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Eine unter so vielen möglichen Ängsten: Die Höhenangst
Foto: Helmut J.Salzer/www.pixelio.de
Es gleicht einem Horrorszenario: Im Laderaum eines Flugzeug kriechen Schlangen aus undichten Behältern, gelangen in die Passagierkabine und bedrohen die Fluggäste. Mehrere von ihnen fallen, ebenso wie der Pilot, den Schlangenattacken zum Opfer. Im Flugzeug bricht Panik aus. Die Szene ist nur Fiktion - sie spielt sich im Kinofilm Snakes on Plane ab. Und doch wirft sie die Frage auf, wie Menschen mit Angst umgehen. Gibt es vielleicht einen Mechanismus, der diesen Zustand unterdrücken kann?
Eine wissenschaftliche Antwort auf diese Fragen versuchte ein US- Forscherteam zu geben. Inspiriert vom Film-Szenario, konfrontierten Wissenschafter eine Gruppe Freiwilliger mit einer Schlange, um herauszufinden, wie die Probanden mit Angstzuständen umgehen.
Bei dem Experiment, das vor kurzem im Wissenschaftsmagazin Neuron vorgestellt wurde, konnten die Forscher erstmals neurologische Mechanismen identifizieren, die mit dem subjektiven Befindlichkeitsmoment von Angst zusammenhängen.
Ziel der Übung
Damit verbunden ist die Hoffnung, Phobien, Panikattacken und posttraumatische Belastungsstörungen zu therapieren. "Die Studie stellt einen immensen Fortschritt dar und wird neue Standards in der Gehirn- und Angstforschung setzen", prophezeit Joseph LeDoux, Neurologe an der Universität New York.
Zwar haben die Wissenschafter in der Vergangenheit schon viele Elektronenausstöße festgestellt, die in Angstzuständen im Gehirn freigesetzt werden, bislang gelang es aber noch keinem Forscher, die Prozesse zu analysieren, die bei der Überwindung von Angst im Gehirn ablaufen. Die ungeklärte Frage lautet: Gibt es ein unbekanntes Mutzentrum, das uns vor Gefahren schützt?
Um die Funktionsweise der Gehirnpartie, die für die Verarbeitung von Angstimpulsen zuständig ist, besser zu verstehen, suchte das Team unter der Leitung von Yadin Duda nach Versuchspersonen, die nachweislich unter einer Schlangenphobie leiden - und bereit waren, diese auf den Prüfstand zu stellen.
Dazu entwickelten die Wissenschafter ein Versuchsdesign, das mit einfachsten Mitteln auskam: Eine Schlange, die an einem Sicherheitsring festgebunden war, ein roter Teppich als Bewegungszone und ein Stuhl, auf dem die Probanden Platz nahmen. Wichtig war den Forschern die unmittelbare Konfrontation mit dem Reptil - die Bedrohungslage sollte authentisch sein.
Während die (ungiftige) Schlange angriffslustig auf dem roten Teppich züngelte, wurden die insgesamt sechzehn Teilnehmer an ein Gerät angeschlossen, das ihre Hirnaktivitäten maß. Im Angesicht der Schlange lautete dann die Anweisung: entweder das Reptil bis auf elf Zentimeter annähern lassen - oder es per Knopfdruck zurückweichen lassen. Jedes Mal, wenn sie dafür optierten, die Schlange näher kommen zu lassen - die Handlungsalternative, die die Forscher als "mutig" festlegten -, wurden ihre Hirnströme aufgezeichnet.
Hirnregionen orten
Dabei stellten die Wissenschafter fest, dass bei Aktivierung des präfrontalen Kortex - des vorderen Bereichs der Großhirnrinde, der sensorische Signale zu Gedächtnisinhalten verarbeitet und Handlungen initiiert - physische Angstindikatoren wie erhöhte Respiration tendenziell abnahmen. Dudai und sein Team schlossen daraus, dass diese Region im Gehirn geeignet ist, Angstempfindungen zu dämpfen. Die Stimulierung dieser Hirnregion könnte helfen, Phobien zu bekämpfen - es wäre ein Meilenstein in der Medizin.
Kritiker bezweifeln allerdings, dass der Zusammenhang wirklich ursächlich ist. "Die Studie erhellt zwar die Mechanismen der Angstempfindung, erklärt aber nicht die eigentliche Herkunft", so Mohammed Milad von der Harvard Medical School in Cambridge. Der renommierte Neurologe kritisiert, dass das Experiment das altruistische Moment ausblendet, das in Gefahrensituationen häufig zum Tragen kommt - etwa wenn jemand in ein brennendes Haus stürmt, um ein Kind zu retten. Gleichwohl lobt Milad die Methode der Kollegen. "Die Technik, mit denen sie arbeiteten, ist intelligent und innovativ." In Ermangelung anderer Therapien wäre dieser Weg, sollte er erfolgreich sein, therapeutisch hochinteressant. (Adrian Lobe, DER STANDARD Printausgabe, 20.09.2010)
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