Villepin: EU soll aus Irak-Streit lernen

28. April 2003, 17:33
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Französischer Außenminister spricht sich für ein starkes Europa aus

Prag - Der "Brief der Acht" zur Unterstützung der amerikanischen Irak-Politik habe den europäischen Interessen nicht gedient, sagte der französische Außenminister Dominique de Villepin bei seinem Besuch am Montag in Prag. Auch der ehemalige tschechische Staatspräsident Vaclav Havel hatte die Unterstützungserklärung unterschrieben. Die EU solle daraus und aus anderen Uneinigkeiten in der Irak-Krise lernen, sagte Villepin.

Villepin sprach sich für ein starkes Europa aus. Europa solle in der Lage sein, mit einer Stimme zu sprechen und mit den USA gleichberechtigt sein. Es sei unmöglich, sich bei der Lösung aller Probleme der Welt auf eine Macht zu verlassen, sagte der französische Außenminister in einer Debatte im tschechischen Senat. Ein starkes Europa würde auch die Beziehungen zwischen Europa und den USA stärken. Rivalität würde weiter bestehen, so Villepin, wenn europäische Fragen wie die Bildung einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik nicht klar diskutiert und keine Regeln aufgestellt würden.

"Wir können das nicht vergessen", sagte Villepin zum Brief der Acht, obwohl sich das tschechische Außenministerium sowie Präsident Vaclav Klaus von dem Brief distanziert hatten. Villepin sagte, diese Erklärung sei mit der EU-Position unvereinbar. Spanien, Portugal, Italien, Großbritannien, Dänemark, Ungarn, Polen und Tschechien hatten den Brief Ende Jänner unterschrieben.

Villepin wehrte sich auch gegen die Aufteilung in ein "neues" und "altes" Europa. "Wir sind die Mitglieder einer Familie, wir haben die gleichen Verpflichtungen und Rechte."

Villepin bezeichnete die Entrüstung des französischen Präsidenten Jacques Chirac über die pro-amerikanischen Haltung der EU-Beitrittsländer als einen Ausdruck der Freundschaft und einen Beweis dafür, dass jeder in der EU seine Ansichten darstellen könne. Chirac hatte Mitte Februar gesagt: "Diese Länder waren nicht sehr wohl erzogen und sich der Gefahren wenig bewusst, die eine zu schnelle Angleichung an die US-Position mit sich bringt." Sie hätten "eine gute Gelegenheit verpasst haben, den Mund zu halten", sagte Chirac damals. (APA/CTK)

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    Villepin: Es ist unmöglich, sich bei der Lösung aller Probleme der Welt auf eine Macht zu verlassen

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