Gipfel in Brüssel

Roma-Politik: Sarkozy provoziert Eklat

16. September 2010, 21:29

Französischer Präsident: "Die Kommission hat Frankreich verletzt"

Brüssel - Die Kritik der EU-Kommission an der französischen Praxis der Abschiebung von Roma führte am Donnerstag beim EU-Gipfel in Brüssel zu einem Eklat. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy verlangte von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso eine Distanzierung von Grundrechtekommissarin Viviane Reding. Barroso wies dies in einem Wortgefecht vor den Staats- und Regierungschefs zurück. "Die Kommission hat Frankreich beleidigt", sagte Sarkozy.

Sarkozy habe versucht, die Kritik an Reding vor die Roma-Frage zu schieben, berichteten Teilnehmer. Seine Kritik an Redings Wortwahl wurde zwar geteilt. Aber Barroso betonte, dass es das Recht und die Pflicht seiner Behörde sei, gegen mögliche Verstöße gegen EU-Recht vorzugehen. Rückendeckung kam von Bundeskanzler Werner Faymann: "Die Kommission ist Hüterin der Verträge und hat darüber zu entscheiden, ob es sich um Vertragsverletzung handelt oder nicht." Das gelte "für Frankreich genauso wie für kleinere Länder. Da kann es nicht zwei verschiedene Größen geben." Paris hatte erklärt, so behandle man keinen großen Staat.

*****

"Wir wollen das Problem lösen, aber mit weniger Spannungen gelingt das besser", sagte der Präsident des Europäischen Parlaments, Jerzy Buzek, Donnerstag am Rande des EU-Gipfels in Brüssel zu den Beratungen über die Lage der Roma. Eine "gemäßigtere Wortwahl" sei angesagt, die Problematik beschränke sich auch "nicht nur auf ein Land, eine Partei oder eine Minderheit", sondern betreffe ganz Europa, so Buzek.

Der Parlamentspräsident trifft sich mit den Staats- und Regierungschefs immer am Beginn der Sitzung. Dann muss er wieder gehen. Buzek brachte damit aber auf den Punkt, was die meisten der versammelten Spitzen der Union anstrebten: Deeskalation.

Aber es wollte nicht so richtig klappen. Einem von ihnen, dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, war nicht nach Entspannung zumute. Er war "nicht sauer, er war stinksauer", hieß es, als das Roma-Thema beim Mittagessen zur Sprache kam.

Reiche Nahrung für Debatte

Serviert wurden dabei übrigens gebratene Jakobsmuscheln mit Speck, jungem Spinat und Erbsenschaum, gefolgt von Rinderfilet mit Steinpilzragout und Fruchtminestrone zum Abschluss. Nachdem die Regierung in Paris die Kritik von EU-Grundrechtskommissarin Viviane Reding ("Schande") vom Dienstag als "Entgleisung" zurückgewiesen hatte, bestand Sarkozy - unterstützt von Italiens Premier Silvio Berlusconi - darauf, diese Frage anzusprechen. Die geplante Tagesordnung - die Strategie bei den EU-Außenbeziehungen zu wichtigen Partnern wie China, Indien und Russland - traten völlig in den Hintergrund (siehe unten). Berlusconi, dessen Regierung seit längerem durch Roma-Abschiebungen selber in der Kritik steht, erklärte, es gelte "eine gemeinsame Position zu finden" . Der Italiener war verspätet dazugestoßen. Der Pilot seiner Maschine musste wegen eines gebrochenen Fensters in Mailand notlanden.

Als Sarkozy das Wort ergriff, war die Spannung groß, "es war ganz still, die Wortmeldungen emotional" , erzählte ein Teilnehmer. "Die EU-Kommission hat Frankreich verletzt" , startete Sarkozy seine Angriffe, die vor allem Grundrechtskommissarin Viviane Reding galten. Deren Aussagen seien "skandalös" gewesen. Er verlange, dass Kommissionspräsident José Manuel Barroso sich von ihr distanziere.

Barroso parierte, verteidigte das Vorgehen der Kommission: Sie habe nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht, gegen mögliche EU-Vertragsverletzungen vorzugehen. Mehrere Regierungschefs, darunter auch Faymann oder die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, unterstützten ihn dabei ausdrücklich. Merkel sagte, das Vorgehen der Behörde wäre "wirkungsvoller, wenn sie in gemäßigterem Ton ausfallen" würden.

Reding hatte zu den Abschiebungen gesagt, sie habe geglaubt, "dass Europa das nicht mehr erlebt nach dem Zweiten Weltkrieg". Vor dem Gipfel stellte sie aber klar, dass diese "in keinem Zusammenhang mit den Geschehnissen während des Weltkrieges stehen". Mit der Kriegsmethapher zeigten sich auch andere Regierungschefs "wenig glücklich". Man vereinbarte schließlich, dass die Kommission bis Oktober Vorschläge vorlegen soll, wie man die Lage der Roma verbessern könne.

