosivstoffen wie TNT ist ihre ausgesprochen geringe Flüchtigkeit. Für die Analyse von Luftproben stehen bisher meist nur teure und zeitraubende Methoden zur Verfügung, die große, sperrige Apparate, eine mühselige Probenaufbereitung und die Hand eines Experten erfordern. "Gesucht ist eine kostengünstige miniaturisierbar Methode, die flott und einfach eine robuste Hochdurchsatzanalytik im Feldeinsatz ermöglicht", sagt Patolsky.

Die Wissenschaftler bauten ihren Sensor auf dem Prinzip eines Nano-Feldeffekt-Transistors auf. Anders als ein stromgesteuerter klassischer Transistor wird ein Feldeffekt-Transistor durch ein elektrisches Feld geschaltet. Als Herzstück wählten sie Nanodrähte aus dem Halbleitermaterial Silicium. Diese beschichteten sie mit einer molekularen Schicht aus speziellen Siliciumverbindungen, die Aminogruppen (NH2) tragen.

TNT ändert Leitfähigkeit

TNT-Moleküle binden an diesen Aminogruppen in Form so genannter Charge-Transfer-Komplexe. Dabei werden Elektronen von den elektronenreichen Aminogruppen auf das elektronenarme TNT übertragen. Diese veränderte Ladungsverteilung an der Oberfläche der Nanodrähte moduliert das elektrische Feld und führt zu einer abrupten Änderung der Leifähigkeit der Nanodrähte, was sich leicht messen lässt.

Um das Signal/Rauschen-Verhältnis zu verbessern und damit die Empfindlichkeit zu erhöhen, statteten die Wissenschaftler ihren Chip mit einer Anordnung aus etwa 200 einzelnen Sensoren aus. "Sowohl flüssige als auch gasförmige Proben lassen sich damit ohne vorherige Aufkonzentrierung oder sonstige Probenvorbereitung mit bisher unerreichter Empfindlichkeit analysieren", so Patolsky. "Wir konnten Konzentrationen bis hinunter zu 0,1 ppt (parts per trillion) analysieren, das hieße ein Teilchen TNT in 10 Billiarden anderer Moleküle." Der Sensor lässt sich durch Waschen schnell regenerieren und ist selektiv für TNT; auf andere verwandte Verbindungen wird nicht so reagiert.

"Jetzt arbeiten wir an einem Chip mit großen Nanosensor-Anordnungen, die mit einer Fülle unterschiedlicher chemischer Rezeptoren modifiziert sind und daher verschiedene Bindungseigenschaften mitbringen. Auf diese Weise wollen wir ein ganzes Spektrum verschiedener Explosivstoffe parallel detektieren", sagt Patolsky. (red)

Interessant

Nur die Übersetzung der englischsprachigen Zehnerpotenzen ist wieder einmal falsch:

million = Million
billion = Milliarde
trillion = Billion

so isses

"1 Teilchen in 10 Billionen" = 0,1ppt

Aber bei derartigen Artikeln, kann man im Standard meist einen Fehler finden. :-)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.