Wahlen in Schweden

Bürgerliche vorne, aber ohne Absolute

20. September 2010, 06:22

Stärkste Kraft bleiben nach Parlamentswahlen in Schweden die bürgerliche Allianz - Rechtspopulisten schaffen Einzug ins Parlament

Stockholm - Die bürgerliche Regierungskoalition von Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt hat die schwedischen Parlamentswahlen am Sonntag gewonnen, die absolute Mehrheit im neuen Reichstag aber knapp verpasst. Nach Auszählung von 99,9 Prozent der Wahlkreise kam die Vier-Parteien-Allianz auf 172 der 349 Mandate, die links-grüne Opposition auf 157. Die ausländerfeindlichen Schwedendemokraten schafften erstmals den Sprung über die Vier-Prozent-Hürde und werden künftig 20 Abgeordnete im schwedischen Parlament stellen.

Reinfeldt will nicht mit Schwedendemokraten

Kurz nach Mitternacht hat sich Reinfeldt zum Wahlsieger der Reichstagswahlen und gleichzeitig den Schwedendemokraten eine Absage erteilt. Angesichts des Verlustes der absoluten Mehrheit seines Bündnisses betonte Reinfeldt, sein Bündnis werde sich "nicht von den Schwedendemokraten abhängig machen". Auf Mehrheitssuche wendet sich Reinfeldt jetzt an die schwedischen Grünen, die Miljöpartiet. Deren Chefin Maria Wetterstrand hat aber bereits vor den Wahlen eine Zusammenarbeit mit der Vier-Parteien-Allianz Reinfeldts ausgeschlossen. Wetterstand hat gestern Abend im schwedischen erklärt, was ihrer Meinung nach gegen ein Bündnis mit den Konservativen spricht: "Die Grünen werden keine Regierung unterstützen, die kranke Menschen aus der Krankenversicherung schmeißt und die unter Klimapolitik den Bau zehn neuer Atomkraftwerke versteht."

Das schwedische Volk habe klar gemacht, dass es weiterhin von einer bürgerlichen Allianz regiert werden wolle, sagte Reinfeldt bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach Bekanntwerden der vorläufigen Ergebnisse.

Schlechtestes Ergebnis für Sozialdemokraten

Mit 30,9 Prozent der Stimmen konnten sich die Sozialdemokraten von Oppositionsführerin Mona Sahlin nur knapp als stärkste Einzelpartei behaupten. Die das politische Leben Schwedens sei einem Jahrhundert dominierende Partei fuhr damit das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte ein. Reinfeldts Konservative ("Moderaterna") erreichten 30 Prozent und legten im Vergleich zur Wahl 2006 um vier Prozentpunkte zu. Die Schwedendemokraten erreichten 5,7 Prozent (plus 2,8 Prozentpunkte). Die Wahlbeteiligung lag mit 82,1 Prozent um 1,7 Prozentpunkte höher als vor vier Jahren.

Experten geben Reinfeldt gute Chancen, sich auch ohne absolute Mehrheit im Sattel halten zu können. Es gilt als ausgeschlossen, dass die Links-Opposition gemeinsame Sache mit den rechtsgerichteten Schwedendemokraten machen würde, um den Regierungschef zu stürzen. Mitglieder der Moderaterna haben sich nach Informationen der Website aftonbladet.se noch in der Nacht getroffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Konkrete Ergebnisse der Diskussionsrunde sind nicht bekannt.

Sahlin schließt Rücktritt vorerst aus

So schoss sich Oppositionsführerin Sahlin in ihrer ersten Reaktion bereits voll auf die Schwedendemokraten ein. Durch den Einzug einer "zutiefst ausländerfeindlichen" Partei sei eine "gefährliche politische Situation" in Schweden entstanden, sagte Sahlin. "Ich habe mein ganzes Leben dem Kampf gegen Ausländerfeindlichkeit gewidmet. Dieser Kampf beginnt jetzt erst richtig."

Sahlin räumte ein, dass die Sozialdemokraten ein "richtig, richtig schlechtes" Ergebnis eingefahren hätten. Da aber auch die Bürgerlichen ihre absolute Mehrheit verloren hätten, gebe es "keinen Gewinner" der Wahl. Es sei nun an Regierungschef Reinfeldt, sich eine Mehrheit im Parlament zu suchen, betonte die Oppositionsführerin, die trotz den miserablen Wahlergebnisses vorerst einen Rücktritt ausschloss. (red/APA)

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A_Schläsinger_vu_Brassel
01
20.9.2010, 18:51

Ich bin vom Wahlergebnisse enttäuschet. Ich hätte Reinfeldt die absolute Stimmenmehrheit gegönnet, noch dazu, wo seine Allianz an Prozent zulegen konnte.

