"Wir sehen Klagen gelassen entgegen"

Markus Rohrhofer, 20. September 2010, 18:58
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    foto: apa/roland schlager

    Der Sprecher von Kardinal Christoph Schönborn erklärt, dass man sowieso mit Klagen gerechnet habe.

Kirche scheut weltliche Gerichte nicht - Weihegesang mit Misstönen im Burgenland

Wien - Bis zuletzt hatte man im Erzbischöflichen Palais noch auf eine Einigung gehofft. Seit vergangenen Samstag muss man hinnehmen, dass einige Opfer kirchlicher Gewalt nicht länger bereit sind, auf das jüngste Gericht zu warten, sondern sich lieber irdischer Judikatur anvertrauen. Für den Wiener Opferanwalt Werner Schostal sind auf jeden Fall die Verhandlungen mit der Opferanwaltschaft unter der Leitung der ehemaligen steirischen Landeshauptfrau Klasnic geplatzt, man bereite "jetzt Klagen gegen die römisch-katholische Kirche in Österreich vor" - der Standard berichtete.

"Das bringt uns jetzt nicht sonderlich aus der Fassung. Wir sehen Klagen eher gelassen entgegen", versucht Erich Leitenberger, Sprecher von Kardinal Christoph Schönborn, im Gespräch mit dem Standard zu beruhigen. Man habe von Anbeginn an damit gerecht, dass auch Klagen kommen würden. "Wir sind sicher nicht davon ausgegangen, dass alle Betroffenen unsere Entschädigungsvorschläge akzeptieren. Jetzt sind halt dann die Gerichte am Zug", erklärt Leitenberger.

Unheil im Burgenland

Und während man Wien noch damit beschäftigt ist, die Scherben nach der Krise zu beseitigen, droht im Burgenland bereits neues Unheil. Gut eine Woche vor der Weihe von Ägidius Zsifkovics zum neuen Diözesanbischof von Eisenstadt ist der Ärger unter Laien groß. Auslöser dafür ist vor allem die Absage eines seit längerem geplanten Diözesantages am 23. Oktober durch Zsifkovics. Für Eduard Posch, Mitglied des Pastoralrates, eine Missachtung der Laien. Es habe den Anschein, dass der Weg der Begegnung und des Dialogs, den Bischof Paul Iby eingeschlagen hat, "revidiert wird", befürchtet Posch.

Doch Kritik kommt auch vom bischöflichen Vorgänger selbst. Iby ärgert vor allem der Ablauf der Bestellung seines Nachfolgers: ""Es wäre mir schon recht gewesen, wenn ich es früher erfahren hätte als die Medien". Auch das Tempo der Ernennung stellt der ehemalige Bischof infrage: "Was ich mir gewünscht hätte ist, dass man jene Umfragen, die in letzter Zeit gemacht wurden, auch beachtet hätte. Die Kürze der Zeit zwischen der Befragung und der Ernennung lässt vermuten, dass auf diese Fragen und Antworten nicht sehr geschaut wurde. "

Gulasch-Philosophie

Doch mit Problemen will sich das neue kirchliche Oberhaupt im Burgenland zumindest bis zur Weihe am kommenden Samstag im Martinsdom in Eisenstadt - erwartet werden zum Festgottesdienst bis zu 5000 Menschen, darunter vier Kardinäle, 54 Bischöfe und über 230 Priester - nicht auseinandersetzen. Und auch nach der offiziellen Amtsübernahme plant Zsifkovics kirchenpolitische Fragen nur sehr selektiv zu beantworten. Er wolle nämlich "nicht neue Beiträge zu Altem, Aufgewärmtem" leisten. Das Einzige, das aufgewärmt besser werde, sei das Gulasch, "und das schmeckt mir auch".

Der Rekord an Kirchenaustritten sei ein "Spiegelbild unserer Gesellschaft", dass man sich bis zu einem gewissen Grad nicht binden wolle. "Wenn das Evangelium nicht glaubwürdig gelebt und dargestellt wird, wird es auch keine Resonanz finden", ist der künftige Oberhirte überzeugt. Sich selbst bezeichnete Zsifkovics als "ein Kind der Basis", nachdem er 17 Jahre als Pfarrer tätig gewesen sei. Sein Wahlspruch - "Was er euch sagt, das tut" - sei gleichermaßen für ihn selbst Programm wie für die Priester und jeden Christen.

