Basel III "notwendige Lehre aus der Krise"

20. September 2010, 12:36

OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny war im derStandard.at-Chat zu Gast - Das Protokoll zur Nachlese

Ewald Nowotny, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), steht den Befürchtungen, die Basel-III-Regelungen zum Eigenkapital der Banken könnten zu einem Rückgang bei den Krediten führen, gelassen gegenüber. Basel III sei "eine notwendige Lehre aus der Finanzkrise", erklärte Nowotny am Montag im derStandard.at-Chat. In erster Linie solle damit die Krisenfestigkeit der Banken durch höhere Kapitalausstattung erhöht werden. Tatsächlich sieht Nowotny die Gefahr, dass sich in einer Übergangsphase eine Verringerung der Kreditdynamik ergeben könnte. "Durch die bessere Risikogewichtung sollten davon aber vor allem Kreditkategorien betroffen sein, die sich in der Vergangenheit als problematisch erwiesen haben", so der OeNB-Gouverneur.



Das Problem, dass so manche europäische Bank zu sehr von der Refinanzierung über die Europäische Zentralbank (EZB) abhängig ist ("addicted banks"), sei "primär durch Maßnahmen auf der Ebene der Nationalstaaten zu lösen, wie es etwa durch Abspaltung von 'bad banks' - für die Staatsgarantien gegeben werden – geschieht", erklärte Nowotny.

Mit der "Quantitative-Easing-Politik" und dem damit verbundenen Aufkauf von Staatsanleihen machte sich die EZB nicht nur Freunde. Nowotny führte am Montag aus, dass es in erster Linie darum ging, "Marktungleichgewichte im Bereich der langfristigen Staatsanleihen, wie sie in einigen wenigen Staaten aufgetreten waren, durch gezielte Ankäufe zu korrigieren". Das Programm sei sowohl räumlich als auch vom Volumen her sehr beschränkt. Bis jetzt habe das Ankaufsvolumen etwas unter 70 Milliarden Euro betragen. "Darüber hinaus hat sich die EZB verpflichtet, sämtliche neu geschaffene Liquidität noch in derselben Woche durch andere Maßnahmen zu sterilisieren. Das Programm wird je nach Bedarf fortgeführt, in 'ruhigen' Wochen auf den Kapitalmärkten wurden auch keinerlei Ankäufe durchgeführt", erklärte Nowotny weiter.

Dem Vorschlag eines Users, den Euroraum in zwei Währungseinheiten zu unterteilen, um unterschiedliche geldpolitische Maßnahmen für die unterschiedlichen Wirtschaftsräume setzen zu können, kann Nowotny nichts abgewinnen: "Für die 'schwächeren' Mitgliedsstaaten würde es bedeuten, dass ihre Währung damit abgewertet würde und sie damit mit einer teureren Euroverschuldung belastet wären. Für die 'stärkeren' Mitgliedsstaaten würde es bedeuten, dass ihr Kreditrisiko höher wird und eine Aufwertung ihrer Währung sich negativ auswirkt." Der richtige Weg sei daher, dass schwächere Staaten mittels Strukturmaßnahmen ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und für befristete Zeit auch von der EU unterstützt werden könnten.

Zuversichtlich sieht Nowotny die Bestrebungen Griechenlands, mit den getroffenen Maßnahmen eine Stabilisierung zu erreichen. (red)
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