Steve Jobs lässt die Musik aufspielen

29. April 2003, 12:50
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Mit digitaler Unterhaltung - allem voran Musik - will Apple seine Nische sichern

Wien - Den Meldungen, wonach Apple-CEO Steve Jobs das Label Universal Music von Vivendi übernehmen wollte, war nur eine kurze Halbwertszeit beschieden: Kaum wurden die Gerüchte publik, war die Sache schon wieder abgeblasen. Aber Jobs Interesse an Musik ist mehr als eine Eintagsfliege: Für den Start von Apples eigenem E-Musikdienst, dessen Bekanntgabe bei einem Medienevent Montagnacht (nach Redaktionsschluss) erwartet wurde, gelang es dem charismatischen Firmenchef, auch die legendäre Rockband "The Eagles" mit an Bord zu holen. In persönlichen Anrufen bearbeitete Jobs Eagles-Manager Irving Azoff, bis dieser letztlich seine Einwilligung gab, dass Warner Music den Großteil des Eagles-Repertoires für den Apple-Dienst freigeben durfte.

Späte Liebe

Dabei hat Jobs seine Liebe zu digitaler Musik spät entdeckt. Als er nach dem firmeninternen Putsch 1985 Apple verlassen musste und zunächst mit NeXT eine weitere Computerfirma aufbauen wollte (deren späterer Verkauf an Apple 1997 den Weg für die Rückkehr als Retter und CEO ebnete), entdeckte er durch Zufall eine zweite Liebe: die Filmindustrie. 1986 kaufte er aus der Scheidungsmasse des Star-Wars-Regisseurs George Lucas die Computerabteilung und taufte sie Pixar. Dank digitaler Technologie revolutionierte Pixar den "Zeichentrickfilm", ein Mehrjahresvertrag mit Disney (u. a. Toy Story) verhalf Pixar und Jobs schließlich zum Durchbruch.

Toy Story

Filme waren darum bei Jobs Rückkehr zu Apple ein treibendes Motiv: sowohl in der Inszenierung der neuen Produktlinien als auch bei der Entwicklung neuer Software. iMovie war eines der ersten leicht zu verwendenden Programme für Amateure, um aus endlosen Stunden von Videoaufnahmen "richtige" Filme zu machen, mit Schnitt- und Vertonungsmöglichkeiten, die bis dahin dem Massenpublikum nicht zugänglich waren.

Aber während sich Apple noch auf iMovie (und professionelle Videoprogramme) konzentrierte, passierte die Napster-Revolution: die breite Verwendung von Computern und MP3-Playern zum Musikkonsum. 2001 brachte der Mac-Hersteller die Software iTunes mit dem Slogan "Rip, Mix, Burn" (Stehlen, Mischen, Brennen - eine Anspielung auf die Möglichkeit, damit nicht nur legal, sondern auch illegal erworbene Musik sammeln zu können) auf den Markt - nicht unbedingt zur Freude der Musikindustrie. Ende 2001 präsentierte Apple iPod, einen MP3-Spieler mit einer Festplatte mit Platz für Hunderte CDs. Der iPod, der für Apple leisten soll, was der Walkman für Sony brachte, ist inzwischen der meistverkaufte MP3-Player; rund die Hälfte aller Geräte werden an Benutzer von Windows-PCs verkauft. Ein erneuerter iPod, möglicherweise um Bild- und Videofunktionen ergänzt, wurde Montagnacht erwartet.

Es geht um ... Geld

Was die Musikindustrie mit Jobs wieder versöhnte, ist dessen Bekenntnis zu einem bezahlten Onlinedienst, um Musik downloaden zu können - nicht zuletzt, weil Apple damit selbst Geld machen will. Der Download eines Titels soll 99 US-Cent kosten. Und anders als andere Pay-Services wird Apple seine weltweite Marketingmaschine hinter den Dienst stellen, was für die noch wenig genutzte E-Musik der Durchbruch zu einem neuen Verkaufsmodell werden könnte. Neben den Eagles konnte Jobs auch andere Musiker unter Vertrag nehmen, die nur bei Apple erhältlich sein werden. Eine Reihe von Analysten sehen darum in diesem Schritt Apples Verwandlung in einen digitalen Medienkonzern. (Helmut Spudich, DER STANDARD Print-Ausgabe, 29.4.2003)

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