Opernzeit des Übergangs

28. April 2003, 17:40
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Rudolf Berger stellt die Pläne für seine Antrittssaison als Chef der Wiener Volksoper vor

Wien - Dass er seine Pläne für die erste von ihm konzipierte Spielzeit 2003/04 als neuer Chef der Wiener Volksoper im Theatermuseum (beheimatet im Palais Lobkowitz) bekannt gab, solle nicht einer gewissen Symbolik entbehren, meinte Rudolf Berger. Allerdings wollte er die Symbolik nicht aufs Museum bezogen wissen. Vielmehr denke er dabei mehr an den Fürsten Lobkowitz und dessen großzügiges Mäzenatentum und damit an das Thema Kultursponsoring, "das uns auch beschäftigen wird müssen", so Berger.

Viel Zeit hatte er nicht, die Saison zu konzipieren, nachdem ihn Kunststaatssekretär Franz Morak im November des Vorjahres zum Nachfolger des mit Saisonende scheidenden Dominique Mentha bestellt hatte. Auch deswegen werde die kommende Saison ein wenig eine "des Übergangs sein." Grundsätzlich sieht Berger die Vielfalt des Programms als Auftrag; gleichzeitig will er aber auch die "Wiener Eigenart" des Hauses am Gürtel gepflegt sehen.

Außerdem soll dem Haus eine internationale Ausstrahlung zukommen. Auch im Lichte der bevorstehenden Osterweiterung. Zwar gehe es ihm um "gute Unerhaltung", aber diese darf durchaus fordernde, ja "deprimierende" Elemente enthalten.

Vier Neuheiten

Vier Premieren bietet die kommende Saison: Es sind dies Flotows Spieloper Martha (18. Oktober; Regie: Michael McCaffery), Suppés Operette Boccaccio (13. Dezember; Regie: Helmuth Lohner), Puccinis Madame Butterfly (24. April 2004; Regie: Stefan Herheim) und die Strauß-Operette Eine Nacht in Venedig (5. Juni 2004; Regie: Michael Sturminger). In Zusammenarbeit mit der Staatsoper wird in deren Kinderopern-Zelt das Volksopern-Auftragsstück Die feuerrote Friederike von Elisabeth Naske (nach Christine Nöstlingers gleichnamigem Buch) am 3. April 2004 zur Uraufführung kommen.

Besonderes Augenmerk möchte Berger auch auf die Repertoireabende richten; in diesem Sinne ist auch die Tätigkeit des Chefdirigenten Marc Piollet, den Noch-Chef Dominique Mentha geholt hat, zu verstehen. Piollet, der künftig mindestens sechs Monate pro Jahr im Haus anwesend sein wird, möchte, dass die Qualität auch abseits der Premieren - von denen er kommende Saison zwei dirigieren wird - stimmt.

Neue Tänze

Weiters sind drei Konzertabende mit dem Orchester der Volksoper Wien (ein Sinfoniekonzert unter dem Titel Aus der Neuen Welt, ein "Musikmärchen"-Kinderkonzert und die konzertante Aufführung der Oper Sarka von Zdenek Fibich) und eine Reihe von Soireen geplant.

Einen Neuaufbau gibt es auch im Tanzbereich, der bis Saisonende von Liz King betreut wird. Der neue Ballettchef Giorgio Madia erarbeitet die Choreografie für Nudo (9. März. '04). Zuvor gibt es (ab 21. September '03) einen durch Compagnien der Freien Szene gestalteten Abend; und ab 18. Jänner 2004 kommt jene Nussknacker-Choreografie, die Jo Stromgren im Jahr 2000 unter Bergers Direktion für die Opera national du Rhin in Straßburg erarbeitet hat.

Für die Saison 2004/05 kündigte Berger eine Rückkehr zu den gewohnten fünf Premieren sowie "wieder Ausflüge in ein etwas riskanteres Repertoire" an. Langfristig hegt er zwei Träume: einen kleinen, zweiten Spielort für Experimente sowie ein Studio für junge Sänger. Um dies zu verwirklichen, wird es allerdings wohl eines modernen Fürsten Lobkowitz bedürfen. (DER STANDARD, Printausgabe, 29.4.2003)

Von Ljubisa Tosic
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    Träumt von einem neuen Spielort - Rudolf Berger, hier mit Angelika Kopitsch (Kaufmännische Geschäftsführerin).

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