Kein Meer wie dieses

19. September 2010, 16:35
  • Artikelbild
    foto: corbis

    Der roten Zwiebel kommt man nicht aus. Aber es gibt Schlimmeres.

  • Artikelbild
    grafik: der standard

    Anreise und Unterkunft:

    Am besten mit dem Flieger nach Lamezia Terme und von dort mit dem Leihwagen die Küste hinunter. Eine Auswahl von schönen Häusern und Wohnungen in der Umgebung von Tropea hat Katrin Wosnitzka, Kontakt unter www.urlaub-an-der-stiefelspitze.com

Kalabrien - Tropea und Umgebung - wird langsam in, hört Gudrun Harrer. Sie wird trotzdem wieder hinfahren

Man könnte ja auch behaupten, es sei egal, wo das schöne kleine Haus in dem schönen Garten steht, auf welchem Hügel über welchem Meer, auf das man, auf der Hausbank sitzend, hinunterschaut, noch schlaftrunken und leicht fröstelnd, damit man die Schönheit des frühen Morgens nicht versäumt. Auf dem Flachdach weiter unten, jenseits der engen Zufahrtsstraße, liegen die Hunde der Bäuerin auf dem Flachdach des baufälligen Stalls in der Morgensonne, die ersten zwei Tage bellen sie mich noch an, wenn ich ihnen Buon Giorno wünsche, am dritten heben sie nur mehr gähnend den Kopf und schlafen weiter. Kurze Zeit später kommt schon die kleine alte schwarzgekleidete Frau die Straße herunter, da springen die "drei Musketiere", wie sie jemand im Gästebuch genannt hat, auf, und verschwinden mit ihr auf dem zugewachsenen Weg, der zur kleinen Landwirtschaft führt, in der sie untertags herumrumort.

Wenig später mache auch ich mich auf den Weg, an der Bäuerin, den Zitronen und Orangenbäumen vorbei, hinunter zum Meer. Und nein, es ist doch nicht egal, welches Meer, glasklar türkis, sodass man die dunklen Felsen auf seinem Grunde sieht, blickt man auf das kalabrische Meer, wenn man den steilen bewachsenen Pfad um die Ecke biegt, nirgends ist das Meer so wie in Kalabrien, sagt K., die der Liebe wegen, aber nicht nur zum Meer, hierhergezogen ist.

Tropea und Umgebung wird jetzt in, höre ich, worauf ich eigentlich sofort diesen Impuls des Darüber-schreiben-Wollens verwünsche, wieso nur muss man als Journalist immer alles beplappern, was man eigentlich für sich behalten sollte? Aber nun ist es passiert, für einen jeden ist der Ort ohnehin nicht geeignet, die touristische Infrastruktur ist nicht so toll, Santa Maria dell'Isola im Meer vor den aufragenden Felsen, auf denen Tropea steht, gelegen, ist - wahrscheinlich auf lange Zeit hinaus - eingerüstet, und diese Behauptung mit dem immer und überall guten Essen ist ja ohnehin Italien-Kitsch. Viele Restaurants sperren nur im Sommer auf, um ihre kalabrische Küche zusammenzudrehen, die sich dadurch auszeichnet, dass überall die berühmte rote Zwiebel und Nduja drinnen sein müssen. Ist schon recht.

Aber wenn diese Nduja - die breiige Chiliwurst - von der einzigen Sau der Gemüsefrau im kleinen Supermarkt im Zentrum von Santa Domenica stammt, wie auch das Gemüse von ihr ist, oder vom Wochenmarkt, woher der Fisch und die Schafsricotta kommen, wenn das alles ins schöne Haus am schönen Hügel getragen wird und dort am Abend, unter Palmen sitzend, mit dem Blick auf den Stromboli verzehrt wird, na dann ...

Raus muss man trotzdem, nicht nur nach Tropea, sondern auch die Küste hinauf und hinunter und ins Landesinnere, oder auch nur Aperitif trinken im Giardino delle Rose auf der Piazza von Santa Domenica, die nicht schön ist, aber sehr italienisch. Dieses Kalabrien ist ein hartes Land, und so sind auch die Menschen und ihre Gewohnheiten. Die Mafia, der Umgang mit Migranten - die Landwirtschaft würde ohne sie kollabieren -, das Paradies sieht anders aus. Aber es ist auffällig, wie viele Stammgäste sich hier herumtreiben, besonders in der Vor- und Nachsaison, wenn es still ist am Abend an der Küste. Liebhaber und Liebhaberinnen eben. (Gudrun Harrer/DER STANDARD/Rondo/17.09.2010)

Dr. Schland
00
20.9.2010, 15:27

Kalabrien ist aber toll & billig, man darf nur nicht auf die Annehmlichkieten der westlichen "Zivilisation" versteift sein. Und obwohl sich in dem Artikel alles romantisch liest, werden Ökos die Krise kriegen -aufgrund des Umgangs mit den Tieren & der Umwelt allgemein. Der Straßenhund, den meine Family einst am überschaubaren Strand von Tropea adoptierte, wurde dann später auch folgerichtig "Tropeo" getauft. Und das Wasser ist - im Gegensatz zu vielen anderen Stränden in der Gegend - kristallklar, eignet sich also prima zum Tauchen und Schnorcheln.

Poldi Fesch
00
24.9.2010, 00:23
Und das Wasser.....

:)) es sei denn, irgendein Schiff saeubert seine Tanks. Bin 1982 (!) von Tropea ans ionische Meer geflohen, deshalb

alla riscossa
34
19.9.2010, 19:35
sehr geehrte frau harrer!

schön, dass es ihnen da unten gefallen hat, aber tun sie uns einen gefallen und lassen´s das herumitalianisieren! abgesehen von anderen textlichen schwächen versammeln sie klischees, dass es weh tut!

ihr spezialgebiet ist doch der nahe osten. schreiben sie über den, da kennen sie sich aus! nur um einem anbieter einen journalistischen gefallen zu tun, muss mna doch nicht so peinlich auftreten!

p.s. die gegend um tropea ist schon so lange "in", dass es gar nicht mehr wahr ist!

joey .at
00
25.2.2011, 08:06

das eigentlich schöne ist, dass es endlich wieder out wird. dass discount-reiseveranstalter und sonstige schleuderer endlich wieder abziehen.
zudem die krise dafür sorgt, dass gerade einmal ein bruchteil der italiener der letzten jahre kommt.
und man das endlich auch im sommer wieder genießen kann.

den boom des massentourismus die letzten jahre zu erleben war schlimm, umso besser sind die aussichten für die nächsten jahre.

und wenn jetzt die kalabresen noch einsehen, dass man gelegentlich auch selbst ein wenig dazu beitragen sollte, dann könnte das ein kleines paradies sein. leider sind wir davon noch ein gutes stück weg.

zum glück hab ich ja mein eigenes kleines tropea, ganzjährig im 6. bezirk ;-)

Poldi Fesch
00
24.9.2010, 00:35
jein

Richtig, Tropea war schon in den 80ern, ich war 82 (!!) dort, Finale compreso, sehr hip, aber ein Spiel fuer Roma e Napoli bene.

Charly Foot
00
20.9.2010, 14:26
da muss ich leider beipflichten.

frau harrer ist ein phänomen. es ist immer wieder erstaunlich, wie jemand in einem gebiet so kompetent und interessant schreiben kann, und in einem anderen, vorgeblich leichteren, über einen so holprigen, verkrampften stil nicht hinauskommt.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.