Niere

Erfolgreich transplantiert trotz Unverträglichkeit

17. September 2010, 08:31
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    foto: apa/roland schlager

    In der aktuellen Stude erhielten immunologische Hochrisiko-Patienten vor und nach der Transplantation eine Plasmapherese.

Transplantation von Spendernieren auch möglich wenn zwischen Spender und Empfänger starke Gewebeunverträglichkeit besteht - Neues Therapiekonzept für Hochrisiko-Paitenten

Spendernieren können erfolgreich transplantiert werden, auch wenn zwischen Spender und Empfänger starke Gewebeunverträglichkeiten bestehen. Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe um Christian Morath, Oberarzt am Nierenzentrum der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg undCaner Süsal, Leiter des Antikörperlabors in der Abteilung für Transplantationsimmunologie des Universitätsklinikums Heidelberg, hat in einer Studie an 34 sensibilisierten Hochrisiko-Patienten gezeigt, dass sich die Erfolgsrate dieser Patienten nicht von der Erfolgsrate mit geringem immunologischem Risiko unterscheidet; nach einem Jahr funktionierten noch rund 95 Prozent der Transplantate. Speziell für diese Gruppe von Hochrisiko-Patienten haben die Heidelberger Wissenschaftler ein ausgeklügeltes Therapiekonzept entwickelt. Das Transplantationszentrum Heidelberg ist damit deutschlandweit führend auf diesem Gebiet. Die Studienergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift „Transplantation" veröffentlicht.

Wenn die Nieren nicht mehr arbeiten, müssen die Patienten entweder regelmäßig zur Dialyse oder sie erhalten eine Spenderniere. Das Organ kommt dabei entweder von hirntoten Spendern oder von einer dem Patienten nahestehenden Person. Blutgruppe und Gewebeverträglichkeitsmerkmale (HLA-Merkmale) von Spender und Empfänger sollten möglichst übereinstimmen. Da der Empfängerorganismus selbst bei gleichen HLA-Merkmalen immer versucht, das fremde Organ abzustoßen, müssen die Patienten nach der Transplantation lebenslang Medikamente einnehmen, die die körpereigene Abwehr unterdrücken (Immunsuppression).

Präoperative Risikoeinschätzung

Forscher der Heidelberger Abteilung für Transplantationsimmunologie sammelten mehrere Jahre lang Daten in der weltweit größten Datenbank zur Nierentransplantation (Collaborative Transplant Study), um immunologische Hochrisiko-Patienten zu identifizieren. Solche Patienten haben z.B. nach Schwangerschaften, Bluttransfusionen oder Vortransplantationen Antikörper gegen fremde Gewebemerkmale gebildet und deshalb nur geringe Chancen, ein Spenderorgan zu erhalten, bei dem die Gewebeübereinstimmungsprobe (Crossmatch) direkt vor der Operation negativ ausfällt. „Das Risiko, dass das transplantierte Organ schon bald nach der Operation wieder abgestoßen wird, ist bei ihnen besonders groß. Nur mit zusätzlichen Maßnahmen können Hochrisiko-Patienten erfolgreich transplantiert werden", erklärt Caner Süsal, Leiter des Antikörperlabors in der Abteilung für Transplantationsimmunologie.

In der aktuellen Studie erhielten 34 immunologische Hochrisiko-Patienten vor und nach der Transplantation der Spenderniere eines Hirntoten (28) oder eines Lebendspenders (6) eine Plasmapherese bzw. Immunadsorption. Dies sind Verfahren, die vorhandene Antikörper aus dem Blut der Organempfänger entfernen. Zusätzlich bekamen die Patienten ein Medikament (Rituximab), das die Zellen, die neue Antikörper bilden könnten, zerstört. Mit Hilfe der intensivierten Immunsuppression und einer engmaschigen Überwachung eventueller Abstoßungsreaktionen waren rund 95 Prozent der transplantierten Nieren nach einem Jahr weiterhin funktionsfähig.

Komplikationen der im Vergleich zu nicht-immunisierten Patienten stärkeren Immunsuppression waren selten und gut beherrschbar. „Mit Hilfe der von uns getesteten Kriterien können wir Patienten nierentransplantieren, die früher meist lebenslang an der Dialyse blieben und das mit Erfolgsraten, die denen nicht immunisierter Patienten entsprechen. Unser Hochrisikopatienten-Programm ist ein gutes Beispiel dafür, wie Ergebnisse aus der Forschung nach intensiver Evaluierung erfolgreich in die Klinik umgesetzt werden", so Christian Morath und Jörg Beimler, Oberarzt am Nierenzentrum der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg, erfreut. „Wenn wir nach der neuen Handlungsanleitung vorgehen, sind Barrieren wie Blutgruppenunverträglichkeiten und positives Crossmatch kein Ausschlusskriterium mehr für eine Transplantation", ergänzt Professor Jan Schmidt, Sektionsleiter der Transplantationschirurgie.

