USA ziehen ihre Truppen aus Saudi-Arabien ab

29. April 2003, 18:32
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Folge des Irakkriegs und von 9/11

Riad/Bagdad/Washington - Schneller und umfassender als erwartet ziehen die USA einen Schlussstrich unter ihre Militärpräsenz in Saudi-Arabien. Die militärischen Operationen würden beendet und praktisch alle Truppen abgezogen, gab ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums am Dienstag kurz vor einem Treffen von Donald Rumsfeld mit seinem saudischen Kollegen Prinz Sultan bin Abdul-Aziz in Riad an. Bereits am Montag hatte die US-Armee ein bedeutendes Kontrollzentrum für Luftoperationen von der Prince Sultan Air Base bei Riad in das derzeitige Hauptquartier ihres Zentralkommandos Centcom im benachbarten Emirat Katar verlegt.

Der Abzug der rund 10.000 US-Soldaten habe bereits begonnen, erklärte der Pentagonvertreter, der Rumsfeld begleitete. Washingtons Entscheidung sei "in einem sehr gegenseitigen Einvernehmen" mit Saudi-Arabien gefallen. Sicherheitsexperten betonten, der Abzug der USA habe erhebliche politische Auswirkungen in der Region. "Die USA sind sicherlich ein großes Problem los", meinte Charles Heyman von der britischen Militärrevue Jane's World Armies. Muslimische Extremisten nutzten die Präsenz von US-Soldaten im Land mit den zwei bedeutendsten islamischen Stätten seit dem Golfkrieg von 1991 weltweit als Argument für den Kampf gegen die USA und deren Verbündete. Der saudische Königshof selbst kam durch die Opposition im eigenen Land unter Druck. Sicherheitsexperten sahen einen Grund für den zurückliegenden Irakkrieg im Wunsch der US-Regierung, ein neues pro-amerikanisches Regime in der Region aufzubauen, das Saudi-Arabien ersetzen könnte.

Riad versagte der US-Armee während des Irakkriegs die Benutzung der Prince Sultan Air Base. 1996 hatte das Pentagon dort für 5,6 Milliarden Dollar eine der teuersten und modernsten Kommandozentralen der Welt errichtet und 2001 mit speziellen Abhör-und Überwachungsanlagen zum "Operations Center" Mittlerer Osten aufgerüstet. Der Konflikt mit Saudi-Arabien geht jedoch weiter auf die Terroranschläge vom 11. September zurück: Der Großteil der Attentäter stammte aus Saudi-Arabien; die USA warfen Riad zu große Nachsicht gegenüber den Islamisten vor.

US-Soldaten feuern auf Iraker US-Soldaten im Irak haben indes in Falluja, 50 Kilometer westlich von Bagdad, auf irakische Demonstranten geschossen und dabei nach Angaben von Augenzeugen mindestens 15 Menschen getötet. Ein Sprecher der US-Armee, Oberst Arnold Bray, erklärte am Dienstag, die Soldaten hätten das Feuer erwidert, nachdem am Montagabend aus der Menge auf sie geschossen worden sei. Nach seinen Informationen wurden mindestens sieben Personen von Kugeln getroffen. Der arabische Fernsehsender Al Jazeera (Katar) berichtete von 15 Toten und rund 70 Verletzten. Bei der Beerdigung der Opfer kam es am Dienstag erneut zu Protestkundgebungen gegen die US-Truppen im Irak. (Reuters, AP, mab/DER STANDARD, Printausgabe, 30.4.2003)

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