Von den Schwedendemokraten halte ich sehr wenig. Jene Menschen, die die SD gekoren habent, müssent sich nun fragen, was die Konsequenz ihrer Wahl ist: "Rechter", islamkritischer wird die schwedische Standeskunst damit nicht, denn sie habent die Bürgerlichen so geschwächt, dass diese nun erst recht eine linke Kraft in ihr Bündnis miteinbeziehen müssent.

Die SD verursachent also genau das Gegenteil von dem, was sie eigentlich wollent...

Revan
27
20.9.2010, 17:37

was mir in letzter Zeit auffällt

Die meisten Menschen machen ihre politische Ansicht und somit auch ihre Wahl nur von einem Thema abhängig und das sind "Ausländer" und vor allem Muslime

und die meisten Menschen sehen die Einstellung einer Partei gegenüber diesem Thema als den wichtigsten Aspekt einer politischen Partei an

Meine Schlussfolgerung: die Menschen sehen entweder die tausenden anderen Probleme nicht, was unglaublich naiv ist, oder verknüpfen alle anderen Probleme mit dieser Thematik, was natürlich ebenfalls völliger Schwachsinn ist.

um nur ein paar der unzähligen anderen wichtigen Themen zu nennen, welche es zu bewältigen gibt:
Pensionssystem, Bildungssystem, Verwaltungsreform, Energieversorgung, alternative Steuersystem etc

Amalrich
 
00
21.9.2010, 09:25

Zumindest die von Ihnen genannten Probleme bei den Pensionssystemen und im Bildungsbereich (zusätzlich Sozialsysteme im allgemeinen, Kriminalität, Unterwanderung des Wertesystems, Ablehnung der gesellschaftlichen Norm samt Neigung zur Parallelgesellschaft verbunden mit dem zunehmenden Tolerieren archaischer Traditionen) haben aber immer mehr mit der völlig verantwortungslos gehandhabten Zuwanderer- und Integrationsthematik zu tun (allein schon aus demographischen Gründen). Man muss schon sehr blind sein, um diese Zusammenhänge nicht sehen zu wollen. Oder aber - wie das politsiche Establishment samt ihren Zuträgern die Bodenhaftung zum Volk komplett verloren haben. Wahlen wie diese hier sind dann ein wichtiges Korrektiv.

NaWerSagtsDenn
00
21.9.2010, 12:54
Eine einfache Frage:

Ziegen Sie mir einen Staat/Nation, die die von Ihnen geschilderten "Probleme" und "Zusammenhänge" gelöst bzw. gar nicht erst entstehen hat lassen und DADURCH reicher, glücklicher - letztlich rundum besser da steht als jene, die das vermeintlich nicht zustande gebracht haben.

Danke im Voraus!

Amalrich
 
00
21.9.2010, 13:40

Es geht nicht darum ob andere Staaten diese Probleme haben oder nicht (ja, sie haben sie). Es geht darum, dass endlich mit dem Schönreden und Leugnen abgeschlossen wird. Dass man sich endlich durch die Bank dazu bekennt, dass MultiKulti gescheitert ist! Dass wir endlich erkennen, daß manche Kulturen besser zu uns passen als andere! Dass wir endlich eine (streng) definierte Zuwandererregelung schaffen (wen wollen wir? für was? was haben wir davon? passt's in den kulturellen kontext? bekenntnisse zu demokratie und menschenrechte?). Dumm-archaisch-traditionalistische Religionsfanatiker massenweise ins Land zu holen und so tun als würden sich dadurch keine Probleme ergeben ist der programmierte Selbstmord von Europa wie wir es kennen!

NaWerSagtsDenn
00
21.9.2010, 16:02
Ja wenn Sie glücklich werden mit diesen "Erkenntnissen"

sei´s Ihnen vergönnt.
Aber lassen Sie andere in Ruh´, die mit derlei "Erkenntnissen" nichts am Hut haben.
Das ist ja das Problem mit den Rechtsradikalen (und anderen auch!), dass sie erst dann glücklich sind, wenn alle anderen ihrer Meinung sind.

Deathflyer
00
20.9.2010, 17:49

Wie kommst du darauf, dass dieses Thema den _meisten_ Menschen am wichtigsten ist? Bei den 5.7%, die SD gewählt haben, stimme ich dir zu, aber mir kommt es allgemein nicht so vor, als wär das ein wichtiges Motiv...

