Wozu braucht man einen 3-D Fernseher?
Kein Thema beherrscht die Unterhaltungselektronik derzeit so stark wie 3-D. So wie bei High Definition (HD) und Blu Ray davor stellt sich für potenzielle Käufer die Frage: Wie wichtig ist die dritte Dimension?
3-D ist fast schon ein Abfallprodukt
3-dimensionale Bilder sind praktisch so alt wie Fotografie und Film selbst, aber anders als Stereoton blieben sie eine Kuriosität. Während Stereo in Audio leicht zu erzielen ist (und mit Dolby-Systemen längst weiter als nur zwei Tonquellen ist), ist es megakompliziert, räumliche Bilder zu produzieren, die auch in der Unterhaltungselektronik gut wiedergegeben werden können.
Dafür sorgt jetzt digitale Technik, für die dank leistungsfähiger Prozessoren selbst in Fernsehern, hochauflösender Chips in Kameras und HD-Displays 3-D fast schon ein Abfallprodukt ist. Beim derzeit verwendeten Verfahren werden für das Auge unmerklich in sehr hohem Tempo abwechselnd zwei perspektivisch unterschiedliche Bilder gezeigt; eine Brille mit "Shutter" (Verschluss) öffnet die Sicht jeweils für das passende Auge, woraus die Illusion der dritten Dimension entsteht.
Preis
Solche 3-D-Fernseher kosten dasselbe oder nur ein klein wenig mehr als "normale" 2-D HDTV-Geräte im Vorjahr kosteten. Das scheint auch das Hauptargument der Industrie: Kann mehr und kost' fast nix - abgesehen davon, dass normale TV-Geräte heuer weniger kosten als im Vorjahr.
Für Hersteller ist 3-D eine Möglichkeit, die Preise vor all zu raschem Verfall zu schützen; Konsumenten kommen hingegen unter Druck, bei "gleichen" Preisen doch nicht auf "zukunftsweisende" Technologie zu verzichten.
Shutter-Technologie
Wie zukunftsweisend 3-D in Form der Shutter-Technologie ist, lässt sich bezweifeln. Denn sie erfordert, mit nicht geneigtem Kopf und einem gewissen Bildwinkel mit relativ schweren Brillen fernzusehen - kein allabendliches Vergnügen. Zwei Brillen werden meist mitgegeben, aber eine 3-D-Vorführung beim Kindergeburtstag mit Nachbarskindern kann teuer werden, bis zu 200 Euro kostet eine Extrabrille.
Dazu kommt vor allem: fehlender Content. Es ist kein Zufall, dass James Camerons Kinohit Avatar immer wieder genannt wird - denn sehr viel mehr gibt es da nicht. Die Ironie der Geschichte: Derzeit gibt es Avatar nur in bewährter Zweidimensionalität, die 3-D-Heimversion kommt erst 2011. Und haben wir schon erwähnt, dass ein neuer Blu-Ray-Player fällig ist? TV-Programme in 3-D wird es auf lange Zeit nur auf wenigen Satellitensendern geben.
Brillenlose Alternativen
Doch während 3-D-Fernsehen mit Shutter-System gepusht wird, wird in den Labors mit Hochdruck an brillenlosen Alternativen gearbeitet. Bei Autostereoskopie sorgt die Display-Optik dafür, dass die Lichtstrahlen in zwei unterschiedliche Bilder gebrochen werden. Fujifilm verwendet diese Technologie bei Kameras und Bilderrahmen mit kleinen Displays.
Fazit: Derzeit ist 3-D-Spielzeug für Experimentierfreudige. Oder eben für solche, denen das Gefühl, sich gegen den technologischen Wandel absichern zu können, eine Versicherungsprämie wert ist.(helmut.spudich@derStandard.a, DER STANDARD Printausgabe 17. 09. 2010)
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