Sarkozy erklärte dann vor Journalisten, dass er und seine Regierung sich "absolut nichts" vorzuwerfen hätten: "Wir werden die Räumung illegaler Lager fortsetzen." (Thomas Mayer aus Brüssel/DER STANDARD, Printausgabe, 17.9.2010)

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Nirvanacharly
 
22
18.9.2010, 07:24
ja bei nomadisierenden menschen

geht es ums "eingemachte", diese stellen permanent den begriff eigentum in frage und das duldet der durchschnittspatriach nicht, nicht einmal die so "liberalen" franzmännern und itaker, da kommt das weltbild ins wanken, und das ist das größte problem der nomadisierenden menschen, man will sie am liebsten von der erde herunter werfen, aber die welt ist nun mal keine scheibe aber dennoch in scheiben aufgeteilt, nicht die nomaden sind das problem sondern die die so selbstverstädnlich eigentum beanspruchen, also wir alle.

Janosch bacsi
02
18.9.2010, 07:34

Probieren Sie mal einem Nomaden sein Pferd zu stehlen. Oder die Satellitenschüssel vom Hüttendach. Na, sehen Sie? So einfach isses mit dem Eigentum.

Nirvanacharly
 
30
18.9.2010, 09:08
ungarischer nazi

germanischer provinienz?

Eine Kreatur
31
17.9.2010, 15:58
was war so falsch an der kritik von der reding? ethnische säuberungen in der eu hat es seit dem zweiten weltkrieg nicht gegeben ..

und auch wenn diese säuberungen mit "taschengeld" "erleichtert" werden, ändert das nichts am wesen dieser handlung ..

ganz abgesehen davon, dass es sich hier um eu-bürgerInnen handelt, die auch noch auf bedenklichste art und weise erkennungsdienstlich behandelt und des landes verwiesen wurden ..

aber ja, sie haben ja alles "freiwillig" getan ..

"mitwirkungspflicht", "heimkehrhilfe", usw. ..

da waren die nazis wenigstens ehrlicher, aber ihres geistes kinder dürfen ja nicht mehr so wie die großeltern .. sie sind ja "demokratisch" und sind "den menschenrechten verpflichtet", sagen sie zumindest immer wieder ..

es lebe das "europa der regionen" .. könnte aus den feuchten träumen mancher nazis stammen ..

Harry Meier
 
00
18.9.2010, 13:53
Die Nazivergleiche sind a bisserl überzogen. Das

.. einzige was der Sarkozy mit Nazis wie Goebbels teilt ist die Körpergrösse von 165cm. Goebbels nannte man im Volksmund den "Schrumpfgermannen". Sarkozy ist demnach der "Schrumpfgallier" oder "Schrumpfmagyare".

hitchy
00
17.9.2010, 14:09
Im übrigen...

bin ich entzückt wie elegant Nicolas beleidigt dreinschaun kann. Der ist ja fast noch süsser als die Carla.

hamstertier
00
17.9.2010, 14:09
was ich mich frage:

was ist mit dem geld, das in die diversen länder für die roma gepumpt worden ist, eigentlich passiert? wer hat das geld wirklich verbraucht, denn die roma können's wohl nicht gewesen sein.

Sandor Kocsis
00
17.9.2010, 21:10

selbst, wenn: sind alle Roma arm?

hamstertier
00
17.9.2010, 23:36
an sandor

sicher nicht. aber die, um die es hier geht, scheinen nicht grad im geld zu schwimmen. würden sie das nämlich tun, würden die franzosen sie nicht los werden wollen, sondern sie hofieren.

Sandor Kocsis
00
20.9.2010, 16:19

eben - da wird es einige geben, die von den Subventionen doch profitieren konnten

Der Zwersch
00
17.9.2010, 21:06

Wie kommen sie darauf das Geld für Roma in diverse Länder gepumpt worden wäre?

Janosch bacsi
00
18.9.2010, 07:17

Hat der Herr Lendvai unlängst (hier im Standard) geschrieben und zwar 17,5 Mrd. (17 500 000 000 €) seit 2003.

hamstertier
00
17.9.2010, 23:49
an zwersch

wenn ich mich richtig erinnere, sind aus dem sozialfond der EU ca. 13 milliarden euro an fördergelder für die integration der roma nach bulgarien, rumänien, tschechien, etc...., überwiesen worden.

hitchy
02
17.9.2010, 14:07
Ich glaub ich muss meine Meinung hierzu revidieren.

Die Vorgehensweise von Frankreich IST OK.

Es war anscheindend rechtskonform - fehlender Wohnsitz, fehlende Beschäftigung, richterliche Beschlüsse.

