UN-Menschenrechtsbericht 2010

Schlechtere Bedingungen für Schubhäftlinge als für Strafgefangene

Bianca Blei, 16. September 2010, 14:09
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    foto: apa/rubra

    Die Bedingungen der Schubhaft in Österreich entsprechen laut Bericht von Agenda Asyl nicht den internationalen Standards.

Agenda Asyl untersuchte Menschenrechtssituation in Österreich und kommt zu einem negativen Urteil

Österreich betreibe in Bezug auf Schubhäftlinge eine "Politik der Blackbox", im Sozialsystem seien „Rechte nicht gleich Rechte" und in Europa herrsche eine "Asyllotterie". Zu diesen Ergebnissen kam Agenda Asyl in ihrem Bericht für die periodische Menschenrechtsprüfung des UN-Menschenrechtsrates (UPR), der nun präsentiert wurde.

Einer der größten Kritikpunkte des Berichts: die Bedingungen von Schubhäftlingen. So stellt Michael Chalupka, Direktor der Diakonie, fest, dass sich keine Verbrecher in Schubhaft befinden würden, diese aber trotzdem unter "schlechteren Haftbedingungen zu leiden haben als Strafhäftlinge". Es würden die polizeilichen Anhaltezentren nicht auf eine langfristige Haft ausgelegt sein und es stünde den Häftlingen auch kein geschultes Wachpersonal gegenüber. Im Zuge dessen kritisiert Chalupka, dass NGOs keinen Zugang mehr zu Schubhäftlingen hätten und diese so auch nicht über ihre Rechte aufklären könnten: "Anfragen zu kostenloser Rechtsberatung werden meistens nicht weitergeleitet."

"Politik der Blackbox"

Auch die Zahl der Schubhäftlinge habe sich im ersten Halbjahr 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 38 Prozent erhöht. Im Gegenzug kam es zu einem Rückgang der Asylanträge um 32 Prozent. "Deshalb wiegt der Anstieg noch viel schwerer", wie Chalupka betont. Warum Österreich eine "Politik der Blackbox" bei Schubhäftlingen betreibe, begründet der Diakoniedirektor damit, dass „keine Informationen an die Öffentlichkeit dringen". Wenn erschütternde Fälle, wie die des Selbstmordes eines jungen Schubhäftlings publik würden, dann sei das "eher dem Zufall zu verdanken". Laut Chalupka sollten Asylwerber aufgrund der Bedingungen deshalb nicht noch während des Asylverfahrens in Schubhaft genommen werden und wenn, dann nur mit "sofortiger gerichtlicher Haftprüfung".

Abschiebestopp nach Griechenland gefordert

Eine weitere Forderung des Berichts ist, dass vor allem Ausweisungen nach Griechenland ausgesetzt werden sollen. Griechenland sei einer jener Staaten, die ihren "EU-rechtlichen Verpflichtungen nicht nachkommen". So würde dort ein Asylantrag als zurückgenommen gelten, wenn ein Asylwerber beim Einvernahmetermin keine Unterkunft angeben könnte. Um eine Unterkunft anzugeben, werde aber ein vergebührter Mietvertrag verlangt. Den können sich die meisten Flüchtlinge aber nicht leisten. Österreich würde laut Anny Knapp von der Asylkoordination, Menschen nach Griechenland "direkt in die Obdachlosigkeit abschieben". Nur vor Familien mit Kindern unter vier Jahren würde Halt gemacht. "Aber es ist schon vorgekommen, dass man auch Kleinkinder abgeschoben hat", berichtet Knapp.

"Asyllotterie in der EU"

Statt sich auf das Dublin II-Abkommen zu berufen und Asylwerbende in das EU-Land abzuschieben, in dem sie zum ersten Mal europäischen Boden betreten haben, sollte Österreich, laut Knapp, viel öfter von dem so genannten Selbsteintrittsrecht Gebrauch machen. Dadurch könnte ein Asylverfahren auch in Österreich stattfinden. In Deutschland sei diese Praxis schon längst üblich. Dort wurde diese Regelung im Jahr 2009 871 Mal angewandt. Wegen dieser ungleichen Möglichkeiten spricht Knapp von einer "Asyllotterie in der EU".

Mindestsicherung statt Grundversorgung

Erich Fenninger von der Volkshilfe macht auf die Ungleichbehandlung von Asylsuchenden und Sozialhilfeempfängern aufmerksam und fordert gleichzeitig eine Anhebung der Grundversorgung. Ein Asylwerbender würde in den ersten vier Monaten seines Aufenthaltes nur 302 Euro monatlich erhalten - im Vergleich dazu: ein Bezieher der Mindestsicherung bekommt im selben Zeitraum 744 Euro vom Staat. "Haben Asylsuchende andere Grundbedürfnisse als Einheimische zu befriedigen?", fragt Fenninger.

