Langjähriger Rechtsstreit um gestohlenes und dann unter dubiosen Umständen erworbenes Werk beendet
Celle - Mehr als 30 Jahre nach dem Diebstahl eines wertvollen Gemäldes in Paris muss das Landesmuseum Hannover das unter dubiosen Umständen angekaufte Werk zurückgeben. Das Oberlandesgericht Celle verurteilte das Museum am Freitag dazu, das 1979 entwendete Bild des venezianischen Malers Giovanni Battista Tiepolo an den Testamentsvollstrecker der verstorbenen Eigentümerin herauszugeben.
Vorangegangen war ein neunjähriger Rechtsstreit. Der Senat hob damit ein Urteil des Landgerichts Hannover auf. 16 Jahre hing das Gemälde im Landesmuseum, bis 2001 ein Enkel der Eigentümerin erfuhr, wo sich das Tiepolo-Werk befindet. Die Familie verklagte das Museum auf die Herausgabe des Werkes mit dem Titel "Die Wunderheilung des zornigen Sohnes".
Der Kustos des Landesmuseums hatte es sechs Jahre nach dem Diebstahl in der französischen Hauptstadt gekauft. Dabei hätte er "aufgrund der für einen Kunsterwerb ungewöhnlichen Kaufumstände Verdacht auf eine zweifelhafte Herkunft des Gemäldes schöpfen müssen", heißt es in der Urteilsbegründung. Das Museum hätte das Werk nicht guten Glaubens von einer Kunstmalerin kaufen dürfen.
Die Französin hatte das Gemälde kurz nach dem Diebstahl für 60.000 Franc gekauft und später für das rund 16-fache an den Kustos weiter veräußert. Die Frau war keine Kunsthändlerin und behauptete, sie habe Kauf und Verkauf für redlich gehalten.
Das Gemälde war dann auch auf fragwürdige Weise nach Deutschland gekommen. Zwischen zwei Buchdeckeln transportierte ein Bote das Bild in einer Reisetasche am Zoll vorbei nach Hannover. (APA)