Berglandmilch macht der Tirol Milch die Übernahme schmackhaft. Ihre Ehe wird nicht die einzige bleiben
Berglandmilch macht der Tirol Milch die Übernahme schmackhaft. Ihre Ehe wird nicht die einzige bleiben. Österreichs Molkereien müssen rationalisieren und schlagkräftiger werden. Quer durch die Branche werden mögliche neue Bündnisse durchgespielt.
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Wien - Es war Ringen auf höchster politischer Ebene: Monatelang debattierten die Tiroler über die Zukunft ihrer finanziell brustschwachen Molkerei. Stellvertretend für 4000 Landwirte stimmten 160 Delegierte Montagabend über die Fusion der Tirol Milch mit der Berglandmilch ab. Diese stimmten mit großer Mehrheit für die Übernahme. 88,26 Prozent der anwesenden Delegierten votierten
dafür.
Zuvor hatten sie bereits grünes Licht für die Ehe signalisiert. Zumal die Oberösterreicher den Tirolern höheres Milchgeld zusichern und ihre Schulden in der Höhe von mehr als 50 Millionen Euro übernehmen wollen.
Spielt die Kartellbehörde mit, wächst Berglandmilch damit mit einem Schlag auf gut 45 Prozent der österreichischen Milchmenge. Vor allem aber wird der Deal eine Welle an weiteren Fusionen und Bündnissen nach sich ziehen, ist man sich in der Branche einig.
Die Oberösterreicher sollen etliche weitere Molkereien auf ihrer Einkaufsliste haben. Die Rede ist etwa von der Stainzer Milch. Eine zweite Option sei Kärntner Milch. Mit dieser soll aber auch die Nöm eine Achse bilden wollen, ebenso mit der Obersteirischen Molkerei; man halte generell die Augen offen, heißt es bei der Nöm, ohne näher darauf einzugehen. Andere sehen die Alpenmilch Salzburg mit der Gmundner Molkerei enger zusammenrücken. Vieles davon seien reine Sandkastenspiele, meint Johann Költringer, Chef der Vereinigung der Milchverarbeiter, der Markt sei aber in Bewegung. Molkereien müssten sich spezialisieren und rationalisieren. Denn im Vergleich zu Handelsketten seien sie immer noch Zwerge. "Es wird nicht plötzlich mit einem Tuscher die große Österreich-Molkerei geben", sagt Otto Leitgeb, Chef der Stainzer Milch, die Eingliederung der Tiroler in die Berglandmilch sei aber nicht die letzte. Viele Optionen würden geprüft, viele Szenarien durchgespielt. Offerte an die Stainzer kenne er keine. "Wir wollen eigenständig bleiben."
Unternehmensberater wie Stefan Höffinger bezeichnen österreichische Molkereien als Nachzügler. Andere kleine Länder hätten die Marktbereinigung längst vollzogen und sich international aufgestellt. "Die Konsolidierung wird in Österreich nun umso schneller, intensiver und heftiger kommen."
Ein Österreicher macht das in Deutschland gerade vor: Der frühere Bergland-Chef Josef Schwaiger führt die Nordmilch in die Fusion mit der Humana. Es entsteht ein Milchriese mit vier Milliarden Euro Umsatz, der weit mehr Liter verarbeitet, als die gesamte österreichische Industrie zusammen.
Neuseeland hat einen noch größeren Konzern geschmiedet, der halb Asien mit Milch versorgt. Für Höffinger sind Größe und Qualität an sich kein Widerspruch, für den Obmann der Bauernvereinigung, IG Milch Ewald Grünzweil, schon. Er spricht von Abnahmemonopolen und teils "sittenwidrigen Verträgen", mit denen Molkereien die Bauern am Gängelband hielten. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.9.2010)