Cecilia Bartoli beerbt 2012 Riccardo Muti als künstlerische Leiterin der Salzburger Pfingstfestspiele
Ljubiša Tošić sprach mit ihr über den Job, ihre CD-Pläne und die Frage, was einen guten Intendanten ausmacht.
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Wien - Ein prüfender Blick von Cecilia Bartolis Mutter, so der designierte Intendant der Salzburger Festspiele, Alexander Pereira, entschied vor 20 Jahren: Ja, mit diesem Manager könne die Tochter zusammenarbeiten. Nun wird die Kooperation, die bisher vor allem am Opernhaus Zürich Publikum anlockte, in Salzburg fortgesetzt: Cecilia Bartoli, gefeierter Opernstar, wird ab 2012 für drei Jahre künstlerische Leiterin der Pfingstfestspiele.
Es wird, wie bisher, Konzerte und eine szenische Produktion geben - jetzt aber mit Bartoli. Die Oper wird zweimal gezeigt und dann vom Sommerfestival (mit Bartoli) übernommen. 2012 wird es Händels Giulio Cesare (Regie: Patrice Courier, Dirigent: Giovanni Antonini) sein; Bartoli ist dabei natürlich Kleopatra.
STANDARD: Haben Sie lange überlegt, um diesen Job anzunehmen?
Bartoli: Schon ein bisschen. Man muss überlegen, was man an speziellen Sachen kreieren kann. Die Leute müssen der Meinung sein, dass diese fünf Festivaltage zu Pfingsten es wert sind, für sie 4000 Kilometer zu reisen. Wir wollen thematische Zusammenhänge herstellen, und wir müssen einen Sound haben. Die Leute sollen sagen: "Wir hören diese Musik erstmals auf Originalklanginstrumenten." Natürlich: Ich arbeite mit Alexander Pereira seit 20 Jahren zusammen, auch deshalb habe ich mich dafür entschieden, das Angebot anzunehmen.
STANDARD: Aber Sie wechseln nicht in den Managementberuf?
Bartoli: Keinesfalls! Wir haben Intendant Alexander Pereira; er ist der Boss. Ich bringe mein Wissen bezüglich der Barockmusik und der Vorklassik ein. Aber immerhin: Erstmals kommt eine Frau in diese Position.
STANDARD: Wird es eine enge Verflechtung Ihrer CD-Produktionen mit dem Programm des Pfingstfestivals geben?
Bartoli: Ich mache CDs seit 20 Jahren, und ich werde nach Salzburg auch noch CDs machen. Pfingsten wird nicht die Plattform für meine CDs sein. Gleichzeitig werden wir eine wundervolle szenische Produktion im ersten Jahr zeigen. Es gibt keinen Grund, das dann woanders zu machen und aufzunehmen, nur um einem Vorwurf zu entgehen. Wenn Salzburg etwas Tolles bringt, sollte man es dokumentieren können. Integrale Aufnahmen sind ohnedies schon eine Seltenheit heutzutage, in dem Bereich wird leider nicht mehr sehr viel gemacht.
STANDARD: Wird Sie das Festival viel Zeit kosten, müssen Sie Ihre Zeiteinteilung ändern?
Bartoli: Ich muss nicht viel ändern. Ich war nie eine Sängerin, die zu viel macht. Ich mache ein, zwei Produktionen jährlich, manchmal nur eine. Das gibt mir eine gewisse Flexibilität, manch Kollege ist ja praktisch jeden Abend gebucht. Das war nie mein Stil.
STANDARD: Werden Sie jedes Jahr bei Produktionen mitwirken?
Bartoli: Das hängt vom Projekt ab, jetzt haben wir Giulio Cesare, da singe ich Kleopatra. Die folgenden Jahre haben wir noch nicht geplant. Bei den Sommerfestspielen wird die Produktion übernommen und fünfmal gezeigt - ich hoffe in der gleichen Besetzung. Man probt ja ein Stück so lange und macht dann zu Pfingsten nur zwei Vorstellungen. Das ist sehr schade. Generell: Es wäre wohl komisch für mich, in Salzburg zu sein und gar nicht zu singen. Das wäre so, als hätte Riccardo Muti als Leiter der Pfingstfestspiele dort nie dirigiert.
STANDARD: Durch den Salzburger Job werden Sie womöglich viel mehr in Österreich sein als bisher - wenn man die Pläne mit dem Theater an der Wien und der Wiener Staatsoper, die dazukommen, hinzurechnet.
Bartoli: Ich habe auch bisher viel hierzulande gesungen, vor allem viele Konzerte. Theater an der Wien? Wir werden sehen, vielleicht können die Pfingstfestspiele und das Theater an der Wien kooperieren. Es würde jedenfalls Sinn machen. Bezüglich der Wiener Staatsoper hängt es wirklich vom Projekt ab. Im Moment ist da aber nichts Konkretes. Der Kontakt mit Direktor Dominique Meyer ist jedenfalls gut, besser als mit seinem Vorgänger.
STANDARD: Was macht für Sie einen guten Intendanten aus?
Bartoli: Er muss ein exzellenter Manager sein, der aber für die Musik brennt. Er muss derjenige sein, der den Hausschlüssel hat. Er ist also der Erste, der ins Haus kommt, und der Letzte, der geht. Er ist einer, der sich vom ersten bis zum letzten um jeden Ton kümmert.
STANDARD: Ist es für Sie denkbar, irgendwann ein Haus zu leiten?
Bartoli: Lassen wir das offen, ich habe meine Gesangskarriere, das mit Pfingsten ist vielleicht ein erster, in jedem Fall prestigeträchtiger Schritt. Wer weiß. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD - Printausgabe, 21. September 2010)
Cecilia Bartoli (Jahrgang 1966, in Rom geboren) wurde bei einer
TV-Talenteshow entdeckt. Seit fast 20 Jahren ist sie eine der
gefragtesten Sängerinnen der Klassikbranche im Bereich der Barockmusik;
Erfolge feierte sie auch als Mozart- und Rossini-Interpretin. Sie ist
bei Decca unter Vertrag und hat gerade die CD "Sospiri" herausgebracht