Gespräche mit Kirche gescheitert

Missbrauchsopfer planen Musterklagen

19. September 2010, 11:32
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    foto: dpa-zentralbild/jens wolf

    Vonseiten des heimischen Klerus ist man nicht bereit, den Rechtsvertretern der Opfer kirchlicher Gewalt die Hand zu reichen.

Keine Einigung mit Klasnic-Kommission - 300 Betroffene

"Wir haben es versucht, man hat uns aber beinhart abblitzen lassen", bringt es Werner Schostal auf den Punkt. Der Anwalt von rund 300 Missbrauchsopfern sieht die Verhandlungen mit der katholischen Kirche hinsichtlich möglicher Entschädigungszahlungen als gescheitert an. Schostal: "Es wird sicher keine außergerichtliche Einigung geben, wir bereiten nun entsprechende Klagen vor."

Gespräche mit der von Kardinal Christoph Schönborn eingesetzten Opferanwaltschaft unter der Leitung der ehemaligen steirischen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic hat es zwar gegeben, für eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung reichte es aber nicht. "Eine Einigung hätte es nur zu Bedingungen der Klasnic-Kommission gegeben. Was für uns völlig inakzeptabel ist, weil die zuletzt kolportierten Beträge von 15. 000 Euro in schwersten Fällen viel zu niedrig sind. Aber zumindest war man ehrlich und hat uns klar mitgeteilt, dass die Kommission keinen Handlungsspielraum habe - entweder so, wie sie wollen, oder eben gar nicht." Der Bitte nach einem persönlichen Gesprächstermin sei Kardinal Schönborn "leider nicht" nachgekommen.

Prozess-Sponsor gesucht

Schostal plant nun den weiteren Weg nicht mit Gott, sondern mit Justitia zu gehen. "Natürlich werden ich nicht namens aller 300 Opfer eine Klage einbringen. Es wird zwei, drei Musterklagen geben." Den Streitwert beziffert der Wiener Advokat mit "zwischen 60.000 und 130.000 Euro" - je nach Tatbestand.

Problematisch könnte aber trotz Klagswille die Prozessfinanzierung sein. "Das müssen wir jetzt prüfen. Ein Großteil meiner Mandanten ist nicht mit den entsprechenden Mitteln ausgestattet, um so einen Prozess zu finanzieren. Wir haben es hier mit einer Randgruppe zu tun, die sich solche Prozesse eigentlich nicht leisten kann. Und das weiß die Kirche genau", gibt Schostal im Gespräch mit dem Standard zu bedenken. Man werde daher einerseits mit Versicherungen über einen entsprechenden Rechtschutz verhandeln, andererseits hofft man auf "externe" Prozessfinanziers. Schostal: "Diesbezüglich gibt es bereits konkrete Gespräche." Parallel dazu habe man bei "namhaften Juristen" Sachverständigen-Gutachten in Auftrag gegeben, die "untermauern sollen, dass die Übergriffe zivilrechtlich nicht verjährt sind".

Gespräch mit Bundespräsident gesucht

Doch nicht nur Waltraud Klasnic suchten die Opferanwälte in den letzten Wochen auf. Man bat auch um einen Gesprächstermin an oberster Staatsstelle. Erhört wurde die Bitte zwar nicht von Bundespräsident Heinz Fischer persönlich, aber zumindest ein Mitarbeiter der Präsidentschaftskanzlei schenkte Schostal Gehör. Und man wusste auf die Frage des Advokaten nach der Möglichkeit einer staatlichen Kommission für Missbrauchfälle eine klare Antwort. Schostal: "Man hat mir nur gesagt, dass dafür keine Notwendigkeit bestünde."

Neben den Klagen der Opfer bahnen sich für die Kirche aber auch an anderer Front gröbere Probleme an. Die Plattform "Opfer kirchlicher Gewalt" überlegt im Herbst ein "Anti-Kirchenprivilegien-Volksbegehren". Ziel sei es, die privilegierte Rolle der katholischen Kirche im Staat zu überdenken und ihr die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle nicht allein zu überlassen. "Das Volksbegehren würde die Politik an ihre Verantwortung erinnern." (Markus Rohrhofer, DER STANDARD-Printausgabe, 18./19. 9. 2010)

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Helmut Hromadnik21
 
00
25.11.2010, 17:44
Der Bitte nach einem persönlichen Gesprächstermin sei Kardinal Schönborn "leider nicht" nachgekommen. Man bat auch um einen Gesprächstermin an oberster Staatsstelle. Erhört wurde die Bitte zwar nicht von Bundespräsident Heinz Fischer persönlich, ab

aber zumindest ein Mitarbeiter der Präsidentschaftskanzlei schenkte Schostal Gehör.

WEN WUNDER`S, MICH NICHT ?

Pia Survivor
 
00
23.10.2010, 13:11
Alle Opfer sollten zusammen stehen!

http://www.youtube.com/watch?v=19RfSd6TEm0

http://netzwerkb.org/petition/

*SAGT ES LAUT*

Heiner Bussy
02
20.9.2010, 17:32
Dass Herr Schostal klagt, wäre sicher auch im Interesse der Kirche.

