Fünf Monate danach: Nun ist das Bohrloch auch von unten mit Zement verschlossen
Washington - Aufatmen am Golf von Mexiko: Fünf Monate nach der Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko hat BP das lecke Bohrloch endgültig versiegelt. Nach einem letzten Drucktest erklärte der Koordinator der US-Regierung, Thad Allen, das Bohrloch am Sonntag offiziell für "tot". Die Aufarbeitung der schwersten Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA steht aber erst an ihrem Anfang.
Das Bohrloch sei definitiv keine Gefahr mehr für den Golf von Mexiko, sagte Allen. Im Rahmen der sogenannten "Operation Bottom Kill" hatten BP-Techniker am Freitag sieben Stunden lang Schlamm und Zement durch eine Entlastungsbohrung direkt in das Ölvorkommen in 4000 Metern Tiefe gepumpt. Ein letzter Drucktest nach dem Trocknen der Masse sollte zeigen, ob die Versiegelung tatsächlich hält. Bereits Mitte Juli war die lecke Steigleitung der Quelle mit Zement, Schlamm, Abfällen und einer riesigen Abdeckhaube geschlossen worden. Seither floss kein Öl mehr in den Golf. Die US-Regierung bestand jedoch auf einer endgültigen Versiegelung der Quelle.
Säuberungs-Arbeiten erst am Beginn
Die Aufarbeitung des schweren Unglücks, bei dem auch elf Arbeiter der "Deepwater Horizon" starben, steht jedoch noch ganz am Anfang. Nach Angaben des Vertreters der Küstenwache Paul Zukunft sind mehr als 25.000 Helfer nach wie vor mit der Säuberung von knapp tausend Kilometern verschmutzter Strände beschäftigt. "Unsere weitere Sorge ist, dass wir nicht wissen, wo das restliche Öl ist", sagte er. Nach seinen Angaben suchen derzeit elf Forschungsschiffe nach einer Antwort.
87 Tage lang floss das Öl ungehindert aus dem lecken Bohrloch in den Golf, insgesamt 660.000 Tonnen. Die Küste von Louisiana bis Florida wurde verschmutzt, die Fischerei- und Tourismusindustrie erlitt schweren Schaden. Ein Teil des Öls wurde nach Angaben von Regierungsexperten aufgefangen oder abgefackelt, rund zwei Drittel verdunsteten demnach oder wurden von Bakterien vernichtet. Doch befürchten Umweltexperten, dass sich größere Ölschwaden noch in der Tiefe verbergen.
Auf BP kommen neben den Kosten für Reinigung Entschädigungszahlungen in Milliardenhöhe zu. Der Konzern beharrt allerdings darauf, nicht allein verantwortlich zu sein, sondern gibt Subunternehmen eine Mitschuld an der Katastrophe: Unter anderem hatte ein Schutzventil an der lecken Leitung versagt, erste Untersuchungen ergaben zudem eine Reihe schwerer Verstöße gegen die Sicherheitsvorschriften. (APA/AFP)