Behauptete überfallen worden zu sein - Laut Arzt vermutlich selbst zugefügt
Malmö/Stockholm - Ein Regionalkandidat der
ausländerfeindlichen "Schwedendemokraten" hat in der Woche vor den
heutigen Wahlen in Schweden mit einem in die Stirn geritzten
Hakenkreuz landesweit für mediales Aufsehen gesorgt. Der 24-jährige
Politiker behauptete, am 10. September von zwei maskierten Männern
überfallen und mit einem Messer im Stil des Quentin-Tarantino-Films
"Inglorious Basterds" verunstaltet worden zu sein. Nun stellte sich
heraus, dass er den Überfall vermutlich erfunden und sich die Wunde
selbst beigebracht hat.
Die "Schwedendemokraten" hatten den angeblichen Vorfall in der
Vorwoche im Wahlkampf genutzt. Parteichef Jimmie Akesson stellte
öffentlich Vermutungen an, dass es sich um eine Attacke politischer
Gegner gehandelt habe. In einem öffentlichen Brief beschuldigte
Akesson die "extreme Linke" der Gewalt und nannte den Vorfall "eine
der schlimmsten politischen Taten, die unser Land in moderner Zeit
erlebt hat".
Arzt: Selbst eingeritzt
Am gestrigen Samstag wurde durch die in Malmö erscheinende
Tageszeitung "Sydsvenska Dagbladet" bekannt, dass ein Polizeiarzt
nach Untersuchung der Wunde auf der Stirn des Jungpolitikers zu dem
Schluss gekommen war, dass der 24-Jährige sich das Hakenkreuz selbst
in die Stirn geritzt hat.
Die Wunde sei nach Beurteilung ihrer Lage und Form mit einer
Wahrscheinlichkeit von neun zu eins selbst zugefügt. Ein
Polizeisprecher bestätigte daraufhin, dass es aufgrund der ärztlichen
Untersuchung Zweifel an der Tatbeschreibung des angeblichen
Überfallopfers gibt.
Der 24-Jährige ist Parteikandidat sowohl für den Gemeinderat in
Malmö als auch für das "Landsting" der Region Schonen (Skane). Die
"Schwedendemokraten" haben laut Umfragen am Sonntag gute Chancen,
erstmals auch in das Schwedische Parlament (Reichstag) einzuziehen. (APA)