Ein großer Stellenwert soll bei der Weiheliturgie am Samstag - etwa bei den Lesungen, bei der Befragung zum Weiheversprechen und beim Gesang - der Mehrsprachigkeit zukommen. Präsentiert wurde am Montag auch das liturgische Gewand des neuen Bischofs: eine in weiß gehaltenen Mitra mit einem weißen Messgewand. Der Hirtenstab ist ein Geschenk von Priestern.

Und der künftige Eisenstädter Bischof gibt sich, zumindest was die Weihe-Feierlichkeiten anbelangt, wenig bescheiden: "Es wird nicht nur ein lokales, sondern auch ein grenzüberschreitendes, um nicht zu sagen ein weltkirchliches Ereignis. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD-Printausgabe, 21.9.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 100
1 2 3
Pia Survivor
 
01
23.10.2010, 13:27
Wer im Glashaus sitzt sollte demütiger sein.

Deshalb

http://netzwerkb.org/petition/

Lass die Verjährungsfristen im ganz Europa enden.

Pia Survivor

Extrabreit
14
23.9.2010, 12:50
Meine Kinder kommen nicht mal in die nähe

eines katholischen Pfaffen. Und selbiger tut gut daran, ihnen sich nicht zu nähern...

Pia Survivor
 
00
23.10.2010, 13:39
DD1981
02
27.9.2010, 13:39

Halte ich ähnlich, nur versuch ich alle Religionen fernzuhalten... das Christentum ist um nichts besser oder schlechter als Scientology, Islam, Hinduismus oder was es da sonst noch so gibt.

Minister der Ökomonie
12
21.9.2010, 17:27
Bla...

...bla.

Wie wäre es, wenn man auf Entgeltzahlungen und all das verzichtet, sondern einen gesetzlichen Rahmen schafft, innerhalb dessen sich die Opfer von Gewalt und Mißbrauch straffrei an den Tätern rächen können?

DANN könnte man den entsprechenden Tätern freistellen, sich frei zu kaufen von diesem "Rachegesetz".

Hab den Eindruck, dann geht was weiter.

19k
01
22.9.2010, 10:03
Rache

aber auch an den Vertuschern, die ja meist auch an den Geldschalthebeln sitzen.

Edward NORTON
00
21.9.2010, 16:46
"Coram iudice et in alto mari sumus in manu Dei"

riecht streng nach Heimvorteil!?:-)

Äditha
00
21.9.2010, 19:09
Diese Metapher, dieses bildhafte Sprache

wonach wir vor Gericht und auf hoher See in Gottes Hand wären,

ist ja der sprachliche Ausdruck für die Ungewissheit, das Nichtwissen, ob man vor Gericht recht bekommt bzw. ob man die Schifffahrt über´s Meer überleben wird.

Und das alles, weil das Ergebnis von vielen Faktoren abhängig ist, die im Vorhinein oft nicht bekannt sind.

Beim Prozess sind dies die Tatsachen, die bewiesen werden oder nicht, bei der Seefahrt ist es das Wetter.

Man könnte auch sagen:
Nichts Genaues weiß man nicht.

rumpelstelzchen
00
21.9.2010, 16:34

die fratze des teufel (die wahre identität der KK) wird allmählich immer sichtbarer

19k
00
22.9.2010, 10:13
Das ist gemein

.. so auf den Teufel hinzuhacken, so schlimm wie diese Kirche kann er gar nicht sein.