Die Klage hat nämlich keine besonders guten Erfolgsaussichten, jedenfalls im Hinlick auf die kolportierten Schadenersatzforderungen.

Was dieser Opferanwalt will ist ein Verfahren, in dem alle Behauptungen seiner Mandanten unüberprüft und unwidersprochen bleiben und Forderungen in beliebiger Höhe sofort anerkannt werden. So etwas gibt es vielleicht bei der Klasnic-Kommission, aber nicht vor einem Gericht.

ich gebs zu
41
19.9.2010, 13:23
Komisch, dass dieselbe Sache auch ganz anders dargestellt werden kann:

http://www.salzburg.com/online/ho... xt=&mode=&

Fox Den
04
20.9.2010, 16:58
Haben Sie

den letzten Absatz dieses an sich recht kurzen SN-Artikels gelesen? (o:

re flexion
02
19.9.2010, 09:45
Kann mir wer sagen

welche Teile der kirchlichen Privilegien es ermöglichen, Mißbrauchsfälle allein zu bearbeiten - und ev. nicht zu verfolgen - für die sonst der Staat zuständig wäre?

Ich meine, ohne Privilegien wär's ja auch nicht anders. Entweder einigen sich die Opfer mit einer Trägerorganisation oder sie müssen den Rechtsweg einschreiten.

Fox Den
15
20.9.2010, 17:06
Sie haben vollkommen recht!

Es ist absurd, und einem modernen selbstbewußten Staat unwürdig, einer gewissen gesellschaftlichen Gruppierung eine eigene strafrechtliche Parallelgerichsbarkeit zu konzedieren, speziell wenn diese so eklatant mißbraucht wird, wie es die katholische Kirche in den letzten vielen Jahrzehnten getan hat.

Prof. Alois
 
40
28.9.2010, 17:37
Ganz und gar nicht

Für die Klasnic-Kommission gelten auch jene Taten als entschädigungswürdig, die vor dem Gesetz schon lange verjährt sind.

Fox Den
13
28.9.2010, 21:46
Sie kommentieren an der Frage vorbei.

Die RKK rühmt sich, auch nach weltlichen österreichischen Gesetzen verjährte Fälle zu berücksichtigen, bietet aber eine fast beleidigende Entschädigung an. Erinnert irgendwie an den seinerzeitigen Ablaßhandel, diesmal aber in eigener Sache.

Vielleicht hat die österreichische Kirche einfach Angst vor der Einrichtung einer staatlichen Kommission nach irländischem Vorbild, die die dortige Kirche zu durchaus adäquaten Schadenersatzzahlungen verdonnert hatte.

Prof. Alois
 
40
29.9.2010, 12:33
Angst gewiss nicht

Weil ja die Mehrzahl der Kopmmissionsmitglieder mit der Kirche nichts zu tun haben.

Verglichen mit den staatlichen Stellen, z.B. der Gemeinde Wien, ist die Klasnic-Kommission wegweisend.

Man sollte auch nicht davon ablenken, dass an die 90% allen Kindesmissbrauchs im Privatbereich stattfindet. Ist ja schön. wenn man schuldige Institutionen findet (zahlungswillige). Das löst das Problem nicht.

Fox Den
14
29.9.2010, 16:54
Die Chefin allein,

mit ihren hohen kirchlichen Auszeichnungen, hat mit der katholischen Kirche genug für eine ganze Kommission zu tun! Eine Tochter vom Maria Zell-"Verantwortlichen" Konrad ist dabei, usw, usw.

Es war von einer staatlichen Kommission nach irländischem Vorbild die Rede. Eine Kommission mit zweifelhafter Glaubwürdigkeit kann auch ich mit einer anderen Kommission mit möglicherweise genauso zweifelhafter Glaubwürdigkeit vergleichen. Staatlich und glaubwürdig, wie damals in Irland, ist keine der von Ihnen erwähnten Kommissionen.

Wo Mißbrauch sonst vorkommt, und in welcher Frequenz, ist hier nicht das Thema. Trotzdem versuchen Sie (Kirchendiener in Brigittenau in irgendeiner Kapazität?) es immer wieder mit dieser Nebellegung.

Prof. Alois
 
50
9.10.2010, 18:37
Icxh bin Pfarrgemeinderatsmitglied in St.Leopold Wien Donaufeld

Das ist im 21. Wiener Gemeindebezirk. Und ich engagiere mich sehr genau dafür, dass in meinem Umfeld nichts derartiges passiert.

Eine staatliche Kommission könnte sich glücklich schätzen, wenn sie so zusammengesetzt wäre wie die der Frau Klasnic. Da sind die meisten kirchenfern, aber ausgewiesene Kapazitäten: z.B. Udo Jesionek, Brigitte Bierlein, Reinhard Haller.

