Absatzchancen für atomfreien Strom

Günther Strobl aus Essen , 19. September 2010, 18:17

Für österreichische Stromversorger öffnet sich möglicherweise ein Mondfenster in Deutschland. Grund: die Verlängerung der AKW-Laufzeiten

Nicht nur in Deutschland hat die Absicht der konservativ-liberalen Regierung von Angela Merkel, die Laufzeiten der 17 Atomkraftwerke um durchschnittlich zwölf Jahre zu verlängern, für Aufregung gesorgt. Auch aus Österreich, einer Oase im AKW-durchsetzten Europa, gab es geharnischte Proteste. Nun zeigt sich, dass gerade österreichische Energieversorger Nutznießer der jüngsten Vorkommnisse in Deutschland sein könnten.

"Das Bedürfnis nach atomfreiem Strom ist in Deutschland deutlich stärker ausgeprägt als in Österreich. Der Atomstreit wird dem noch mehr Dynamik verleihen", sagte der Geschäftsführer der Energie Allianz, Christian Wojta, dem Standard bei einem Lokalaugenschein in Essen.

Die Energie Allianz, die gemeinsame Strom- und Gasvertriebsfirma von Wien Energie, EVN (NÖ), Bewag und Begas (Burgenland), hat sich vor drei Jahren in die Höhle des Löwen gesetzt und in Essen, dem Sitz des deutschen Stromkolosses RWE, sein erstes Vertriebsbüro im Ausland aufgesperrt. Neben Leipzig, Hoheitsgebiet von Vattenfall, hat die Energie Allianz Anfang des Monats auch in München ein Büro aufgesperrt, um Kunden im süddeutschen Raum zu werben. Dort heißen die Platzhirsche Eon und EnBW (Energie Baden-Württemberg). Letztere ist in Österreich an der EVN beteiligt.

In Österreich erwarteten Verbraucher, dass "Strom ohne Atom" aus der Steckdose komme. In Deutschland sei das nicht selbstverständlich. Zuletzt habe der deutsche Ökoanbieter Lichtblick "mehrere 100 GWh zertifizierten Grünstrom bei uns gekauft" und weiterverteilt. Eine Gigawattstunde entspricht einer Mio. kWh.

Zur Öko-Marktbearbeitung haben die Allianz-Partner eine eigene Firma gegründet - Naturkraft. Diese arbeitet vollcomputerisiert von der Zentrale in Wien aus, ebenso der Diskonter Switch.

Wettbewerb wird härter

Der Kampf um wechselwillige Kunden auf dem deutschen Ökostrommarkt wird indes intensiver. Verbraucher können nach Erhebungen des Verbraucherportals toptarif.de in den 100 größten Städten meist zwischen 64 Ökostromanbietern wählen. Auch der Verbund versucht nun verstärkt, mit seinen Ökostromprodukten in Deutschland zu landen.

Hauptzielgruppe der Österreicher bleibt das Großkundensegment, dem es um Sicherheit, Flexibilität und den besten Preis geht. Die Energie Allianz, die u. a. Tengelmann und die Deutsche Bundesbank beliefert, hat in Deutschland zuletzt 1,3 TWh (Terawattstunden; 1,3 Mrd. kWh) abgesetzt und möchte 2011 auf 2,8 TWh kommen. "Dann haben wir keine Probleme mehr, dann fliegt die Kiste", sagte der für den Vertrieb zuständige Johann F. Mayer. (Günther Strobl aus Essen, DER STANDARD, Printausgabe, 20.9.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 29
1 2
Zophopas
00
20.9.2010, 15:15
Leider weiß man als Otto-Normalverbraucher inzwischen nicht mehr,

welcher Energiekonzern an welchem beteiligt ist und wer Strom woher importiert und wohin exportiert. Damit wird diese ganze Ökostrom- und Atomstromsache sehr schön verwischt und die Energiekonzerne können am Ende trotzdem wieder das machen, was sie wollen. Dennoch sollte der Konsument Zeichen setzen und sich für ökologischen Strom entscheiden...zumindest sollte er es versuchen.

molekühl
01
20.9.2010, 10:03

Wisst's, wer mir hier noch abgeht in dieser Diskussion: Die Schwachmatiker, die einen Cent Aufschlag für ihren Pseudo-"100% Ökostrom" zahlen, und daraus ableiten, dass sich die gesamte Energieproduktion weltweit mit 1 Cent Aufschlag pro kWh auf regenerierbar umstellen ließe.

Dein schönster Traum
11
20.9.2010, 09:58
Strom aus Uran...

...ist die einzige leistbare unter den sauberen Alternativen.

Die linken Ignoranten, die den von Kommunisten hingeschlampten RBMK (Tschernobyl) nicht von einem modernen, westlichen Reaktor unterscheiden können haben halt leider die Meinungshoheit.

