"Ö3 an die Börse", ORF On ohne Werbung

29. April 2003, 11:07
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"Ständiges Problem": Vorgeschmack auf Verhandlungsrunde zwischen Verlegern und ORF - kurier.at kostet künftig

Peter Rabl hat ein "ständiges Problem" mit dem ORF. Das liegt nicht an gelegentlich aufkeimender Küniglberg-Kritik im "Kurier", dessen Chefredakteur und Herausgeber Rabl ist. Das ständige Problem teilt Rabl mit den übrigen Verlegern: "Der ORF versteht das Gesetz anders als wir und anders, als es gemeint war."

Genau deshalb treffen einander Spitzen von Zeitungsverband und Anstalt vor dem Tag der Arbeit. Wie DER STANDARD und etat.at berichteten, geht es um Grauzonen der Werbung im ORF, Sonderwerbeformen wie Product Placement.

Diese Grauzonen einzuschränken scheint der Küniglberg bereit, wenn sich die Zeitungen nicht gegen eine Anpassung der ORF-Gebühren (natur- und inflationsgemäß nach oben) stellen.

Vorgeschmack

Bei einer Tagung von Kanzleramt und Medienbehörde am Montag liefert Eugen Ruß einen Vorgeschmack auf Verlegerwünsche: Nicht einzusehen, warum gebührenfinanzierte "staatsnahe Unternehmen" privaten Onlinemedien Konkurrenz machten. Ruß gehören "Vorarlberger Nachrichten" und "Neue Vorarlberger", Vienna und Vorarlberg Online, er ist Gesellschafter von Arabella in Wien und Tulln, Antenne Vorarlberg und des Wiener TV-Projektes puls.

Das Gesetz trage dem ORF auf, Radio und Fernsehen zu betreiben und Onlinemedien zur Unterstützung derselben, betont Ruß. In Deutschland und der Schweiz müssen die Internetangebote der öffentlich-rechtlichen Anstalten im Gegensatz zu ORF On auf Werbung verzichten.

ORF-Onlinedirektor Ronald Schwärzler argumentierte dagegen mit der Verpflichtung seines Hauses, "umfassend zu informieren". Und die gilt aus seiner Sicht auch für Internet und Handys. Der ORF müsse dort "Inhalte gratis anbieten" und dafür "Gebührengelder verwenden".

kurier.at kostet künftig

Rabls Konzern denkt übrigens - wohl auch mangels Rundfunkgebühr - in die Gegenrichtung: Noch heuer würden die Inhalte des "Kurier" nur noch gegen Entgelt über Internet abrufbar.

Ziel der Verhandlungen zwischen Verlegern und Kü- niglberg sind dem Vernehmen nach Werberichtlinien, mit denen beide Seiten leben können, und die der Stiftungsrat des ORF absegnet. Und tunlichst werbefreies ORF On.

Der Vorarlberger Medienmulti selbst geht noch weiter: "Warum man den kommerziellsten Sender Österreichs - Ö3 - vom staatsnahen Unternehmen ORF betreiben lassen?" Er wäre "hervorragend geeignet, privatisiert zu werden, das könnte etwa unserer Börse guttun". ORF 1, auch gerne in dem Zusammenhang genannt, lässt Ruß aus.

Natürlich hat Ö3 öffentlich-rechtliche Inhalte, entgegnet ORF-Direktor Schwärzler. "Zielgruppengerechte Information" fallen ihm da und "Verkehrsnachrichten". Die bieten Privatradios auch. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 29.4.2003)

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