Molkereien rühren kräftig um

Verena Kainrath , 20. September 2010, 22:26
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    foto: begsteiger keg

    Für Almidylle bleibt in der Milchindustrie wenig Platz. In der Branche ufern europaweit die Kosten aus, der Druck zur Konsolidierung steigt.

Berglandmilch macht der Tirol Milch die Übernahme schmackhaft. Ihre Ehe wird nicht die einzige bleiben

Berglandmilch macht der Tirol Milch die Übernahme schmackhaft. Ihre Ehe wird nicht die einzige bleiben. Österreichs Molkereien müssen rationalisieren und schlagkräftiger werden. Quer durch die Branche werden mögliche neue Bündnisse durchgespielt. 

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Wien - Es war Ringen auf höchster politischer Ebene: Monatelang debattierten die Tiroler über die Zukunft ihrer finanziell brustschwachen Molkerei. Stellvertretend für 4000 Landwirte stimmten 160 Delegierte Montagabend über die Fusion der Tirol Milch mit der Berglandmilch ab. Diese stimmten mit großer Mehrheit für die Übernahme. 88,26 Prozent der anwesenden Delegierten votierten dafür.

Zuvor hatten sie bereits grünes Licht für die Ehe signalisiert. Zumal die Oberösterreicher den Tirolern höheres Milchgeld zusichern und ihre Schulden in der Höhe von mehr als 50 Millionen Euro übernehmen wollen.

Spielt die Kartellbehörde mit, wächst Berglandmilch damit mit einem Schlag auf gut 45 Prozent der österreichischen Milchmenge. Vor allem aber wird der Deal eine Welle an weiteren Fusionen und Bündnissen nach sich ziehen, ist man sich in der Branche einig.

Die Oberösterreicher sollen etliche weitere Molkereien auf ihrer Einkaufsliste haben. Die Rede ist etwa von der Stainzer Milch. Eine zweite Option sei Kärntner Milch. Mit dieser soll aber auch die Nöm eine Achse bilden wollen, ebenso mit der Obersteirischen Molkerei; man halte generell die Augen offen, heißt es bei der Nöm, ohne näher darauf einzugehen. Andere sehen die Alpenmilch Salzburg mit der Gmundner Molkerei enger zusammenrücken. Vieles davon seien reine Sandkastenspiele, meint Johann Költringer, Chef der Vereinigung der Milchverarbeiter, der Markt sei aber in Bewegung. Molkereien müssten sich spezialisieren und rationalisieren. Denn im Vergleich zu Handelsketten seien sie immer noch Zwerge. "Es wird nicht plötzlich mit einem Tuscher die große Österreich-Molkerei geben", sagt Otto Leitgeb, Chef der Stainzer Milch, die Eingliederung der Tiroler in die Berglandmilch sei aber nicht die letzte. Viele Optionen würden geprüft, viele Szenarien durchgespielt. Offerte an die Stainzer kenne er keine. "Wir wollen eigenständig bleiben."

Unternehmensberater wie Stefan Höffinger bezeichnen österreichische Molkereien als Nachzügler. Andere kleine Länder hätten die Marktbereinigung längst vollzogen und sich international aufgestellt. "Die Konsolidierung wird in Österreich nun umso schneller, intensiver und heftiger kommen."

Ein Österreicher macht das in Deutschland gerade vor: Der frühere Bergland-Chef Josef Schwaiger führt die Nordmilch in die Fusion mit der Humana. Es entsteht ein Milchriese mit vier Milliarden Euro Umsatz, der weit mehr Liter verarbeitet, als die gesamte österreichische Industrie zusammen.

Neuseeland hat einen noch größeren Konzern geschmiedet, der halb Asien mit Milch versorgt. Für Höffinger sind Größe und Qualität an sich kein Widerspruch, für den Obmann der Bauernvereinigung, IG Milch Ewald Grünzweil, schon. Er spricht von Abnahmemonopolen und teils "sittenwidrigen Verträgen", mit denen Molkereien die Bauern am Gängelband hielten. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.9.2010)

der würger
13
20.9.2010, 20:45
fehler

die grundversorgung sollte immer in der hand der region sein und bleiben!

sie muss nicht unbedingt einen gewinn erwirtschaften, sondern die leute ernähren und ihnen arbeitsplätze geben.

ma.

Wolfgang Bodem1
 
00
20.9.2010, 21:21

und wie geht das ihrer naiven ansicht ohne gewinn?

Semmerl
11
20.9.2010, 22:30
in erster Linie durch den Konsumenten

.. der nicht die billige Diskont-Milch aus Deutschland kauft, sondern heimische & faire (Bio?)Milch.

Traurig aber wahr,
Bald werden wir auch hier das "Fair-Trade" Siegel drauf kleben müssen, damit der Milchbauer wieder grad so viel verdient um sich die moderne Landwirtschaft leisten zu können.

Viola per Sempre
00
21.9.2010, 06:53
Unsinn !

Die Leute werden hier bei"Fair Trade" genauso wie bei "Bio", oder "Natur"- oder gleichwertigem Schmäh nur anständig zur Kasse gebeten.

Fragen Sie mal bei einem großen Milchverarbeitungsbetrieb in Linz-Umgebung nach, der die GLEICHE Milch in 5 verschiedene Verpackungen abfüllt und 5 verschieden Preise dafür verlangen kann (darf).

Glauben die NA(T)IVEN tatsächlich, dass bei "Fair Trade" die Arbeiter nur 1 Cent mehr Lohn bekommen? Die wissen ja nicht mal, dass ihr abgearbeitetes Produkt unter diesem Titel verkauft wird !! Befragen Sie doch mal die Arbeiterschaft und Sie werden erstaunt sein ...

Hühnereier detto: Der Inhalt ist IMMER der gleiche !

Gewinn-MAXIMIERUNG ist das Stichwort. Und das im wahsten Sinne des Wortes ...

flankierende maßnahme
02
20.9.2010, 23:45
ich habe eine zeitlang

die "faire" milch mit der rotweißroten schleife gekauft, weil ich mir dachte, ich will die regionalen erzeuger unterstützen. allerdings nur bis zu dem zeitpunkt, als 2007/2008 eine zeitlang die nahrungsmittelpreise sprunghaft gestiegen sind und sich unsere bauern und ihre funktionäre wie wüste spekulanten aufgeführt haben und angekündigt haben, sie würden künftig nur mehr an den bestbietenden verkaufen und die österreicher sollten sich schon einmal auf eine verdoppelung der nahrungsmittelpreise einstellen. seitdem kaufe ich sehr viel beim diskonter und habe kein mitleid mehr mit den bauern. einerseits "faire" preise fordern, auf der anderen seite den gnadenlosen spekulanten spielen, wenns nur irgendwie geht, passt nicht zusammen...

flotter denker
00
21.9.2010, 07:51
Ich hab die Faire Milch nie gekauft

Weil ich die Bauern schon laenger kenne

Herzerzog Johann
00
21.9.2010, 03:02
Die Kühe müssen glücklich sein.

Nicht die Bauern.

posaunist
03
20.9.2010, 21:38
durch zölle wie vor 300 jahren

alle 10km eine burg, und dazwischen zehent kassieren

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