"Bei einem Weißen wären sie vorbeigefahren"

Florian Gossy
18. September 2010, 11:39
  • In Nigeria leitete Samson Ogiamien eine Bildhauerwerkstatt.
    foto: kulturservice steiermark

    In Nigeria leitete Samson Ogiamien eine Bildhauerwerkstatt.

Der Künstler Samson Ogiamien wurde in Oberwart von der Polizei überprüft - wegen seiner Hautfarbe, wie er vermutet

Samson Ogiamien ist ein höflicher Mensch. Vielleicht sogar zu höflich. Denn wenn er nicht aufgestanden wäre, um nach draußen zu gehen und ein Telefonat zu führen, hätte er sich Einiges erspart.

Aber der Reihe nach: Samson Ogiamien ist Bildhauer. Er kommt aus Nigeria, lebt und arbeitet jedoch schon seit sechs Jahren in Graz. Mit seinen Werken erregte er bisher einiges an Aufmerksamkeit. Unter anderem arbeitet der Künstler beim Projekt "Antidepressiva für Oberwart" mit, das im Oberwarter Stadtpark stattfindet. Deshalb übernachtet er momentan im Hotel "Zur Pinka". Abends sei man gemütlich beisammen gesessen, und Samson Ogiamien habe telefonieren müssen. Der Nigerianer stand also auf und telefonierte vor dem Hotel am zugehörigen Parkplatz. "Da habe ich gesehen, wie ein Polizeiauto bei mir vorbeigefahren ist. Es war schon 100 Meter an mir vorbei, als es umgedreht hat und zu mir zurückgefahren ist", sagte Ogiamien zu derStandard.at. "Was tust du hier?" hätten die Polizisten ihn gefragt, unhöflich und in der Du-Form - obwohl sie ihn, den Schwarzen, gar nicht gekannt haben. "Ich habe geantwortet, dass ich ein Künstler sei und für die Ausstellung arbeite. Sie haben dann gesagt, dass ich mich ausweisen muss. Worauf ich ihnen meinen österreichischen Führerschein - ich lebe seit sechs Jahren in Österreich - und eine Kopie meines nigerianischen Reisepasses gegeben habe."

"Ich habe Angst gehabt"

Die Polizisten hätten ihn aufgefordert, mit ihnen zur Dienststelle mitzukommen. "Ich habe Angst gehabt. Die Polizisten waren nicht freundlich zu mir. Ich weiß ja, was schon alles passiert ist", sagt er und spielt damit auf Fälle wie die Causa Brennan an. Am Amt wäre zwar nach einer Viertelstunde alles erledigt gewesen, ein schaler Beigeschmack bleibt trotzdem.

Ernst Fischer, der Eigentümer des Hotels "Zur Pinka", kann nicht verstehen - auch wenn er es gerne würde -, warum Ogiamien überprüft worden ist. "Er hat sich ausgewiesen, mit Meldezettel und Führerschein. Jede Polizeistreife hat ja einen Computer im Auto, mit dem man Führerscheindaten genau überprüfen kann. Die Mitnahme auf die Polizeistelle wäre gar nicht nötig gewesen. Bei einem Weißen wären Sie vorbeigefahren. Daraufhin habe ich die Polizisten gleich direkt gefragt, ob es wegen der schwarzen Hautfarbe ist." Der Beamte sprang aus seinem Auto und hätte nur gemeint, dass Fischer mit seinem Anwalt sprechen soll.

Polizei: "Routineüberprüfung"

Aus dem Bezirkspolizeikommando Oberwart war zu dem Vorfall zu erfahren, dass es sich um eine Routineüberprüfung gehandelt habe, man habe Ogiamien ersucht, mitzukommen. Die Identitätsüberprüfung hätte in der Dienststelle einfacher und angenehmer stattfinden können als im Streifenwagen.

Am Freitagabend meldeten sich auch die Grünen zu dem Vorfall zu Wort. Landtagsabgeordneter Michel Reimon: "Das ist so ein kleiner, unspektakulärer Fall von Alltagsrassismus, wie er in den Großstädten auf der Tagesordnung steht. Es ist ja nichts passiert und auf die Polizeiwache wird man ja noch jemanden mitnehmen dürfen. Dass das im Burgenland auch schon um sich greift, ist beschämend." (Florian Gossy, derStandard.at, 18.09.2010)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 591
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13
Bei einem Weißen gebe es keinen Artikel.

Aber auch ein Bildhauer braucht Werbung.....

Paranoia

scheint bei diesem Mann weit fortgeschritten zu sein. Bezieht sicher schon staatliche Unterstützung. Oder etwa nicht?

seit wann wir über mutmaßungen ein artikel geschrieben???

Jedes Polizeiauto hat...