Markus -
00
20.9.2010, 20:52

Doch, das ist ein wichtiges Thema: Wenn kaum 6% der Wähler keine Musterschüler sind, bricht für die Hillbillies in Skandinavien gleich die Welt zusammen!

Revan
01
20.9.2010, 17:57

ich schaue mir hier auf standard.at die Themen mit den meisten Postings und den meisten Bewertungen an...

und kombiniere dies mit der Anzahl der Berichte aus den unterschiedlichen Rubriken anderer Tageszeitungen...

und da ergibt sich ein eindeutiges Bild...

Der Zwersch
01
20.9.2010, 19:03

Sie begehen den Fehler und verwechseln Internetöffentlichkeit mit der realen.

Im Internet sind 1-2 dutzend Extreme mit genügend Zeit imstande wie eine Mehrheit auszuschauen.

Nur bedeutet das eben noch lange nicht, dass dem so ist.

Zenith1
11
20.9.2010, 18:34
Also...

die Westeuropäer haben beschlossen möglichst wenige Kinder zu bekommen und das seit 40 Jahren. Diese weniger geborenen Menschen bekommen selbst keine oder wenige Kinder. Die Zahl der Westeuropäer müßte demnach kontinuierlich zurückgehen. Tut sie aber nicht, weil wiederum kontinuierlich Migranten nach Westeuropa strömen. Diese kommen zum Großteil aus der Türkei und Nordafrika und sind Muslime. Der Islam ist z. B. in Österreich die zweitgrößte Religionsgemeinschaft. Diese islamischen Migranten bilden inzwischen fast geschlossene Gesellschaften und sind jene, die noch für eine positive Bevölkerungsbilanz beitragen. es ist ein rechnerisches Problem: Sie werden einmal die Mehrheit haben, und dann ist Westeuropa nicht mehr das was es ist.

Deathflyer
00
20.9.2010, 18:11

Gibts da nicht immer am Wahltag zu den Exit Polls die Frage: "Warum haben Sie diese Partei gewählt"? Was ich mich erinnern kann, is zwar der stärkste Grund, FPÖ zu wählen / nicht zu wählen die Immigrations- und Asylpolitik, aber bei den anderen Parteien (und vor allem bei der Entscheidung zwischen diesen) ein unwesentliches Wahlmotiv.

Section Control
60
20.9.2010, 18:07
Tja das ist leider das österreichische Qualitätsblattl

Kirchenbashing, FP Negativstories und die Grünen melden/fordern/meinen/turteln. Da kann man leicht Position beziehen und gibt seinen Abort dazu. Und die Userzahl stimmt. Mir graut ja nur, wenn man denkt dass diese Kampfposter unter Umständen wirklich in der Politik sein. Außerdem. Ich würde von Österreich aus nie eine Person verurteilen, wen sie in einem anderen Land gewählt hat. Ganz einfach, weil mir die dortigen politischen Verhältnisse nicht vertraut sind. Und ein Standardjournalist ist fast gleichzusetzen mit einer TASS Meldung. Mir haben die Berichterstattungen im deutschen Radio über Österreich und (auch der Kirche) gereicht. Da wird ein Klischee nach dem anderen vorgetragen, als objektiver Gast noch ein Herr Menasse eingeladen...

agarthianer
04
20.9.2010, 17:11

lesenswert auch Alice Schwarzer`s neuestes Buch
"die grosse Verschleierung : http://litart.twoday.net/stories/a... hleierung/
sowie :
http://derstandard.at/plink/126... id16004605

mans zelmerlöw
05
20.9.2010, 16:16

Socialdemokraternas Totengräber heiszt eindeutig Mona Sahlin.
Selbst am Wahltag musste sie gebetsmuehlenartig wiederholen, dass sie fuer die bewohner von bergsjö, tensta, rosengård und rinekby gekämpft hat und dafuer weiterkämpft. von anderen sozialdemokratischen themen hat man nichts gehört und so braucht man sich nicht wundern wenn der groszteil der sd wähler ehemalige s anhänger waren.

man braucht nur die beiden wahlergebnisse in malmö anschauen. in herrgården leben 100% einwanderer http://www.val.se/val/val20... index.html , während im nachbarviertel almgarden noch ca 25% ethnishce schweden ausharren http://www.val.se/val/val20... ndex.html.

