Dorothee Sölle 1929-2003

29. April 2003, 11:34
1 Posting

Zum Tod der populären Theologin, die sich zwischen Ökologie, Feminismus und Friedensbewegung positionierte

Bad Boll - Im letzten Jahr verstarb Luise Rinser, die erfolgreichste religiöse Schriftstellerin in Deutschland nach 1945. Am vergangenen Sonntag nun starb in Bad Boll, inmitten eines theologischen Wochenendes von einem Herzinfarkt ereilt, Dorothee Sölle, die erfolgreichste populärwissenschaftliche protestantische Theologin.

Mit Luise Rinser teilte die 1929 in Köln geborene Dorothee Sölle die Betonung des Gefühls: Schöpfung sei nicht als Macht und Hierarchie zu akzeptieren, sondern teilnehmend zu gestalten - so Sölle 1985 in Lieben und arbeiten. Eine Theologie der Schöpfung. Der oft subjektive Ton ihrer Schriften zog breite Schichten - zwischen Kirchentagen und Friedensbewegung - an.

Sölle hatte sich nach Studien von Germanistik und Philosophie 1971 in Theologie habilitiert und positionierte sich zwischen Ökologie, Feminismus und Friedensbewegung: gegen die Pershing-Stationierung in den 80ern, gegen den Irakkrieg jüngst, für El Salvador. Sehr irdisch dachte sie ihre Religion, bis hin zum provokanten Programm Atheistisch an Gott glauben (1981). In Lieben und arbeiten werden Qualitäten und Grenzen Sölles deutlich: Sie fordert darin, orientiert an einer soziologisch geerdeten Gestalt Jesu, eine andere gesellschaftliche Einstellung zur Arbeit: nicht bloßer Lohnerwerb, sondern Selbstbestätigung und Gemeinschaft. Auch wenn das schon Marx, philosophisch komplizierter, gefordert hatte, so ist der Gedanke schön. Doch verbleibt Sölle hier im Überbau von Meditationen.

Tiefer sind da ihre Beiträge zur feministischen Theologie. Etwa zu Maria Magdalena, die "zu einer Frauengruppe gehörte, die wie die Jünger mit Jesus zog". Diesem Zug schloss sich Dorothee Sölle jahrzehntelang an. (rire, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 29.4.2003)

Share if you care.