Fox Den
10
10.10.2010, 16:17
Auf die Chefin und die Konrad gehen Sie gar nicht ein.

1. Ich hoffe, dass sich auch die aktiven Geistlichen in Ihrer Pfarre gegen "Derartiges" engagieren.

2. Diese Kommission enthält, neben o.a. K. & K., die in solchen Zusammenhängen immer üblichen handverlesenen Gesichter, die mittlerweile zu fixen Bestandteilen des Systems mutiert sind. Der ehemalige Stadtschulrat hat sogar öffentlich zugegeben, dass während seiner Amtszeit Mißbrauchsvorwürfe fast routinemäßig unter den Teppich gekehrt wurden. Man müsste nur ein wenig an der anscheinend glänzenden biographischen Oberfläche dieser Leute kratzen, um Ihre Aussage zu widerlegen.

3. Es braucht eine Kommission aus vollkommen unvoreingenommenen Leuten, vorwiegend Juristen, die sich nur der schonungslosen Aufklärung verpflichtet fühlen.

Prof. Alois
 
00
13.10.2010, 20:20
Aha, Juristen

Die sich nach der Festsellung: Eh schon alles verjährt, umdrehen und gehen.

Das wäre wohl die schlechteste Lösung.

Fox Den
00
29.10.2010, 16:35
Nicht so

in Irland, wo die Ryan Commission

http://en.wikipedia.org/wiki/Comm... hild_Abuse

die bisher vorbildlichste Aufarbeitung und Entschädigung von teilweise Jahrzehnte zurückliegenden Mißbrauchsfällen dieser Art vollbracht hat. Das Verjährungsargument war von Anfang an ausgeschlossen.

ich gebs zu
01
19.9.2010, 13:31
Da gibt es keine Privilegien.

Missbrauchsfälle müssen wie jede Straftat den Tätern nachgewiesen werden, und das innerhalb einer bestimmten Frist.

Insofern leistet die Kirche -- vermutlich aus moralischen Gründen -- mehr, als sie rein rechtlich müsste: Die Klasnic-Kommission erkennt ja auch verjährte Fälle an.

Fraglich ist, ob die Anzeigepflicht verletzt wurde ob die heutige Kirche als Institution für Versäumnisse früherer Zeiten haftbar zu machen ist.

Das will Schostal offensichtlich prüfen lassen.

re flexion
11
19.9.2010, 13:51
Meine Frage

richtet sich aber nicht auf die Tätigkeit des Anwalts sondern auf das Ziel der Plattform
"die privilegierte Rolle der katholischen Kirche im Staat zu überdenken und ihr die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle nicht allein zu überlassen".

Haben jetzt die alleinige Aufarbeitung und die Privilegien was miteinander zu tun oder nicht?

ich gebs zu
10
19.9.2010, 15:31
Und die "Privilegien" haben natürlich nichts damit zu tun,

dass die Kirche die in ihren Institutionen verübten Verbrechen endlich aufarbeiten muss.

Das kann ihr ja auch keine/r abnehmen.

ich gebs zu
02
19.9.2010, 15:27
Dass anerkannte Religionsgemeinschaften in

Österreich bestimmte Vergünstigungen genießen, steht in der Verfassung. Ob die dem Staat schaden oder nützen, muss wohl jede/r für sich selbst beantworten.

M. E. geht es den Befürwortern dieser Plattform vor allem darum, der katholischen Kirche eins auszuwischen. Gegen Muslime, kleinere Kirchen usw. vorzugehen ist ja politisch nicht ganz so korrekt.

bluebeard's 8th wife.
10
19.9.2010, 07:59
tapfer!

die anwälte der opfer greifen mitten ins eingemachte, nämlich in die autonomie der katholischen kirche in inneren angelegenheiten (soll heißen, das privileg, dass sich der staat aus kirchensachen raushält).

angesichts der missbräuche, die immer wieder aufgedeckt werden, sind solche sachen wie staatlich tolerierte rauswürfe von geschiedenen und mobbing von glaubenszweiflern ja peanuts. dennoch ist festzuhalten, dass die (innere autonomie" solche schlechten traditionen legitimiert hat und auch dazu führte, dass sich polizei und gerichte tunlichst rausgehalten haben.

re flexion
11
19.9.2010, 09:37
Nicht

die Anwälte der Opfer greifen da hin. Die sind auf der Suche nach Prozessfinanziers für Musterprozesse.

Die Plattform "Opfer kirchlicher Gewalt" überlegt da hinzugreifen!

legal eagle
 
00
19.9.2010, 13:52

die plattform wird genauso scheitern wie das kirchenvolksbegehren.

Kelborn
156
18.9.2010, 23:47

aha. Thema Kirche. Das Bashing feiert fröhliche Urstände!

Quasis Herr Karl
00
29.9.2010, 18:09
Zuerst wurden Kinder gebasht, jetzt sind die Basher dran.

Wo brennts?

Al Mansur
211
19.9.2010, 02:47
Zu Recht!

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