...einen Computer an Bord, mit dem man Führerscheindaten überprüfen kann.
Das ist mir neu. Wenn ich mich irren sollte, bessert mich bitte aus.

in den bericht felht ist dass Niemand MUSS SICH RECHVERTIG gegen uber die polizei was du macht und wo du gehst darf die polizei nicht fragen wir sind wohl nich in eine diktatur oder doch?

wer schon mal als weisser in nigeria von der polizei angehalten und überprüft wurde hat aber wohl mehr angst gehabt.
nagelbrett quer über die strasse gelegt, pistole in der hand und ein englisch das man kaum versteht.
dann das richtige bündel naira parat haben und bloss nicht laut reden.

Österreich muss sich aber auch nicht an einem der korrumpiertesten Staaten der Welt messen.

Gehen Sie mal abends in einer amerikanischen Kleinstadt spazieren. Dann sind Sie dort der Polizei schon suspekt.
Ist mir selbst passiert.

Man trifft sich im Standard - Rassismus soft

Wenn sie wissen wollen, was unter "Rassismus soft, made in Austria" zu verstehen ist, lassen sie die angeführten Postings auf sich wirken. "Sie meinen was sie schreiben!" Sie fühlen sich angegriffen! "Ich, sicher so ein Grünlinker Wichtigtuer".
Doch wechseln wir mal die Hautfarbe des Kontollierten auf Weiss. Wie würden die Kommentare ausfallen? Lassen sie sich auf dieses Experiment ein! AUFSCHREI.
"Polizeistaat", "... die Kieberer sollten sich um die wirklich Bösen kümmern", und dann "der dubiose Schusswaffengebrauch" als Beispiel für die aggressive Entwicklung der Exekutive. Wie gesagt, wenn Herr Samson Ogiamien weiss wäre. Aber Herr Ogiamien ist eben nur ein SCHWARZER. Und wegen der paar, die nicht mit Drogen dealen?

Aber gar nichts wäre passiert, außer dass darüber kein Artikel geschrieben worden wäre.
Aber es ist ja so schön, sich erst ein hypothetisches Beispiel aus den Fingern zu saugen und dann wegen der darauf unterstellten Reaktion von soft Rassismus zu labern...

ich kann's gut nachvollziehen,

dass die farbe bei den beamtemten auschlaggebend war!
wenn ich (weibl. lange haare, sommersprossen, außerordendlich hübsch, wahrschienlich wunderschön) vor dem hotel telefoniere bleibt die polizei sicher nicht stehen...

und ich bin wahrlich keine österreicherin!!!

Sind Sie Pippi Langstrumpf?

made my day!

sommersprossen sind nicht wunderschön :-P

Natürlich wurde er seiner Hautfarbe wegen angehalten und ewig dankbar waren die Beamten, dass sie in Oberwart auch mal einen Schwarzen kontrollieren können. Sie mussten sich ja schon Rassismusvorwürfe gefallen lassen weil sie bislang ausschließlich Weiße kontrolliert hatten.

Heute tatsächlich passiert gegen 11h auf der Währingerstrasse

Eine blonde Frau wurde von der Polizei ohne ersichtlichen Grund angehalten während ich (schwarzhaarig, Mann) weiterfahren dürfte !
Die Polizei ist nicht nur rassistisch sondern auch sexistisch ! Pfui Deixl !

Eine blonde Frau wurde von der Polizei ohne ersichtlichen Grund angehalten

Sobald die Damen "nuttig" aussehen, werden die von der Sitte angehalten und kontrolliert ;-)

Kann sein, muss aber nicht sein!

Es ist halt leider inzwischen schon auch üblich geworden, jegliche staatliche Aktionen z.B. seitens der Exekutive mit der "Rassismuskeule" zu betrachten.

Letztendlich kann in dieser Aktion jeder das sehen, was er will! Die einen interpretieren als "unspektakulären Fall von Alltagsrassismus" und die anderen sehen in dieser Aktion vermutlich einfach nur eine "übliche korrekt durchgeführte Polizeiaktion".

Sicher habent sie bei ihm seiner Hautfarbe wegen gehalten. Das ist halt so, wenn man anders ist als viele andere.

Wohnte ein Weißer im Kongo, fiele der auch auf und wäre infolgedessen auswegslos mehr der Öffentlichkeit ausgesetzet als irgendein anderer Schwarzer.

Das ist halt so und muss man in Kauf nehmen. Werde ich mit dieser Tatsache nicht fertig, kann ich mich nicht als lebensfähig bezeichnen.

weißer im kongo

österreich darf nicht kongo werden

Und immer brav den Strache wählen, gell ?

Auch wenn ich Ihnen keine Rechtfertigung schuldig bin: Ich kann versichern, dass ich noch nie Schtrachen kor und dies - ziemlich wahrscheinlich - auch nie tun werde.

Zudem fand ich meine vorige Aussage itzo nicht dermaßen ausländerfeindlich, dass Sie mir diese Eigenschaft sofort zuschreiben müssent.

Ihr Humor ließ mich darauf schließen.

Hm... Alltagsrassismus

Als solches würde ich das jetzt nicht bezeichnen, aber dass die Polizei generell hin und wieder eine zusätzliche Einheit Sensibilitätstraining einlegen könnte, behaupte ich mal gerne

Posting 1 bis 25 von 591
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.