Neue Vorwürfe gegen russischen Geheimdienst wegen Moskauer Geiseldrama

28. April 2003, 19:51
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FSB soll "Maulwurf" bei Rebellen eingeschleust haben

Moskau - Ein halbes Jahr nach dem Geiseldrama in einem Moskauer Musical-Theater sieht sich der russische Geheimdienst mit neuen Vorwürfen konfrontiert, an der Geiselnahme durch tschetschenische Rebellen beteiligt gewesen zu sein. Der Inlandsgeheimdienst FSB habe einen Verbindungsmann in die Rebellengruppe eingeschleust, die am 23. Oktober das Theater gestürmt und rund 800 Zuschauer und Schauspieler als Geiseln genommen hatte, sagte der Sprecher der von Moskau nicht anerkannten tschetschenischen Führung, Achmed Sakajew, am Montag der Nachrichtenagentur AFP in Moskau. Den gleichen Vorwurf erhob der ehemalige FSB-Offizier Alexander Litwinenko im Londoner Exil gegenüber AFP.

Der Tschetschene Chanpasch Terkibajew, ein früherer Journalist beim tschetschenischen Fernsehen, sei als "Maulwurf" vom FSB in das Kommando eingeschleust worden, sagte der von Russland mit internationalem Haftbefehl gesuchte Sakajew in einem Telefonat von London aus. Die Geiselnahme sei von dem tschetschenischen Rebellenchef Schamil Bassajew vorbereitet worden. Noch vor der gewaltsamen Beendigung des Geiseldramas durch russische Spezialeinheiten hätten jedoch Agenten des FSB die Kontrolle über das Kommando übernommen. Spezialeinheiten hatten das Theater nach drei Tagen unter Einsatz von Giftgas gestürmt. Dabei starben 129 Geiseln. Die russische Führung hatte anschließend die Geiselnahme als Grund für ein hartes Vorgehen in Tschetschenien angeführt. (APA)

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    Beim Sturm auf das Musical-Theater starben 129 Geiseln

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