Dienstwagen, Lieferfahrzeuge, Stapler: Wo sie in Flotten auftauchen, machen sie viel Arbeit, die man auch in die Hände von Profis legen kann
Ob Dienstwagen, Lieferfahrzeuge, Lastwagen - wenn sie in Horden auftauchen, kosten sie viel Geld. Nicht nur die Anschaffung fällt ins Gewicht. Was dann kommt, kann zum Fass ohne Boden werden. Die Finanzierung schlägt grob gerechnet mit der Hälfte der Kosten zu Buche. "Man denke nur an die Administration", gibt Oliver Hillisch von der Bawag.P.S.K Leasing zu bedenken, "an die vielen Belege, die zu bearbeiten sind. Bei uns gibt es nur einen Beleg im Monat." Wolfgang Winkelmayer von UniCredit ergänzt die Liste mit "zahllosen Wartungsterminen, Ersatzteilbeschaffung, Schadensfall-Verwaltung, Versicherungsangelegenheiten." Fragen und Probleme, die man gerade in Krisenzeiten, wo besonders genau kalkuliert werde, verstärkt an Profis auslagere.
Rundumpaket
Die schnüren für ihre Kunden schon lange Rundum-Sorglos-Pakete: Von der betriebswirtschaftlichen Planung über Finanzierungsfragen bis zu Wartung, Service und Lösungsimplementierung reicht das Portfolio der Anbieter, die sich laufend allerlei Services einfallen lassen. Wer seine Flotte erst aufbaut, kann schon die Auswahl einem Experten übergeben und überlegen was genau er mitkaufen möchte. Die Leasing-Gesellschaften bieten sich mittlerweile als so genannte Full-Service-Partner an, die von der Autoauswahl bis zum Einkauf über den Verkauf nach der Nutzung alles Notwendige übernehmen. Sei es die ISO-Zertifizierung, die oft für Aufträge im öffentlichen Bereich erforderlich ist, das Gratis-Hol- und Bring-Service und das Ersatzauto im Reparaturfall, die Innen- und Außen-Reinigung, die "Pickerlüberprüfung", die Kontrolle, ob bei der Betankung alles im grünen Bereich ist: Am Ende machen die Details die Musik.
Planbar und professionell
Die Anbieter argumentieren mit planbaren Kosten und Professionalität. "Full-Service-Leasing zahlt sich schon ab einem Auto aus", wirbt LeasePlan-Chef Nigel Storny. Die Kombination von Fachwissen und guten Einkaufskonditionen, komme am Ende allen Kunden zugute, ist auch Alfred Berger von Raiffeisen-Leasing sicher: "Wenn uns die KFZ-Werkstatt um die Freigabe für den Einbau einer neuen Bremse bittet, weiß unser KFZ-Mechaniker ob das notwendig und der Preis ok ist." Neben der Qualitätssicherung und Kostenfrage gelte es, vor allem die Gesamtkosten im Auge zu behalten.
Bearbeitet wird der Markt von unterschiedlicher Seite. Leasinggesellschaften wie LeasePlan buhlen ebenso um die Kunden wie Autovermieter wie Sixt, Banken wie Bawag.P.S.K, UniCredit, Raiffeisen oder Erste Bank über ihre Leasing-Töchter und Hersteller wie MAN, Scania, Mercedes Benz, Porsche oder Renault über ihre Finanz- oder Leasingtöchter. Rundum-Service bieten mittlerweile nahezu alle an, Nutzfahrzeughersteller wie MAN und Scania für ihre eigenen Fahrzeuge, die Banken überwiegend im PKW-Bereich.
Vertrauen ist gut
Was sich der Kunde erwarte sei nicht nur die Bewirtschaftung und Wartung der Fahrzeuge. "Wir kümmern uns auch um die Fuhrparkoptimierung", sagt Winkelmayer: "Wenn Sie zum Beispiel als Vertreter ein größeres Gebiet erhalten, könnten wir die Kilometer auch nachbelasten. Wir sagen dem Kunden aber, dass hier nachjustiert werden muss. Bei fast 8.000 Fahrzeugen, die wir betreuen, bekommen wir natürlich auch die Winter- oder Sommerreifen billiger." Mit guten Einkaufskonditionen werben auch die anderen Anbieter. Bawag-P.S.K.-Mann Oliver Hillisch stellt den Kunden ein durchschnittliches Einsparpotenzial von rund 15 Prozent in Aussicht. "Die Kunden können die Kosten in diesem Bereich meist gar nicht einschätzen."
Die Sachverhalte, mit denen sich die Anbieter beschäftigen sind, vielfältig. Zum Beispiel gilt es bei der Anschaffung die Frage nach der Antriebstechnologie - Benzin, Diesel oder vielleicht gar Hybrid oder Elektroantrieb - zu klären. Letzteres ist zumindest im kommen. Raiffeisen hat laut Alfred Berger bereits die ersten Elektro-Autos in der Garage und auch schon einen Kunden, der damit fahren will. "Das ist aber derzeit noch eine Image-Geschichte." Bei LeasePlan sieht man in alternativen Antrieben ein "wesentliches Zukunftsthema". Geschäftsführer Nigel Storny hat sich auch schon ausgerechnet, was so ein E-Mobil an Aufwand bedeutet.: "Die Betriebskosten eines Elektrofahrzeuges belaufen sich bei einer Jahreskilometerleistung von 10.000 Kilometern auf unter 20 Cent/Kilometer. Bei einem vergleichbaren Fahrzeug als Dieselvariante ist mit plus 20 Prozent und als Benziner sogar mit plus 28 Prozent bei den Betriebskosten zu rechnen. Die Treibstoffkosten von konventionellen Fahrzeugen sind somit vier- bis fünfmal so hoch." Auf Basis der Gesamtkosten bewege man sich auf dem Niveau eines gehobenen Mittelklassefahrzeuges, so Storny. Oliver Hillisch ortet noch verhaltendes Interesse an Hybrid, Elektro und Co. "Was das Elektro-Auto betrifft, so gibt es noch viele Unbekannte", sagt Hillisch.
C02-Ausstoß im Blick
Wo sich die Anbieter einig sind: In Zeiten, wo kein ernstzunehmender Konzern am Thema Umwelt und Nachhaltigkeit vorbeikommt, werden meist auch die Flottenmitglieder kleiner. UniCredit-Mann Winkelmayer sieht wie die Konkurrenz einen eindeutigen "Trend zu C02-freundlicheren Autos. Damit schlagen die Kunden zwei Fliegen mit einer Klappe, denn die Flotte wird damit auch billiger." (Regina Bruckner, derStandard.at, 20.9.2010)