13-jähriger erfolgreich transplantiert

Inzwischen wurden in Heidelberg 49 Patienten erfolgreich nach dem Schema behandelt, zuletzt ein Kind, das mit 13 Jahren der bisher jüngste Patient ist, der von dem Programm profitiert hat. „Der Junge ist wohlauf und die Niere hat ihre Arbeit bereits komplett aufgenommen", berichtet Professor Burkhard Tönshoff, Leitender Oberarzt am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin. (red)

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13 Postings
nichtkaefer
00
18.9.2010, 13:47
Warum?

Warum wird in die Transplantations-Medizin so viel Geld investiert, wenn es doch Alternativen dazu gibt?

http://derstandard.at/1282979164469

Bonair
00
18.9.2010, 22:18

Allzu billig schaut das Gerät aber auch nicht aus. Mit all den potentiellen Problemen beim Menschen (Infekte, chron. Entzündungen, Funktionsmängel der ersten paar Generationen) und dem noch zu finanzierenden Forschungsaufwand ist es gut möglich, dass die Nierentransplantation am Ende doch billiger ist.
Beim Herzen gibt es das, wenn ich mich richtig erinnere auch, aber nur als Überbrückungshilfe bei schweren Fällen bis ein Spenderorgan verfügbar ist.
Bei der Leber wird so was aber wohl nicht funktionieren.

cti
00
18.9.2010, 15:35

Die Alternative gibt es eben noch nicht wirklich. Bis der Prototyp eine Zulassung hat und in Serie geht vergehen sicher noch ein paar Jährchen. Und dann muss sich noch herausstellen, ob das Verfahren langfristig mit einem natürlichen Organ mithalten kann.

nichtkaefer
00
18.9.2010, 22:41

"Die Alternative gibt es eben noch nicht wirklich"

Eben, weil das ganze Geld in die Transplantations-Medizin geht.

"ob das Verfahren langfristig mit einem natürlichen Organ mithalten kann."

Sie meinen, mithalten kann mit massiven Abstoßungs-Reaktionen, die nur durch die massive Unterdrückung des Immunsystems "beherrscht" werden können.
Andererseits wird der technische Fortschritt immer bessere Produkte hervorbringen (warum sollte es bei künstlichen Organen anders sein?).

ministry
00
20.9.2010, 00:53

wirtschaftlich haben sie aber wenig ahnung...schauen sie mal wieviel geld in die entwicklung künstlicher herzen gepumpt wird!

Bonair
00
18.9.2010, 22:45

Das Problem an der Sache ist aber, dass das Immunsystem mit künstlichen Organen auch nicht unbedingt einverstanden ist. Die Immunsuppression wird auch mit diesen Geräten beibehalten. Der große ökonomische Vorteil ist aber, dass man sich die langwierige Dialyse erspart. Für den Patienten natürlich auch eine große Entlastung, da er sich eine Unmenge an Zeit spart und keinen Leidensdruck während einer Organwartezeit hat.

nichtkaefer
00
19.9.2010, 12:43
Das Problem an der Sache ist aber, dass das Immunsystem mit künstlichen Organen auch nicht unbedingt einverstanden ist

Stimmt. Das Problem ist jedoch sehr gering im Vergleich zu Transplantationen und kann durch entsprechend finanzierte Forschung ganz eliminiert werden.

max grünzweig
00
17.9.2010, 21:43
Würde mich interessieren,

ob das nur für Nieren gilt, oder auch für andere Organe. Leber, Herz, Bauchspeicheldrüse.....

gärtner
00
18.9.2010, 01:05

bei der leber schauen sie glaub ich nur auf größe und blutgruppe,
alles andere is wurst.

Bonair
00
18.9.2010, 00:41

Bauchspeicheldrüsen ist meist eh kein langes Leben beschieden, da könnte man es glatt mitversuchen. Die Dinger werden ja eh fast immer zusammen mit einer Niere transplantiert.

ministry
00
17.9.2010, 17:04

komisch...das wird in anderen ländern (zB.Japan) bereits routinemässig gemacht. auch wien hat bereits so ein programm! (Prof. Böhmig abt Nephrologie) Aber vielleicht hat die meduni wieder mal zuviele anderen dinge im kopf als über seine topprogramme zu berichten!

kakao
00
19.9.2010, 12:29

der artikel stammt von der standardredaktion.
aber die ist, wie viele nicht-wissenschaftlichen medien -auch der orf- im wissenschaftsbereich oft jahre hintennach.
aber ist ja ok, wenn man nicht aus dem jeweiligen bereich ist muss mensch ja auch nicht immer am letzten stand sein.

Schurli Schorsch
 
01
17.9.2010, 16:40

die schulmedizin ist böse, genauso wie die pharmafirmen und (privat)krankenversicherungen, und der storch bringt die kinder...

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