Ich bin FÜR Nuklearenergie - da kann die linkslinke Schickeria noch so jaulen.

Severino di Giovanni
00
15.3.2011, 21:26
...

Was sagst Du nun, wenn Du den japanischen GAU siehst? Sind das dort auch kommunistische Schrottreaktoren? Wenn jemand ignorant bist, dann Du, denn du hast offenbar die dutzenden Störfälle in westlichen AKWs immer ignoriert.

alles
00
23.9.2010, 20:53
Strom aus Uran......ist die einzige leistbare unter den sauberen Alternativen.

Ich nehme an, dann wisssen Sie auch wohin der Atommüll kommt. Wohlgemerkt, wie die Wissenschaftler sagen, für 1 Million Jahre gesichert.
Ich kann die Aussage "aubere Alternative" wirklich nicht verstehen.

Agnostiker1
02
20.9.2010, 09:27
Einen derartigen Unsinn liest man sehr selten.

Jeder aus der deutschen Zielgruppe, nämlich die Großkunden, sind fest in der Hand der großen Vier. So ein Denkmuster in reiner Blödsinn ist nur möglich, wenn der Wunsch den gesunden Menschenverstand erschlagen hat. Bescheidene Frage: ich wüßte einen sehr großen Abnehmer, die HH-Aluminiumwerke (entspräche genau der Großkundenphilosophie) Doch die werden durch staatliche Sondervergütungen in Hamburg gehalten.. Also können die nur den Strom, den sie vorgesetzt bekommen, überhaupt beziehen. Und dann den in Tirol hergestellten Strom nach HH bringen, durch ein Leitungsnetz, das den großen Vier gehört. Autor, bitte um Aufklärung.

A. Raunzer
02
20.9.2010, 09:43
Da hilft nur eins:

http://www.nucleostop.de/
Wir brauchen endlich auch ein Gerät, das Ökostrom eindeutig erkennt! (Haha).

Aber im Ernst: Geldwäsche ist verboten, an Stromwäsche verdient die heimische E-Wirtschaft blendend. Mit billigem Atomstrom pumpen, teuren Speicherstrom verkaufen.

Peter_23
00
20.9.2010, 11:33
Psst, verraten Sie doch nicht die Tricks der E-Wirtschaft

wie man billigen nächtlichen Atomstrom (aus DE, aber auch Tschechien) via Wasser-Pumpkraftwerke in den westlichen Bundesnländern in teuren Ökostrom, noch dazu mit tollen Zertifikat, verwandelt.

Kunden, auch Stromkunden, wollen betrogen werden. Lassen Sie ihnen doch die Freunde am betrogen werden.

repent
 
00
19.9.2010, 20:57
Genial

Billigen Atomstrom aus dem Ausland kaufen und "teuren" Ökostrom exportieren damit die deutschen auf ihrer Rechnung genug Ökoanteil haben. Und hierzulande interessierst eh niemanden da wir ja keine Atomkraftwerke haben.

Noch lustiger wirds ja wenn man als Österreicher billigen Atomstrom bezahlt der Strom aber aus dem Wasserkraftwerk ums Eck kommt ;)

BenutzerMich
00
20.9.2010, 10:10

sie kriegen das, was sie kaufen. der strom-mix wird ausgewiesen. kaufen's halt keinen ucte-mix, dann steht hinter ihrer energie auch kein akw als herkunftsnachweis.

Herzerzog Johann
27
19.9.2010, 20:27
Wir verkaufen also ...

... gentechnik- und atomfreien veganen Biostrom. Man muß wirklich froh sein, daß es so viele Dumme gibt ...

X Y
00
20.9.2010, 02:36
Genauso

ist es. Wenn man dann noch den Österreichern erklärt, dass Atomstrom und Gentechnik ein und dasselbe sind, dann hamma ausgesorgt. Aber warte, die glauben dass doch eh schon....

carbonara
00
19.9.2010, 20:21
Neue Strommarketing-Idee für Österreich..

....wir exportieren unseren gesamten (in Österreich) hergestellten Strom teuer als "Biostrom aus Österreich - garantiert "atom-frei"",

importieren aber gleichzeitig (zum Eigenbedarf) billig Atomstrom.

Vielleicht gibt´s ein paar Blöde, die darauf hereinfallen.

FSK
01
19.9.2010, 21:07

das wird ja schon gemacht,

another_stranger_me
00
19.9.2010, 20:11

österreich soll erst selber davon loskommen - unser strom ist nicht mal annähernd so "atom"-los, wie die meisten denken

http://marktcheck.greenpeace.at/1535.html

sind leider nur die zahlen von 2005

Waldorf
 
00
19.9.2010, 18:44

Erzählt man uns nicht immer das wir im Land nicht genügend Strom produzieren und wir ihn deswegen aus dem Ausland importieren müssen?

