SARS - Mehr Videokonferenzen statt Geschäftsreisen

29. April 2003, 11:40
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Mit High-Com gegen die Angst vor der Lungenseuche

Al Sisto würde als Chef von Phoenix Technologies seine Mitarbeiter nie wissentlich der Gefahr durch die Lungenkrankheit SARS aussetzen, auf die Geschäfte in Asien kann er aber auch nicht verzichten. Seine Softwarefirma macht dort zwei Drittel ihres Umsatzes. Gelöst wurde das Dilemma, wie es wohl von einer Firma im Silicon Valley zu erwarten war: Reisen nach Asien sind derzeit freiwillig, dafür ist das Web-basierte Videokonferenzsystem ausgebaut worden.

Über das Netz

Verkaufsvertreter, die im vergangenen Monat mal schnell von San Francisco nach Hongkong geflogen wären, sprechen nun von ihrem Büro in San Jose mit ihren Kunden über das Internet. Auch für Gespräche auf Vorstandsebene und für Konferenzen werde immer häufiger das Internet eingesetzt, erklärt Sisto.

Phoenix reagiert damit wie viele Firmen im Silicon Valley auf eine Warnung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die in der vergangenen Woche riet, auf nicht unbedingt notwendige Reisen nach Toronto, Hongkong, Peking und andere Teile Chinas zu verzichten. Dabei befinden sich in Asien wichtige Kunden und Partner, die Region ist eines der weltweit bedeutendsten Zentren für die Chip-Produktion.

Troubles befürchtet

Bisher ist noch nichts über Produktionsprobleme oder Verzögerungen beim Start neuer Produkte bekannt geworden. US-Manager befürchten aber, dass es zu Schwierigkeiten kommen kann, wenn die Epidemie andauert. Diesen potenziellen Schwierigkeiten wollen sie, so gut es geht, mit dem Einsatz neuester Technik und Konferenz-Software entgegen treten.

So gab der Firmenchef von Logitech, Guerrino De Luca, in der vergangenen Woche ein Interview für asiatische Journalisten über eine Videoschaltung. Und er forderte seine Mitarbeiter auf, sich mit dieser Technik vertraut zu machen. Rund 3.000 der 4.000 Beschäftigten von Logitech arbeiten in Asien, vor allem in Fabriken in China.

Microsoft hat mehr als 4.000 Mitarbeiter in Asien

So wichtig wie für Logitech sind die Beziehungen zu Asien und Australien für viele Firmen im Silicon Valley. Der führende Chip-Hersteller Intel verbuchte dort zum Beispiel im letzten Quartal 2002 38 Prozent seiner Einnahmen. Microsoft hat mehr als 4.000 Mitarbeiter in Asien, 20 Prozent der Konzerneinnahmen entfallen auf diese Region. In den vergangenen drei Jahren war es der am schnellsten wachsende Markt.

Sun Microsystems ermutig seine Mitarbeiter zwar schon länger, stärker die Telekommunikation zu nutzen, nach dem Beginn der SARS-Krise wurde das hauseigene Programm iWork aber noch ausgebaut, und es wurden Notfallpläne entworfen, falls Büros in Asien geschlossen werden müssen oder Mitarbeiter dort unter Quarantäne gestellt werden sollten.

"Asien bewegt sich in dieser Hinsicht sehr langsam"

Ganz ohne Risiko ist der Umstieg und der verstärkte Einsatz der Technik für die Firmen im Silicon Valley aber nicht, denn asiatische Geschäftsleute bevorzugen weiter das persönliche Gespräch unter vier Augen. "Asien bewegt sich in dieser Hinsicht sehr langsam", sagt Usha Haley von der Universität Tennessee, Autorin des jetzt erscheinenden Buches "Asia's Tao of Business: The Logic of Chinese Business Strategy". "Geschäftsbeziehungen in China und Südostasien basieren auf Vertrauen", sagt sie, "und entwickeln sich auf verschiedenen Ebenen und unter Einsatz verschiedener Mittel. Das wichtigste dabei sind die Wechselbeziehungen von Angesicht zu Angesicht."(APA/AP)

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