Überempfindlichkeit gegen bestimmte Wirkstoffe beruht auf Aktivierung "schlafender" Krankheitserreger
Berlin - Viele Medikamentenallergien beruhen nicht auf einer Reaktion des Organismus gegen Arzneimittel, sondern darauf, dass "schlafende" Krankheitserreger wie das Epstein-Barr-Virus aktiviert werden. Die sich vermehrenden Viren werden dann vom Immunsystem heftig bekämpft, wie Dermatologen der Uniklinik Rouen nachwiesen.
Das Überempfindlichkeitssyndrom kann unter anderem nach bestimmter Antiepileptika, Antibiotika oder Allopurinol (Arzneimittel zur Behandlung einer chronischen Gicht, Anm.Red.). Symptome, wie entwickeln die Patienten entweder sofort nach der Einnnahme oder aber häufiger erst Wochen später. Neben geschwollenen Lymphknoten und Hautausschlägen ist auch eine Beteiligung der inneren Organe möglich. Etwa jeder zehnte Patient stirbt an der heftigen Immunreaktion.
Immunsystem arbeitet gegen Erreger
Bisher glaubten Ärzte, dass der Körper das jeweilige Medikament nicht verträgt. Nun untersuchten französische Mediziner 40 Patienten mit der Überempfindlichkeit. Bei über drei Viertel von ihnen vermehrten sich Epstein-Barr-Viren im Blut, wie die Forscher im Fachblatt "Science Translational Medicine" schreiben. Bei diesen Patienten richteten sich die meisten Immunzellen gegen genau diese Erreger. Somit sollten Ärzte das Überempfindlichkeitssyndrom nicht nur durch Absetzen der jeweiligen Arznei behandeln, sondern auch mit Kortikoiden oder Virostatika. (APA/red)