Der Bericht der Agenda Asyl wurde bereits an die UNO übermittelt. Behandelt wird die Situation der Menschenrechte in Österreich dann am 26. Jänner 2011 in Gent (Belgien). (Bianca Blei, derStandard.at, 16.09.2010)

Agenda Asyl ist ein Zusammenschluss aus der Asylkoordination Österreich, der Diakonie, dem Integrationshaus, SOS Mitmensch und der Volkshilfe Österreich, die sich nun "noch effektiver" für die Rechte der Asylsuchenden und Flüchtlinge in Österreich stark machen wollen. Ihr Bericht an den UN-Menschenrechtsrat ist einer von dreien aus Österreich, die alle vier Jahre an die UNO gesandt werden müssen und in denen zum ersten Mal umfassend die Situation der Menschenrechte in den 192 Mitgliedsstaaten erhoben wird. Die anderen beiden Berichte werden vom Staat Österreich selbst und dem Hochkommissariat der UN für Menschenrechte eingereicht.

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Posting 1 bis 25 von 83
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Ravenhorst
55
23.9.2010, 17:25
Mietet doch das Hilton und das Intercontinental an...

... wir Steuerzahler zahlen ohnehin jede Narretei

per aspera ad astra
13
21.10.2010, 09:53
Armer Steuerzahler

Weißt Du was Du alles zahlst?
Zum Beispiel 9 Landesregierungen inkl. Landtage, die keiner braucht und alles blockieren.
Oder Abfangjäger die auch keiner brauch. Und nicht zu vergessen die 5 Milliarden Euro Schulden, die die geniale Kärntner Truppe verzockt hat. Da sollt sich ein bisserl ein menschenrechtskonformer Umgang, der internationale Standards einhält auch noch ausgehen, gell!

belgma
 
01
18.10.2010, 20:32
türstöcke zu niedrig?

wb0711
31
19.10.2010, 14:45
tut dir's kopferl weh?

ntf
49
21.9.2010, 14:20

"Schlechtere Bedingungen für Schubhäftlinge als für Strafgefangene"

dass es den strafgefangenen in oesterreich viel zu gut geht, ist ein offenes geheimnis! fernsehraum, fitness center, swimming pool, sauna, massage.........

man will ja nicht bei amnesty anecken, oder?

parapente
33
21.9.2010, 10:26
Natürlich ist das so!

Der Schubhäftling sitzt nur kurz, der Strafgefangene jahrelang.

Anton Friesl
10
21.9.2010, 09:42
Zu viel Luxus für Strafgefangene.,.

Haben bessere Bedingungen als Schubhäftlinge.

Cape Code
511
21.9.2010, 09:39
wems nicht passt

der kann ja daheimbleiben. es wurde niemand gerufen

Octopus Paul
42
21.9.2010, 17:36
in ihrem fall

eigentlich wünsche ich keinem verfolgung, aber...

Ruhiges Blut
215
17.9.2010, 13:20
Grund für die Asylantenwelle

Wären die Transferleistungen in Österreich genau so hoch wie die Arbeitslosengelder in den jeweiligen Heimatländern, wäre schlagartig der Zustrom der Asylanten beendet.

john.carter.denton
41
17.9.2010, 13:58
dass vieles...

...in österreich teurer ist als beispielsweise in tschetschenien, afghanistan oder der türkei, ist ihnen aber vielleicht auch aufgefallen?

Philodoofi
04
20.9.2010, 22:50
na ja, die schwarzen afghaner sind dort recht günstig!

parapente
00
21.9.2010, 10:28
Ich baue "Afghan short" auf meinem Balkon an!

Aber das sind Chilis!

deadsoil
15
17.9.2010, 13:19

ist natürlich kein zufall, das begleitfoto zu diesem artikel. wie war das noch mit krone und co. ?

schwadronowski
312
17.9.2010, 12:56
bitte eine eigene villa für jeden häftling

und den wächter als persönlichen butler

peter56
 
14
23.9.2010, 00:20
Häftlinge? Genau das ist der Skandal.

Es sind UNSCHULDIGE, die ohne Anklage und erst recht ohne Verurteilung ihrer Freiheit beraubt werden...

Vendew
02
17.9.2010, 12:29
Harmonisierung?

War nicht davon die Rede, dass die Leistungen für Asylwerber EU-weit harmonisiert werden sollen?
Ich glaube nicht mal, dass man sich auf europäischer Ebene auf 302 Euro einigen kann, wenn man bedenkt, dass die Durchschnittspension in einigen osteuropäischen Staaten weit darunter liegt.
Mit 744 Euro wäre die Asylwerbergrundversorgung in Österreich höher als das Durchschnittseinkommen von Beschäftigten in einigen EU-Staaten.

linker Schlechtmensch
410
17.9.2010, 11:09
Langfristige

Haft? Wozu? Ab in den nächste Flieger.

parapente
10
21.9.2010, 10:30
Wieso Flieger?

Donau-Lastenschlepper

Wirtschaftshierbleiber
11
20.9.2010, 00:11

Gulfstream oder Learjet?

john.carter.denton
52
17.9.2010, 12:51
steigen's...

...dann bitte gleich mit ein.

H. Kienhammer
11
17.9.2010, 13:28

Warum sollte er, wenn er sich legal hier aufhält?

john.carter.denton
01
17.9.2010, 14:27

warum sollten asylantInnen, wenn sie sich legal hier aufhalten?

H. Kienhammer
08
17.9.2010, 15:18

Wenn sie statt Asyl die Ausreiseaufforderung bekommen, ist's aus mit der Legalität.

peter56
 
02
23.9.2010, 00:22
Ist aber in einem Rechtsstaat auch kein vertretbarer Grund, die Leute einzusperren...

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