Max Walch - Sozialbär und Vertreter des kleinen Mannes

29. April 2003, 10:28
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FPÖ-Vize verhandelte hartnäckig Details der Pensionsreform.

Schon allein optisch präsentiert er den kleinen Mann: Ist Max Walch doch nur 169 Zentimeter groß. Aber auch von seiner Biografie her ist der blaue Vizeparteiobmann der Klientel, die die FPÖ so gern als ihr Stammpublikum definiert, verbunden: Ist er doch Bauarbeiter und hackelt heute noch als Betriebsrat einer Linzer Baufirma, wenn er neben Fernsehauftritten und Verhandlungen über die Pensionsreform dazu kommt.

"Ich weiß, wo den kleinen Mann der Schuh drückt", sagt Walch gern über sich selbst. Im Gegensatz zu anderen blauen Spitzenpolitikern wurde er weder über Discotouren in Jörg Haiders Entourage noch über die Parteiakademie oder sonstige Theorien politisch sozialisiert - er rutschte über seine Betriebsratstätigkeit in die Politik.

Das merkt man heute noch: Walch hat ein Faible für knallige Farben - und breitesten Mühlviertler Dialekt, der durchaus kräftige Ausdrücke nicht ausspart. Die für Spitzenpolitiker ungewöhnliche Sprache, kombiniert mit dem Erscheinungsbild als jovialer, gemütlicher und bärtiger Sozialbär, hat manche in der ÖVP Walch als Verhandlungspartner unterschätzen lassen. Aber ein Leichtgewicht ist der 51-Jährige nicht, wie er in den Detailverhandlungen um die Pensionsreform bewiesen hat.

Hartnäckig drängte er die ÖVP zu Verbesserungen - vor allem für seine "Hackler" - und unterstützte seine Forderungen, immer loyal zu Parteiobmann Herbert Haupt, auch mit der Drohung einer Verschiebung der Pensionsreform. So dickschädelig, dass er sich ein paar Abfederungen zugute halten kann. Forderungen zumindest teilweise durchzusetzen hat Walch gelernt: als Betriebsrat am Bau, als blauer Arbeiterkämmerer in Oberösterreich, als Gemeinderat im heimatlichen Wartberg ob der Aist und als oö. Landtagsabgeordneter.

Auch wenn er seine neue Wichtigkeit durchaus genießt - Walch wäre nicht ungern in Oberösterreich und seinem geliebten Mühlviertel geblieben. Nach seiner Übersiedlung ins Parlament nach der Nationalratswahl vermisste er den Landtag ein bisschen ("Dort waren halt lauter Oberösterreicher"). Noch heute pendelt er auch nach nächtlichen Fernsehauftritten heim zu Frau, Tochter, Haus und Garten ins Mühlviertel - und betont, dass er nie politische Ämter angestrebt habe: "Ich habe nie was werden wollen."

Aber die zutiefst zerstrittene FPÖ brauchte im Herbst einen Vizeparteiobmann, der zu keinem der Flügel gehört - und sich als Integrationsfigur eignet. Walch formulierte das damals so: "Die Leute wollen keine streitenden Teufel." Und so rückte Walch an die Parteispitze auf, bemüht sich, auch als Vertreter der Regierungspartei "nicht Jasager zu sein" - und kommt kaum mehr zu seinen Hobbys: Grillen und Gartenarbeit.(Eva Linsinger/DER STANDARD, Printausgabe, 29.4.2003)

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