derStandard.at-Reportage

Professor Sascha schreitet durch die Bürgerlichkeit

T. Eder, S. Pumberger, 21. September 2010, 06:14
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    Die Josefstadt ist ein bürgerliches Pflaster mit traditionell starken Grünen.

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    "Die Ereignisse im Frühjahr kannst eh nur abhaken", sagt Van der Bellen.

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    "Wenn ich tatsächlich die Vorzugstimmen bekomme und es zu Rot-Grün kommt, zieh ich auf jeden Fall in den Gemeinderat ein", wenn nicht, dann überlegt er noch einmal.

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    In der Mitte der Josefstädter Straße treffen grüne und orange Wahlkämpfer aufeinander.

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    Der Spitzenkandidat im Bezirk, Alexander Spritzendörfer, führt Van der Bellen durch den 8. Bezirk.

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    Für einen Einzug braucht Van der Bellen mehr als 10.000 Vorzugsstimmen. Am liebsten wäre er Stadrat für Finanzen oder Wohnbau.

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    "Neugierig bin ich schon. Ich weiß allerdings auch, was man so gemeinhin über das Rathaus sagt", so Van der Bellen.

Alexander Van der Bellen will in Wien Stadtrat werden - Wahlkampfauftritte absolviert er betont gelassen

Alexander Van der Bellen und das Wahl"kämpfen" - das ist so eine Sache. Einen seiner raren Wahlkampf-Auftritte auf der Straße beginnt der ehemalige Parteichef der Grünen erst einmal gemütlich im Kaffeehaus. Hier finden sich die grünen Mitstreiter nach und nach ein. Ein paar Schüler gehen am Gastgarten des Café Hummel im achten Wiener Gemeindebezirk vorbei , machen ein Foto mit ihrem Handy und tuscheln: "Schau, der Van der Bellen". Es ist das Straßenfest in der Josefstadt; die gesamte Josefstädter Straße ist mit Ständen und Musikgruppen bevölkert. Darunter mischen sich auch Van der Bellen und der grüne Spitzenkandidat in der Josefstadt, Alexander Spritzendorfer.

"Jetzt weißt du auch wie die aussehen!"

Eigentlich gibt es ein Agreement, hier kein Werbematerial zu verteilen, so Spritzendorfer. Dementsprechend unauffällig bewegen sich die Grünen durch die flanierenden Menschen. Keine grell-grünen T-Shirts, keine Luftballons, Kugelschreiber oder ähnliches. Spritzendorfer zeigt Van der Bellen das Fest, die Initiativen des Bezirks, die sich hier präsentieren. Van der Bellen grüßt zwar freundlich, überlässt das Reden aber lieber den anderen und widmet sich den aufliegenden Broschüren. Reaktionen auf der Straße ruft der Politiker auch so hervor: Eine Frau bückt sich etwa zu ihrer Tochter und sagt, auf Van der Bellen zeigend: "Das ist der Van der Bellen, ein Politiker. Jetzt weißt du auch wie die aussehen!"

Es war kein leichtes Jahr für die Josefstädter Bezirksgrünen, kein leichtes für die Wiener Grünen. Spaltungen, Streitereien um Listenplätze und zuletzt der Wechsel von Bundesrat Schennach zur SPÖ. "Die Ereignisse im Frühjahr kannst eh nur abhaken", sagt Van der Bellen dazu. Im Wahlkampf konzentrieren die Grünen sich auf ihre Bezirke, die Josefstadt ist heuer aufgrund der Spaltung der Partei ein sogenannter "Swing State".

"Neugierig bin ich schon"

Der "Professor" will es in Wien noch einmal wissen, besser gesagt: auf den Wunsch vieler Grünen versucht er es bei der Wahl am 10.Oktober. Van der Bellen hat keinen Listenplatz, keine große Erfahrung in der Lokalpolitik. Die Vorzugsstimmen sind seine einzige Chance in den Landtag zu kommen. Dafür braucht er rund 12.000 Stimmen. Ob das klappt? Sicher ist sich Van der Bellen jedenfalls selbst nicht. Doch: "Wenn ich tatsächlich die Vorzugstimmen bekomme und es zu Rot-Grün kommt, zieh ich auf jeden Fall in den Landtag ein. Wenn es eine Absolute der SPÖ gibt oder eine rot-schwarze Koalition, dann werde ich mir das noch einmal überlegen", so Van der Bellen gegenüber derStandard.at. Dass der Wiener Landtag ein anderes Pflaster ist als das Parlament, dessen ist er sich bewusst: "Neugierig bin ich schon. Ich weiß allerdings auch, was man so gemeinhin über das Rathaus sagt."

