Barcamp zum Thema Medien - Es gibt dieses alte Gerücht, dass der Blogger der natürliche Feind des Journalisten ist
Es gibt ja dieses alte Gerücht, dass der Blogger der natürliche Feind des Journalisten ist, oder eben umgekehrt. Wahr daran ist eher, dass es einige streitbare Opponenten beider Seiten gibt - aber zumindest in Österreich gilt: Von Feindschaft keine Spur, viel eher ist wechselseitiges interessiertes Beschnuppern angesagt. Dass sich Medienwelten verändern, verschwimmen, neue Formen des Journalismus entstehen und sich "Medienmenschen" oft nicht mehr so genau zu der einen oder anderen Gruppe zuordnen lassen, war Anlass für ein Barcamp zum Thema Medien, das am Samstag in Wien stattgefunden hat. In den Räumlichkeiten der Fachhochschule Wien trafen etwa 160 Blogger, Journalisten, PR-Leute und sonstige Medieninteressierte aufeinander.
Generalthema: Die Zukunft der Medien. Wie das auf Barcamps so üblich ist, gibt es keine Keynote-Speaker, alle willigen TeilnehmerInnen können sich zu Beginn der Veranstaltung selbst für eine Session zu einem Thema ihrer Wahl eintragen. Das Publikum kann dann die Vorträge besuchen, die am meisten interessieren, dazwischen wird geplaudert oder genetzwerkt.
Debattiert wurden in rund 25 Einheiten vor allem Themen mit Social Media-Bezug. So ging es etwa um die Aufarbeitung der #unibrennt-Aktionen rund um die Audimaxbesetzung, um die Einwirkung von Twitter und Facebook auf Nachrichtenmedien oder um Social Media Best Practices zur Katastrophenhilfe in Haiti und Pakistan. Daneben wurde auch über die finanzielle Seite von neuen Medien gesprochen, etwa über die Monetarisierung von Blogs, aber auch über technische Aspekte.
Die VeranstalterInnen Susanne Liechtenecker und Veronika Mauerhofer sind jedenfalls "durch und durch zufrieden. Wir hatten weder mit so einem großen Ansturm gerechnet, noch mit so vielen tollen Ideen und dem großem Engagement der Teilnehmer." Die Idee sei aufgegangen, und von dem zu Beginn angesprochenen Gerücht der Feindschaft zwischen Bloggern und Journalisten sei nichts zu spüren gewesen: "Wir wollten einen Platz schaffen, an dem es die Pattstellung zwischen Journalismus, PR und Neuen Medien nicht gibt, von der so oft geredet wird. Kein einziger Vortrag hatte das Thema 'Wie können wir uns gegen x wehren?' oder 'Wie können wir y beeinflussen?'."
Subjektives Fazit einer (erstmaligen) Barcamp-Besucherin: Wer genug hat von langen Konferenzen mit ewigen Powerpoint-Präsentationen und starrem Plan, bei denen dann ohnehin nur die immer gleichen Vorträge gehalten werden, der ist bei einem Barcamp gut aufgehoben. Dazu kommt, dass das Themenfeld viel weiter ist, weil ja jeder Besucher - zumindest theoretisch - auch Session-Präsentator ist, und so auch skurrile oder unerwartete Randthemen Platz finden. Und zuletzt geht es vor allem ums Vernetzen und Ideenaustauschen, oder wie es eine Teilnehmerin formulierte: "Das wahre Wesen des Barcamps findet in den Pausen statt". (derStandard.at, 19.9.2010)