Mehr Mehr und Mehr
00
21.9.2010, 16:17

Der Titel des Buches ist ja fast Wiederbetätigung.

popokatepetl
00
21.9.2010, 15:58
gelassen

sieht die kirche das alles schon viel zu lange. zeit würde es werden ihnen mal DIE HÖLLE HEISS ZU MACHEN damit die abgebrühte, bornierte kacke mal zu dampfen anfängt.

dass der verein immer noch nicht gepfändet wird ist mir ja ein rätsel. einstweilige verfügung auf alle kirchensteuereinnahmen bis eine einigung da ist!

momodeluxe
03
21.9.2010, 15:46

wenn man bedenkt, daß hinter den möglichen klagen jahre und jahrzehnte menschlichen leides einerseits und mißbrauch eines autoritäts- und vertrauensverhältnisses andererseits stehen, dann kann die formulierung "gelassen entgegensehen" wohl nur mit allgemeiner verwunderung aufgenommen werden.

FraKrawa
10
21.9.2010, 15:30
verständlich

gezahlt wirds eh von den Konkordatsmillionen, die sie vom Staat kassieren

's koite Sopherl
09
21.9.2010, 13:24
Wahrheit?

Wer die Wahrheit nicht kennt ist bloß ein Dummkopf! Wer sie aber kennt und sie eine Lüge nennt, ist ein Verbrecher! (Brecht)

Wasmichstört
05
21.9.2010, 12:45
Ich sah dem ...

... ebenfalls gelassen entgegen: Austritt... kostet nix, tut nicht weh!

Der Kobold
17
21.9.2010, 11:24
hier ist die Lösung des Problems:

http://www.youtube.com/watch?v=EpuYoK6wv_Y

Extremsuderer
04
21.9.2010, 10:41
"Was er euch sagt, das tut"

Die Frage ist nur, wer ist ER?
Herr Zsifkovics? Ein alter weißhaariger Mann in Rom? Etwa Gott persönlich? Oder hat er dabei an den Film "Ich und Er" gedacht?

Semper Fi
15
21.9.2010, 10:40
"Wir sehen Klagen gelassen entgegen"

Mir scheint, das haben sie die ganze Zeit getan: Klagen, und hier nicht im jurstischen Sinne, ignoriert.
Darin sind sie gut, die Kathooligans...

Clarissa Goldsmithprawndown
10
21.9.2010, 15:15

Ob die Kirche wohl auch dann noch von "Gelassenheit" sprechen wird, wenn einmal auch die www.atheistische-religionsgesellschaft.at in den Kreis der staatlich anerkannten Religionsgemeinschaftenaufgenommen wird? Ob sich der "Gott" der KatholikInnen dann quasi mit den "Göttinnen und Göttern und Gottheiten" der Atheistischen Religionsgesellschaft vertragen können wird (erstes Gebot und so ...)? Kann da jemand in die Zukunft blicken? Kommen theologisch "helle" Zeiten auf uns zu?

Alter Knacker
00
21.9.2010, 15:43

wann werden sich die endlich besinnen, daß ja der Islam einen Gott hat, der noch viel ärger ist. Und dagegen müssen sie ihren Mund wetzen. Weil alles Andere sind ja Kinkerlitzchen.

19k
00
29.9.2010, 13:22
daß ja der Islam einen Gott hat, der noch viel ärger ist

Noch ärger, als der (angebliche Gott), der fast die gesamte Menschheit ersäuft hat?

masterjo
29
21.9.2010, 10:31

für alle die in diesen tagen aufwachen:
http://www.kirchenaustritt.at

VonAachen
02
21.9.2010, 10:17
Rechtliches

1. Selbst bei Verjährung kann man rechtmäßig zahlen. Die Verjährung wirkt ja nur dann, wenn sie eingewendet wird. Der Anständige zahlt den Schaden.

2. Gem § 1494 beginnt die Verjährungsfrist gar nicht zu laufen, etwa bei psychisch Kranken.

3. Die kath. Kirche haftet für die angestellten Sexstrolche nur, wenn sie wußte, dass der Herr Pfarrer sexuell gefährlich ist, weil er z.B. schon vorher Sexualdelikte begangen hatte (§1315 ABBG, Besorungsgehilfenhaftung).

Regis 1
14
21.9.2010, 12:57
Der Anständige zahlt den Schaden

anstand und katholische kirche - you made my day ... :-)

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