Aus multikultureller Sicht war es auch nicht schlecht. Die Roma sind es seit Jahrhunderten gewohnt sich irgendwo niederzulassen und dann irgendwann von dort vertrieben zu werden. Dadurch dass man diese Tradition fortsetzt bewahrt man auch ihre Kultur. Einem nomadischen Volk stört ein Umzug vermutlich wenig (vor allem mit 300 Euro Taschengeld). Würde man sie irgendwo ansiedeln und würde man sie sozialisieren könnte das ihre Kultur zerstören.

Das bürgerliche Lager freut sich auch wenn wieder mal wo ein "Zigeuner" Lager aufgelöst wird.

Ich würde fast von einer win-win Situation sprechen.

auch golf ist letztlich überschätzt
00
18.9.2010, 00:36

da hat es nur 2 haken:

- es richtet sich nicht dagegen, daß die leute wild leben, sondern dagegen, daß sie
a. der volksgruppe der roma angehören und
b. keine französischen staatsbürger sind
es geht also nicht um taten, sondern um zugehörigkeit, sündenböcke

- das vorgehen löst kein dringendes problem, sondern es lenkt von kalamitäten im eigenen umfeld ab.

das, und nur das ist der grund der scharfen reaktion der kommission. mit rechtsstaatlichem vorgehen hat niemand ein problem, aber - wie von skip ist schön illustriert unten im berg der posts - es gilt hier nicht, daß alle vor dem gesetz gleich sind. die, die schlechter behandelt werden, werden rassistisch selektiert.

skip it
00
17.9.2010, 15:13
ich habe gesucht:...

...aber fuer die abschiebung NICHTS punkto richterliche beschluesse gefunden.

koennten sie mir die quellen nennen?

hd im voraus.

Sandor Kocsis
00
17.9.2010, 21:13

Sarko, aber dem glauben Sie ja kein Wort: einfach eine der NGOs anschreiben?

hitchy
00
17.9.2010, 18:32
Ich entschuldige mich...

das mit den richterlichen Beschlüssen (Schnellrichter vor Ort) habe ich ungeprüft von anderen Kommentaren im Forum übernommen. Klang für mich plausibel da das Freizügigkeitsrecht mit Beschäftigung und Wohnsitz verbunden ist.

Naja... wir werden es erfahren wie es wirklich aussieht... nachdem die Kommission ihre Arbeit getan hat. Ich finde es gut das Frau Reding dieser Sache nachgeht. Ich befürchte nur dass die Sache sich noch zum schlechteren wenden könnte. Schub-/Untersuchungs-haft und lange Verfahren sind vermutlich auch nicht im Sinne der Roma.

Der Zwersch
10
17.9.2010, 21:07
"Beschäftigung"

Wo steht im Freizügigkeitsgesetz das man eine Beschäftigung ausüben muss?

hitchy
01
17.9.2010, 22:03
War vielleicht etwas salopp formuliert

Wikipedia formuliert es als "wenn sie im Aufnahmemitgliedstaat als Arbeitnehmer oder Selbstständige im Wirtschaftsleben erwerbstätig oder auf Arbeitssuche sind". All das "beschäftigt" einen ja. Ok, tanzen und musizieren ist auch eine Beschäftigung, aber das gilt nur wenn man dadurch Geld verdient (wie es halt in unserer Gesellschaft so ist).

Also entweder das oder man verfügt über "ausreichende Existenzmittel". Wobei dies ja meiner Meinung nach auch von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. KHG hat sicher andere Vorstellungen von ausreichenden Existenzmitteln als ein Roma ;)

Wers genauer will:
http://www.gesetze-im-internet.de/freiz_gg_... index.html
Bin kein Jurist, also bitte keine Auslegungsdiskussion mit mir.

der falkner
14
17.9.2010, 13:18
langsam bin ich dafuer, fuer staatschefs eine mindestkoerpergroesse einzufuehren.

das ist zwar diskriminierend, wuerde der welt aber ziemlich vier aerger ersparen.

Der Manner
11
17.9.2010, 12:52
Neue Hymne für Frankreich gefällig?

http://www.youtube.com/watch?v=O... re=related

...und für viele andere auch. HC eventuell...

alexander lass es sein
 
00
17.9.2010, 12:50

ich würde gern den aufschrei miterleben, wenn sich die roma nun hier in diesem feinen lande niederlassen würden, in dem schon eine zweisprachige ortstafel zu einer nationalenbedrohung führt. aber unter kanzler strache wird dies wohl nicht passieren, da nehmen wir ihnen die 300 euro gleich wieder ab und stecken sie in schubhaft

Dietmar180
01
17.9.2010, 12:43
Sanktionen!

Ich werde bis auf weiteres keine Pariserschnitzel mehr essen. Da wird er schön schauen, der kleine Mann aus der Grande Nation!

perseus vie
02
17.9.2010, 12:52

und ich werde ab sofort keine pariser mehr verwenden...

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