"Es weiß doch jeder, dass jetzt Wahlkampf ist"

Ist eine Koalition mit der SPÖ überhaupt möglich? Schließlich finden die Grünen derzeit nicht viel Gutes an der SPÖ: "Wahlkampf ist Wahlkampf. Ich würde mir aber wünschen, dass die Wiener verstehen, dass die Stadt nicht der SPÖ gehört. Häupl muss sich überlegen, ob er als Verwalter, oder einer, der Gelegenheiten wahrgenommen hat, in Erinnerung bleiben will", sagt Van der Bellen um Rot-Grün leise werbend. Vor einer Woche haben die Wiener Grünen ihr Wahlprogramm vorgestellt, darin wird viel gefordert: unter anderem die Halbierung der Arbeitslosenrate in Wien. Sind die Forderungen nicht abseits jeglicher Finanzierungsrealität? Der Wirtschaftsprofessor entgegnet: "So lange es nicht zu krass ist, sehe ich das nicht als Problem. Es weiß doch jeder, dass jetzt Wahlkampf ist."

Mitten auf der Josefstädter Straße tanzt ein Paar Tango. Hier bleibt Van der Bellen lange stehen, wippt begeistert mit. Seine Begleiter müssen ihn dazu drängen, weiterzugehen. Er gibt zu: "Ich muss leider weitergehen, sonst würd ich mich hinhocken und stundenlang zuschauen". Wenig später kommt es zum Aufeinandertreffen mit der Konkurrenz. Walter Sonnleitner, ehemaliger ORF-Redakteur und nun Spitzenkandidat des BZÖ, hat sich mit BZÖ-Chef Josef Bucher vom Parlament hinauf zum Gürtel bewegt. "Wie geht's denn, Herr Professor?", will Bucher wissen. Es folgt ein freundschaftlicher Austausch über die letzten gemeinsam besuchten Veranstaltungen.

Van der Bellen kann sich Finanz- oder Wohnbaustadtradt vorstellen

Van der Bellens vorrangiges Ziel ist es, Stadtrat zu werden. "In einem interessanten Ressort, natürlich", so der derzeitige Nationalratsabgeordnete. Finanzen oder Wohnbau, das würde ihn interessieren. "Es ist vielen Leuten nicht bewusst, dass Wien eine Zuwanderungsstadt ist", sagt Van der Bellen. Jährlich müsste in Wien für 15.000 Menschen zusätzlich Wohnraum geschaffen werden. "Aber viele kommen aus der EU", wirft ein Passant ein, der sich zu dem Gespräch gesellt hat. "Ja, das muss man auch einmal dazusagen, dass die meiste Zuwanderung nach Wien aus Österreich und der EU kommt und dann erst aus Drittstaaten", so Van der Bellen in Richtung der Strache-FPÖ.

"Sie machen das ganz toll!"

Van der Bellen ist kein Straßenwahlkämpfer, das merkt man ihm an. Es sind die leisen Töne, die er anstimmt. Eine ältere Frau raunt ihm trotzdem ehrfürchtig zu: "Sie machen das ganz toll! Nur weiter so!"

(Teresa Eder, Sebastian Pumberger, derStandard.at, 21.9.2010)

Kommentar posten
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Briefmarkenkleber
11
1.10.2010, 11:29
Ein Scheinkandidat...

...hat sich zum Komplzen einer Wählertäuschung gemacht. Traurig, nach so einer untadeligen, wnn auch erfolglosen Polit-Karriere.

Anton D.
10
30.9.2010, 20:26
Aus dem Auge, aus dem Sinn!

Sascha wird keinen Blumentopf gewinnen, er hat abgedankt ---they never come back!

Teufelsbraut, Guter Heinrich und Judenkraut
06
30.9.2010, 10:15

Van der Bellen ist meiner Meinung nach der klügste Kopf im Nationalrat. Und ich glaube, die Grünen haben einen großen Fehler gemacht, als sie van der Bellen auswechselten.

Videobeweis im Fußball. JETZT!
01
27.9.2010, 15:29
mulitrox
47
24.9.2010, 14:27
Im 8. wird trotzdem

die ÖVP und Veronika Mickel gewinnen, da kann der geschätze Herr Professor noch so oft die Josefstädter Straße rauf- und runterpilgern.

Thomas Felder1
31
28.9.2010, 08:48

ich hoffe auf die SPÖ mit Raffi Sternfeld

charley-inc
11
28.9.2010, 00:21
Und das ist auuch gut so =)

Jetzt müssen wirs nur mehr möglich machen mit unseren Stimmen..

verrückter hutmacher
01
25.9.2010, 21:27
im 8. ist alles offen

im 8. ist das rennen doch völlig offen.
die grünen (also spritzendorfer) gewinnen nicht - da bin ich mir sicher.

aber zwischen mickl, rahdjian und dem spö-ler ist alles offen.
rahdjian wird viele (vorallem ältere) övp-ler und grüne ansprechen.
ich könnte mir also gut vorstellen, dass am ende die roten die lachenden dritten sind!

junjunjun
00
7.10.2010, 18:20
ja

das wäre tatsächlich ein szenario. denn rahdijan schluckt stimmen von grün und schwarz. und da die roten im 8. ja auch nicht schwach sind, könnte es tatsächlich ein roter bezirk werden.

kotttan
24
24.9.2010, 12:43
VdB taucht nur bei Wahlkämpfen auf...

