Neue Signale aus der Sahara

29. April 2003, 19:45
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Diplomat aus Mali bestätigte, dass die Touristen am Leben seien - auch Aufenthaltsort sei bekannt - österreichische Stellen geben sich unwissend

Wien/Algier - "Ich kenne nur die Meldung, verifiziert konnte sie noch nicht werden." So reagiert Johannes Eigner, der neue Leiter der Sonderkommission des Außenministeriums in Algier, am Montag auf Berichte der französischen Nachrichtenagentur AFP. Ein Diplomat aus Mali, einem Nachbarstaat Algeriens, hat nach einem Besuch in Algier bekannt gegeben, die insgesamt 31 Urlauber seien noch am Leben. Die Gruppe mit zehn Österreichern sei auch schon lokalisiert worden, wird der Diplomat zitiert.

Auskünfte zu den Verschwundenen

"Dazu weiß ich noch nichts Näheres. Es wurde ein Kontakt mit den zuständigen Stellen in Mali vereinbart, er ist aber noch nicht zustande gekommen", gibt sich Sonderkommissionschef Eigner dagegen vorsichtig. Auch bei der österreichischen Botschaft im Senegal, in deren Zuständigkeitsbereich auch Mali liegt, kann man auf Anfrage keine näheren Auskünfte zu den Verschwundenen geben.

Die algerischen Sicherheitskräfte haben unterdessen bestätigt, dass in der Sahara das Auto eines verschwundenen deutschen Ehepaares entdeckt worden ist. Der blaue Iveco der beiden Augsburger, die seit dem 8. März vermisst werden, befand sich nahe der Stadt Illizi, rund 1500 Kilometer südlich von Algier. Der Wagen sei fast vollständig mit Sand bedeckt gewesen, die Batterie und die Nummerntafeln waren entfernt worden. Über die Fahrgestellnummer soll nun geklärt werden, ob das Fahrzeug tatsächlich den Vermissten gehört.

Skeptischer Oberst

Der für die Suchaktion zuständige Oberst Messaoud Ben Boudria zeigte sich in einem Interview mit der algerischen Zeitung El Watan skeptisch, ob es sich tatsächlich um eine Entführung durch islamische Terroristen handelt. "Terroristen nehmen keine Geiseln. Sie töten sie normalerweise wegen der Wirkung in den Medien oder benutzen sie in Verhandlungen", gibt sich Boudira sicher. Der Ermittler geht jedoch ebenfalls davon aus, dass die Urlauber noch am Leben sind - möglicherweise auch außerhalb Algeriens.

Auch die Angehörigen der Verschwundenen hoffen weiter auf neue Nachrichten aus der Wüste. Am Dienstag wollen die Verwandten der zehn Österreicher einen gemeinsamen Brief an den algerischen Staatschef Abdelaziz Bouteflika senden. Über den Inhalt wurde zunächst Stillschweigen vereinbart. Das Schreiben wurde am Wochenende bei einem Treffen der Angehörigen in Salzburg verfasst und musste noch übersetzt werden, erklärte Monika Bleckmann, die Sprecherin der Gruppe. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe 29.4.2003)

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