Wie paßt das mit Exporthoffnungen zusammen? Stromwäsche?

Clemo
00
19.9.2010, 19:16

Wir importierenauf Jahresbasis ca 10% unseres Stromverbrauchs. Und zwar mit steigender Tendenz.

Was noch schlimmer ist: Innerhalb eines Stromnetzes hat Strom kein Mascherl. Und Europa hat ein Stromnetz, an das übrigens auch unsere ÖBB angebunden ist.

Also, wie auch von anderen Postern formuliert, nichts als Augenauswischerei. Sind Verbraucher wirklich so dumm, erschreckend.

BenutzerMich
00
20.9.2010, 10:14

selbst große energiekonzerne können nicht gegen die physik arbeiten. aber den strom, den sie kaufen, können sie schon ein mascherl verleihen.

jeder als öko oder als naturkraft ausgewieser strom braucht herkunftsnachweise (und hat diese auch).

Clemo
00
20.9.2010, 11:22

Nein, eben nicht. Das Stromnetz ist nur stabil in der jetzigen Form, weil eben auch Atomstrom verwendet wird.
Sowie Geld kein Mascherl hat, so hat auch Strom kein Mascherl. Ja, ich kann den Strom von dem Kraftwerk XY einkaufen, aber ob die Elektronen innerhalb eines Netzes schlussendlich von Biblis oder von der Freudenau kommen, das kann man nicht sagen. So ist Physik.

Wenn wir es ganz ernst meinen, dann müssten wir uns von allen Nachbarstaaten, die Atomstrom in ihr Netz einspeisen, abkoppeln. Nur dann hoffe ich, dass Sie viele Taschenlampen, Stromgeneratoren und Kerzen haben. Und konsequenterweise muss man sagen, dass man dann auch keine deutschen Autos kaufen darf. Diese werden in Fabriken, die Atomstrom verwenden, hergestellt...

W. Müller
 
11
19.9.2010, 19:09
Großteile - Ja.

(Stromwäsche)

Nachts werden Kernkraftwerke nicht in deren Leistung reduziert sondern erzeugen Strom für Pumpen unserer Speicherkraftwerke (Stausee).

Das so hochgepumpte Wasser rinnt dann am nächsten Tag wieder herunter und erzeugt zu Zeiten des Spitzenverbrauchs Strom.

Der Wirkungsgrad ist zwar besch.. eiden (<40%), da 'Atom'strom jedoch fast nichts kostet, rentiert sich's für alle Beteiligten.

FSK
00
19.9.2010, 21:09
W. Müller
 
00
20.9.2010, 02:13
Hier irrt Wikipedia

Hin :
- Leitungsverlust Atommeiler -> Pumpe
- Trafoverluste
- Wirkungsgrad Pumpe
- Reibungsverlust Rohr

Retour :
- Reibungsverlust Rohr
- Verluste Turbine
- Wirkungsgrad Generator
- Trafoverluste
- Leitungsverlust Kraftwerk -> Verbraucher (GER)

Don schlau on
00
19.9.2010, 22:59
den wirkungsgrad von 80%

halte ich für nicht plausibel da ein zweifacher Verlust auftritt. Erst durch Pumpen und anschließend durch die Energierückgewinnung über die Turbine.

Würde der Gesamtwirkungsgrad 80 % sein mußte der Pump und der Generatorwirkungsgrad bei mindesten 89% liegen.
Laut http://de.wikipedia.org/wiki/Wirkungsgrad
liegt der Wirkungsgrad eines Wasserkraftwerk zwischen 80 und 90% legt man für den Pumpvorgang die selben Werte Zugrunde so sind wir im pessimistischen Fall bei 64 %

derTechniker
 
00
19.9.2010, 20:15

Allein unsere Flusskraftwerke (Allein 9 an der Donau) reichen nachts locker aus um den energiebedarf zu decken + die pumpen für die pumpspeicher zu betreiben....

gigngogn
 
00
20.9.2010, 11:10
Irrtum, die Leistung der ö. Laufkraftwerke liegt bei ~3,8GW, ihre Arbeitsverfügbarkeit liegt bei ~60%. Damit erzeugen sie im Jahr ~20,7TWh, das ist ~1/3 des ö. Gesamtstromverbrauchs

Wasserkraft reicht in schon lange nicht mehr um den ö. Strombedarf zu decken, nicht einmal mehr die Grundlast kann damit abgedeckt werden. Tendenz übrigens sinkend.

Beispiel für die Grundlast:
16.1.2010 05:00 Last im Netz 5725MW
16.7.2010 05:00 Last in Netz 5000MW

Leistugn der Laufkraftwerke ~3755MW

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 29
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.