Die restlichen Jahre haben die Grünen ganz andere Themen..., welche im Wahlkampf brav verschwiegen werden.

Mag. Garnicht
18
24.9.2010, 11:02
Altweibersommer.

Das junge Publikum ist pfutsch.
Das männliche Publikum ist pfutsch.
Aber zugegeben, ein genussvoller Spaziergang durch den Altweibersommer ist auch was sehr schönes.

die stimme aus dem vulkan
114
22.9.2010, 19:58
der wahlabend wird für die grünen

eine nacht der langen gesichter!

silberstreif65
00
7.10.2010, 17:35

Dass solche Primitivlinge wie du die Grünen nicht wählen, werden diese schon verkraften.

rroobbeerrtt
16
22.9.2010, 19:47
eine ehrenwerter alter herr

zieht bei den jungen nicht!

Oooommmmm
113
23.9.2010, 17:42
In der Josefstadt wurde bei der letzten Wahl ein über 70-jähriger

Grüner Bezirksvorsteher. Van der Bellen weiß schon, wo er wahlwerben gehen muss, so schlau wie Sie ist er noch dreißigmal.

griechischer wein
86
22.9.2010, 19:52
genau, häupl und van der bellen,

wenn man solche gruftis in rennen schickt, darf man sich nicht wundern wenn "unpolitische" junge mensche strache wählen.

Thomas Felder1
00
30.9.2010, 08:43

die wählen ja nicht den strache, das isn gerücht

G'scherte Sau
16
22.9.2010, 19:44
blasse figur, wie glawischnig

leider sind die grünen blassgrün geworden. wo bleibt z.B. das massive engagement für windenergie, elektrofahrzeuge ... gegen den verzehr von thunfisch ...
bildungssprecher walser kündigte eine kantigere bildungspolitik an, als er als AHS-direktor die funktion übernahm. wo bleibt das massive engagement für eine echte zentralmatura? das massive engagement für die ganztagsschule? das massive engagement für die gesamtschule? ...
ich bin derzeit enttäuscht.
(noch) grünwähler

echtzeit2
04
22.9.2010, 23:01
...nur noch 8,5% für Grün in Wien. Das Guthaben ist verspielt; Danke SesselkleberInnen ....

.

.

b.s.o.d.
14
22.9.2010, 19:05
wer ist der alte mann?

Mag. Garnicht
24
22.9.2010, 18:30
Die Grünen tragen bis heute das Vdb Stigma

Sind bürgerlich, alt, abgehoben und alltagsfremd geworden.
Schade. Es war einmal eine ziemlich coole Partei.

Melanie Madner
02
23.9.2010, 19:34
Was soll

an Wollmützen und Birkenstock cool sein?

1116er
64
22.9.2010, 16:40
zu meiner schande muss ich gestehen,

dass ich vor vielen, vielen jahren vdb als guten/interessanten/unterstützungswürdigen politiker empfunden und sogar einmal gewählt habe....

eine wirklich ganz gravierende fehleinschätzung:
vdb war einer der schlechtesten politiker der 2. republik und zu einem nicht unbeträchtlichen teil mitverantwortlich für die krise, in der politik und gesellschaft heute stecken!

Videobeweis im Fußball. JETZT!
01
27.9.2010, 15:31

"vdb war einer der schlechtesten politiker der 2. republik und zu einem nicht unbeträchtlichen teil mitverantwortlich für die krise, in der politik und gesellschaft heute stecken!"

Inwiefern?

1116er
10
27.9.2010, 16:09
vdb

war 11 jahre chef der grünen.
in dieser zeit konnten die grünen weder bei wahlen ordentlich zulegen noch irgendeines ihrer themen 'durchbringen'.
obwohl vdb die verkrusteten schwarz-roten und den dampfplaudernden karawankenaffen gegenüber hatte, ist er dennoch regelmäßig eingeschlafen (zumindest hatte man den eindruck).
als er die chance zu einer koalition hatte, hat er feige zurückgezuckt.

leider hat sich keine neue weitere partei durchsetzen können, somit waren die grünen zu seiner zeit (und auch heute noch) die einzige alternative zu schwarz, rot und braun. in dieser rolle haben sie aber weltmeisterlich versagt!

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