Trend zum E-Auto: Neue Richtlinien und Anreize machen Fuhrparks immer mehr "öko"
Die Umwelt, oder genauer der Schutz derselben, wird zunehmend ein Thema beim Fuhrpark-Leasing. Eine aktuelle Umfrage unter deutschen Fuhrparkmanagement-Kunden zeigt, dass mehr als die Hälfte der Unternehmen ihre Fuhrparkrichtlinien in Bezug auf ökologische Aspekte bereits angepasst haben, beispielsweise durch Vorgaben zu Fahrzeugtypen sowie durch die Aufstellung oder Verschärfung von Verbrauchs- und CO2-Grenzen. Die Mitarbeiter sollen durch diese Einschränkungen, aber auch über Anreize wie zusätzliche Boni oder Sondervergütungen bei geringem Kraftstoffverbrauch zur Nutzung umweltfreundlicher Fahrzeuge motiviert werden, resümiert das deutsche Beratungsunternehmen Oliver Wyman.
Zwar werden Fahrzeuge mit alternativen Antrieben in deutschen Fuhrparks noch relativ selten eingesetzt. Jedoch erwartet fast die Hälfte der 230 befragten Unternehmen, dass dieser Anteil bereits in den nächsten drei Jahren signifikant ansteigen wird. Dabei sei den Entscheidern durchaus bewusst, dass Umweltschutz nicht zum Nulltarif zu haben ist: Zwei Drittel würden Mehrkosten für neue Technologien akzeptieren, vor allem auch aus Gründen der "Imagewirkung", solange diese in einem gewissen Rahmen bleiben.
Geringe Reichweite
Dass das Ergebnis auch auf Österreich umlegbar ist, daran hat Christine Scharinger, Leiterin des Kurses "Fuhrpark-Management" am Wiener Wirtschaftsförderungsinstitut (Wifi), keinen Zweifel. "Der Trend geht eindeutig in diese Richtung", sagt sie im Gespräch mit derStandard.at. Derzeit seien E-Autos für "sehr kostenbewusste Kunden" aber eben noch wenig attraktiv. Scharinger verweist auf die "VLOTTE" in Vorarlberg, die aus dem Grund sehr gut funktioniere, "weil es eine Landesförderung gegeben hat und die Autos deshalb kostengünstiger angeschafft werden konnten".
Ein Problem sieht sie auch noch in der geringeren Reichweite der E-Autos. "Es kommt darauf an, wie man die Fahrzeuge einsetzt. Wenn man dauernd Wien-Salzburg fahren muss, wird ein E-Auto nicht das optimale Flottenfahrzeug sein. Wenn man aber seine Kunden nur im Umkreis von Wien hat, dadurch kürzere Strecken fährt, dann kann das jetzt schon sehr nützlich sein. Wenn man permanent Langstrecke fährt, muss man sich halt einen Hybrid anschaffen."
"Vorteile ab drei bis fünf Autos"
Die Leasing-Expertin ist seit 20 Jahren mit dem Thema Fuhrpark-Management beschäftigt. Der Vorteil des Fuhrpark-Leasings liegt für sie klar auf der Hand: "Man bekommt nur eine Rechnung, und die Sache ist erledigt. Es sind also etwa keine einzelnen Tankrechnungen zu bezahlen und zu verbuchen. Wer seinen Fuhrpark selbst verwaltet, hat ein viel höheres Belegaufkommen, und es müssen sich viel mehr Menschen im Unternehmen damit beschäftigen." Jemand müsse also zunächst genehmigen, welches Auto für welchen Mitarbeiter angeschafft werden soll, dann müssen die Autos beschafft werden, und schließlich muss sich auch jemand darum kümmern, dass sich die Fahrzeuge im Kosten-Optimum bewegen. "Es gibt Studien, die sagen: Ein einzelner Beleg kostet einer Firma zwischen 10 und 15 Euro." Beim Leasing komme man aber mit einem einzigen Beleg pro Monat aus.
Eine externe Fuhrpark-Management-Gesellschaft brauche nur einen zentralen Ansprechpartner im Unternehmen. "Es sind also nicht permanent mehrere Leute der Firma immer wieder mit Verwaltung und Betreuung des Fuhrparks beschäftigt. Die können sich somit auf ihre Kernaufgaben, auf ihre eigenes Business konzentrieren."
Auszahlen würde sich ein externes Management laut Scharinger "ab einem Fuhrpark von drei bis fünf Autos. Da beginnen die Vorteile zu überwiegen."
Kostenoptimierte Flotte
Scharingers nächster Kurs findet im kommenden März statt, es ist die einzige derartige Ausbildung zum Fuhrpark-Manager in Österreich. "Hauptsächlich lernt man dabei, wie man einen Fuhrpark im Kostenoptimum bewegt", erklärt sie.
Die Attraktivität des Leasings hat - zumindest laut der deutschen Studie (pdf) - unter der Wirtschaftskrise jedenfalls kaum gelitten. Weiter zunehmen werde künftig die Bedeutung unabhängiger Fuhrparkoptimierer. Derartige Dienstleister werden heute zwar nur von neun Prozent der Kunden genutzt, weitere neun Prozent der Unternehmen planen aber einen entsprechenden Einsatz. Als Gründe werden insbesondere angestrebte Kostenersparnisse und eine Entlastung der internen Verwaltung genannt.
Kleinere Fahrzeuge in Österreich
In Österreich konnte 2008 das Neugeschäftsvolumen beim Fuhrpark-Management um 19,9 Prozent auf 548,4 Mio. Euro gesteigert, die Anzahl der Verträge auf 30.641 erhöht werden. 2009 brach das gesamt Kfz-Leasing-Segment aber wieder um 16 Prozent ein, die neu abgeschlossenen Verträge im Fuhrpark-Management ebenso.
Auch im ersten Halbjahr 2010 ging das Neugeschäft noch um 5,3 Prozent (nach Anzahl der Verträge) bzw. um 1,2 Prozent (nach Anschaffungswert) gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück. Weil viele auslaufende Verträge verlängert wurden, stieg jedoch der Bestand aller Fuhrpark-Verträge um 1,4 Prozent auf 80.278 Stück (was auch der Anzahl der geleasten Fahrzeuge entspricht, Anm.). (map, 21.9.2010)