Das Stadtfest-Klo vor dem Mahnmal

28. April 2003, 21:00
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ÖVP entschuldigt sich für WC-Aufstellungsort

Wien - An böse Absicht, betont Ruth Contreras, denke sie nicht einmal im Entferntesten: "Die haben sich wahrscheinlich einfach nichts gedacht." An der Empörung der Wienerin ändert das freilich nichts.

Als sie Freitagnachmittag am Schoah-Mahnmal auf dem Judenplatz vorbeikam, waren die Aufbauarbeiten für das am Samstag abgehaltene Stadtfest gerade in vollem Gange. Und, so Contreras, unmittelbar vor dem Mahnmal von Rachel Whiteread wurde eine Reihe mobiler Toiletten aufgestellt. "Der Zugang zum Museum war kaum möglich", erklärt Contreras. Als Angehörige der zweiten Generation der überlebenden nach dem Holocaust empfinde sie "diese Tatsache als zutiefst verletzend".

Pietätlos

Und pietätlos: Neben dem Stadtfest war das vergangene Wochenende auch dem Gedenken des Holocaust gewidmet. "Da sind viele Leute in der Stadt, die auf der Suche nach ihren Wurzeln hierher kommen." Auch im Museum im Misrachi-Haus am Judenplatz, wohin sich Contreras sofort wandte, sei man "betroffen und verletzt" gewesen - konkrete Schritte habe aber niemand gesetzt.

Aus gutem Grund, erklärte am Montag Alfred Stalzer, Sprecher des jüdischen Museums, das auch das Museum am Judenplatz betreibt, gegenüber dem STANDARD: Das Museum sei am Samstag ohnehin geschlossen. "Wenn man auf dem Platz eine Veranstaltung abhält, muss man natürlich Sanitäranlagen aufstellen."

Diese, erfuhr Ruth Contreras allerdings, als sie sich noch am Freitag an den Bürgerdienst der Stadt Wien wandte, wären hier - unmittelbar vor dem Mahnmal - auch nicht genehmigt: Die Klos wurden umgehend an ein weniger sensibles Eck des Judenplatzes verlegt.

Beim Stadtfest-Veranstalter, der Wiener ÖVP, war man am Montag zerknirscht: "Dass das passiert ist, tut uns ausgesprochen Leid", erklärte VP-Landesgeschäftsführer Norbert Walter. In Zukunft werde man deshalb bei der Wahl der Örtchen-Orte "genauer prüfen, ob da Gefühle verletzt werden könnten". (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.4.2003)

Von Thomas Rottenberg
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