Mikroben-Hilfe bei Restaurierung

28. April 2003, 22:40
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Kathedrale von Granada als Versuchsfeld für Myxococcus xanthus - seine Absonderungen ähneln Marmorkörnchen

Granada/London - Gewöhnliche Bodenbakterien könnten in Zukunft Monumente aus Kalkstein vor den verheerenden Auswirkungen der städtischen Luftverschmutzung schützen. Spanische Forscher der Universität von Granada nehmen dafür eine Absonderung des Bakteriums Myxococcus xanthus ins Visier. Es sondert ein Mineral ab, das mit Kalkstein- und Marmorkörnchen nahezu identisch ist. Erste Testversuche mit Teilen historischer spanischer Gebäude wie etwa der Kathedrale von Granada verliefen laut Angaben der Forscher bereits vielversprechend.

Das Team um Carlos Rodriguez-Navarro übergoß die Gebäudeteile mit einer Nährlösung aus Bakterien. Nach 30 Tagen durchdrangen die zähen Bakterien den Kalkstein in eine Tiefe bis zu einem halben Millimeter, ohne dabei die Poren zu verstopfen. Die Bakterien bildeten eine Karbonat-Schicht, eine Art Biomörtel, der fester als der Stein selbst, aber resistenter gegenüber Säure war.

Rodriguez-Navarro kann sich für den bakteriellen Skulpturen-Schutz zwei Methoden vorstellen: Das Monument könnte einerseits mit einer bakteriellen Lösung besprüht werden. Andererseits hält der Forscher auch ein Material für möglich, das mit den Bakterien imprägniert wird und das Objekt umhüllt. Das spanische Team will nun nach einem Bericht des Fachmagazins "Nature" das mikrobielle "Lifting" an einigen echten Statuen erproben. Man werde aber vorsichtig sein, da frühere bakterielle "Biomörtel-Versuche scheiterten. Entweder wurden die Poren mit Schlamm verstopft oder sie verfärbten sich. (pte)

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