Wirtschaftsbund gegen Frühpension

28. April 2003, 19:52
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Dadurch werde der bis 2008 drohende Fachkräftemangel gelindert - Erhebung: In jedem dritten Betrieb besteht ein Bedarf an Arbeitskräften

Wien -Bei der geplanten Abschaffung der Frühpensionen bekommt die Regierung Schützenhilfe vom ÖVP-Wirtschaftsbund (WB). Ein höheres Pensionsalter werde mittelfristig nicht zu einer höheren Arbeitslosenrate führen, sondern den drohenden Arbeitskräftemangel von (laut Wifo) 165.000 fehlenden Erwerbsfähigen im Jahr 2008 entschärfen, betonte Wirtschaftsbund-Generalsekretär Karlheinz Kopf in einer Pressekonferenz am Montag.

Die Arbeiterkammer (AK) hingegen geht davon aus, dass bis 2006 - bedingt durch diese Maßnahme - zusätzlich 80.000 Arbeitskräfte den ohnehin angespannten Arbeitsmarkt zusätzlich belasten werden. Der Wirtschaftsbund weist diese Befürchtung zurück, ein höheres Pensionsantrittsalter sei ein geeignetes Mittel, den bestehenden Arbeitskräftemangel in der heimischen Wirtschaft zu lindern. Bereits die Anhebung des Frühpensionsalters habe die Erwerbsquote der Älteren erhöht. Aufgrund der demographischen Entwicklung sei ab 2006 mit einem Arbeitskräfterückgang zu rechnen, so dass die Betriebe verstärkt auf ältere Arbeitskräfte zurückgreifen werden.

Fachkräfte gesucht

Eine vom WB in Auftrag gegebene Fessel-Gfk-Studie zum Thema "Arbeitskräftemangel in Österreich" zeichnet ein optimistisches Bild: Demnach haben derzeit ein Drittel der österreichischen Unternehmer Bedarf an Mitarbeitern beziehungsweise hatten in den vergangenen Monaten einen solchen. Im Jahresvergleich ist zwar ein Nachfragerückgang nach Arbeitskräften festzustellen (2002 suchten noch 40 Prozent), Facharbeiter suchen 22,4 Prozent aller Betriebe jedoch nach wie vor: 9,2 Prozent brauchen Hilfsarbeiter, zehn Prozent Büropersonal. Sechs von hundert Betrieben suchen leitende Mitarbeiter, jeder zehnte einen Lehrling.

Laut Herbert Böhm, dem Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS), fehlen in der Wirtschaft derzeit rund 35.000 Fachkräfte. Um diesem Mangel entgegenzuwirken, stellt das AMS heuer mehr als 435 Mio. Euro für Qualifizierungsmaßnahmen zur Verfügung. Diese Qualifizierungen sollen die Chancen der Jobsuchenden auf Integration verbessern, was wiederum die Arbeitslosendauer von 1999 bis 2002 von 125 auf 106 Tage verkürzt habe.

Der Wirtschaftsbund fordert unter anderem eine Lockerung der Kündigungsschutzbestimmungen für Ältere und der Zumutbarkeitsbestimmungen (Berufs- und Gebietsschutz). Die Argumentation der Gewerkschaften, höheres Pensionsalter sei gleichbedeutend mit höherer Arbeitslosigkeit, gehe in Leere, so die Schlussfolgerung von Wirtschaftsbündler Kopf. Die Erhöhung der Erwerbsquote unter den Älteren (55/60) sei vorrangig. EU-weit liege diese bei 42 Prozent in Österreich lediglich bei 29,8 Prozent.

Als "zynisch" kritisierte AK-Präsident Herbert Tumpel das Wehklagen über den Fachkräftemangel: "Mehr als 276.000 Menschen suchen Arbeit und das einzige was dem Wirtschaftsbund dazu einfällt ist ein reines Lohnkürzungsprogramm und der Ruf nach noch mehr billigen Saisonarbeitskräften aus dem Ausland." 7700 Mädchen und Burschen suchten dringend eine Lehrstelle, die Wirtschaft biete aber nur 2800 freie Plätze an, mahnte Tumpel. (APA/DER STANDARD, Printausgabe, 29.4.2003)

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