"Schulden sind jung und männlich"

29. April 2003, 13:43
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Risikobereitschaft von Männern und sorgloses Gläubigertum - Jahresbericht 2002 der Schuldenberatung Vorarlberg veröffentlicht

Bregenz - "Schulden sind jung und männlich." Das ist die Quintessenz aus dem am Dienstag publizierten Jahresbericht 2002 der Schuldenberatung des Vorarlberge Instituts für Sozialdienste (IfS), Laut Geschäftsführer Peter Kopf von der IfS-Schuldenberatung in Bregenz wurde im vergangenen Jahr eine neuerliche Zunahme verzeichnet. 1.556 Klienten haben das Beratungsangebot in Anspruch genommen - um 12 Prozent mehr als 2001.

Lebensplanung mit Schulden

Kopf: "Diese Zunahme ist vor allem auf das Ansteigen der Klientinnen und Klienten im Alter zwischen 18 und 24 zurückzuführen". Bereits mehr als zehn Prozent der Rat Suchenden gehören dieser Altersgruppe an. Für den Schuldenberater eine erschreckend hohe Zahl, wenn man bedenke, dass nicht geregelte Schulden eine ganze Lebensplanung zunichte machen und sich auch zerstörend auf künftige Beziehungen auswirken können.

Höhere Risikobereitschaft

"Schulden haben meist ein junges Gesicht und sind darüber hinaus männlich", resümiert Kopf. Das bedeute, dass beinahe zwei Drittel aller Rat suchenden Schuldner Männer sind. Kopf erklärt sich das mit einer höheren Risikobereitschaft vor allem junger Männer in vielen Lebensbereichen und daher auch beim Ausleihen von fremdem Geld.

Schulden durch Schicksalsschläge

"Arbeitslosigkeit, Scheidung und Trennung, Unfälle oder Krankheiten, eine gescheiterte selbstständige Tätigkeit oder einfach die Erhöhung der Fixausgaben um einige Euro", nennt der Schuldenberater als Hauptauslöser für nicht mehr zurückzahlbare Schulden. Dabei seien es nicht nur Menschen, die nie gelernt haben mit Geld umzugehen, die in die Schuldenfalle tappen, sondern auch "Leute wie du und ich", denen ein Schicksalsschlag alle Zukunftshoffnungen zunichte gemacht habe. "Hier gilt es gegenzusteuern und neue Perspektiven zu eröffnen".

Privatkonkurs oft letzte Chance für ein neues Lenen

In zahlreichen Beratungsgesprächen, Kontakten mit Gläubigern, Arbeitgebern, Behörden oder sozialen Institutionen werden von der IfS-Schuldenberatung Lösungen erarbeitet und umgesetzt. Immer häufiger auch durch einen Privatkonkurs, der in vielen Fällen die letzte Chance für ein neues Leben ohne Schulden ist, erinnert Kopf.

Präventionsprojekt

Um es gar nicht so weit kommen zu lassen, wird durch das Präventionsprojekt "Schuldenfrei ins Leben" Informations- und Aufklärungsarbeit bei Schülern und Jugendlichen geleistet. Nach dem Motto "Die besten Schulden sind die, die ich erst gar nicht mache", wird nicht Konsumverzicht gepredigt, sondern über ein ausgewogenes Verhältnis von Kaufen und Sparen geredet.

Gläubiger

"Wenn Gläubiger einen noch sorgfältigeren Umgang mit Geld, das sie verleihen, pflegen würden, wäre manche Schuldensituation gar nicht eskaliert", appelliert Kopf an Banken, Versicherungen, Autohäuser, Leasingfirmen, Handybetreiber und sonstige Unternehmer. (APA)

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