"Streiks verhärten nur die Fronten"

29. April 2003, 14:28
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Wäre der ÖAAB rechtzeitig einbezogen worden, hätte sich die ÖVP Ärger erspart, sagt der ÖAAB-Mandatar Spindelegger im STANDARD-Interview

Standard: Kann sich der ÖAAB bei den Abänderungen zur Pensionsreform einen Erfolg auf seine Fahnen schreiben?
Spindelegger: Ja. Dass wir im Sinne der Bevölkerung auf Verbesserungen gedrängt und auch in der Partei gezeigt haben, dass die Arbeitnehmer ein gewichtiger Teil sind.

Standard: Was war Ihnen ein spezielles Anliegen?
Spindelegger: Problematisch war, einerseits ein Recht auf Teilzeit zu schaffen, dann aber bei der Durchrechnung die Frauen zu benachteiligen. Wir haben vorgeschlagen, dass die schlechtesten Jahre - ungefähr fünf Jahre pro Kind - weggelassen werden.

Standard: Wo hat Schüssel auf den ÖAAB gehört?
Spindelegger: Ich glaube, dass wir bei der Frauenpension, bei der Hacklerregelung sowie bei der Dämpfung von Kumulierungseffekten positive Änderungen bewirkt haben.

Standard: Was hat den ÖAAB ganz besonders gestört?
Spindelegger: Dass wir nicht entsprechend einbezogen waren und nicht rechtzeitig auf Unverträglichkeiten hinweisen konnten. Da hätte man sich viel ersparen können.

Standard: Wie stehen Sie zu den Gewerkschaftsprotesten?
Spindelegger: Proteste im Sinne von Streiks und Verkehrsbehinderung etc. sind ein ganz schlechtes Mittel. Einerseits geht man damit der inhaltlichen Diskussion aus dem Weg und verhärtet nur die Fronten. Andererseits wiegelt man die Bevölkerung gegen die Streikenden selbst auf.

Standard: Wie schaut’s aus mit dem Koalitionspartner FPÖ?
Spindelegger: Vom Inhalt her hatte man dort eine ähnliche Zielrichtung wie wir.

Standard: Haider fürchten Sie also nicht?
Spindelegger: Dazu habe ich keinen Grund. Es war innerhalb der ÖVP wichtig, an einem Strang zu ziehen. Langsam geht’s in diese Richtung.

Standard: Ist der Zorn bei den Bünden über Wolfgang Schüssel verraucht?
Spindelegger: Ich glaube, dass der Zorn weniger bei den Bünden als bei der Bevölkerung vorhanden war. Und dort ist er auch noch nicht verraucht. Aber wenn sich jetzt tatsächlich etwas bewegt, wird man die Reform erklären können.(DER STANDARD, Printausgabe, 29.4.2003)

Das Gespräch führte Martina Salomon.
  • Michael Spindelegger.
    foto: standard/cremer

    Michael Spindelegger.

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