40undDanke
01
20.9.2010, 16:30
Eine "Enthüllung" 2 Tage vor der Wahl hat seines zum Resultat beigetragen:

Die Frage eines Starreporters an den Chef der V (linke) : "...waren sie traurig als die Mauer fiel (in Berlin)"???
"Nein" - "Aha, dann schau ma uns einmal diesen Film an" - und es wurde ein Fernseh-Interview - der Beiden - im Jahre des Mauerfalles gezeigt wo er sagt "ja , ich bin traurig dass die Mauer gefallen ist" Ende, den 2 Teil der Antwort hört man nicht mehr, "....weil ich an das kommende Leid der Bürger denke"
Dies hatte zur Folge, dass die V statt normale 8-10 % nur 5 bekamen......

40undDanke
20
20.9.2010, 16:49
noch was: so wie die Lage jetzt ist, 2 Blöcke in einer Pattstellung, eine nazistische Partei als Zünglein an der Waage

wird die logische Folge Neuwahl heissen, warum:
der rot-grüne Block ist zu klein, der "bürgerliche" auch, versucht aber, die Miljöpartei zu ködern, dann könntens regieren. Die M sagt aber NEIN. Keiner will mit der neuen 5%-Partei rechtsaussen was zu Tun haben - also Neuwahl.
Übrigens gibts in dieser 100% ausländerfeindlichen Partei "SverigeDemokrater" auch einige Ausländer: zB Altnazis aus dem ehemaligen Jugoslavien oder dem deutschsprachigen Raum sowie offen judenhassend auftretende Muslimen divers. Ansonst (leider) viele junge Burschen, zumeist aus dem Süden des Landes wo hohe Arbeitslosigkeit herrscht. Man macht die 4 Jahre bürgerlicher Macht ohne gescheite Alternative für das Grosswerden dieser nazistischen Partei verantwortlich...

A_Schläsinger_vu_Brassel
10
20.9.2010, 18:56

Ich kann zwei ihrer Ansichten nicht zustimmen:

1. Ich gelaube nicht, dass die bürgerliche Herrschaft in den letzten vier Jahren das Großwerden der SD verursachte.

2. Es wird nicht zu Neuwahlen kommen.

Träume sind Schäume..
22
20.9.2010, 14:51
Wenn soll die bürgerliche Alianz in Sachfragen als Abstimmungspartner im Parlament gewinnen?

Die Sozialdemokraten werden außer in allerdringlichsten Entscheidungen als Opposition auftreten und ihre Wunden lecken.
Das (Ex-Neo) Komm'unistenpack sich eher in Geifer und Propaganda ersticken als Entscheidungen mitzutragen.

Bleiben nur die GrünInnen und Schwedendemokraten.

Grüne Bürgerliche lassen sich mit ein paar zugeworfenen Knochen (unrentable Windkraftwerke, angekündigten AKW Ausstieg) vieleicht motivieren.
Aber im Kern bleiben's aufmüpfige rechthaberische Wohlstandsbürger, "Dagegen sein" ist für die Partei überlebenswichtig.

Was die Schwedendemokraten genau wollen wäre eibne interessante Frage...

mans zelmerlöw
00
20.9.2010, 16:12

gruene buergerliche wählen centerpartiet, alliansens gröna röst!

40undDanke
00
20.9.2010, 17:07
was auch sehr logisch ist, da die Center-Partei eigentlich die ehemalige (rechte) Bauernpartei war/ist...

Dr. Schland
00
20.9.2010, 16:08

Na, so interessant jetzt auch wieder nicht.

Freund188263
103
20.9.2010, 15:21
Die Grünen haben eine starke Position

-) Raus aus der Atomkraft
-) Hin zu erneuernparten Energieträgern
-) Reduzierung des CO2 Ausstosses
-) Soziale Wärme statt asozialer Kälte

Die Konservativen müssten sich stark bewegen.

Die ÖVP, CDU/CSU halten an der Atomkraft fest, traurig.

A_Schläsinger_vu_Brassel
10
20.9.2010, 18:58

Dass die Gesalbt-Volksherrschaftliche Vereinigung [CDU] an Atomkraft festhält, ist in der Tat traurig.

Die ÖVP und allen voran der Umweltminister habent aber die Entscheidung der teutschen Herrschaft in punkto Laufzeitverlängerung deutlich kritisiert.

Außerdem erscheinet mir Ihre These "Soziale Wärme statt asozialer Kälte" ein bissel zu pathetisch.

Leistung muss sich lohnen!

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