Zwei Millionen irakische Kinder brauchen rasche Hilfe

28. April 2003, 16:26
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Gesellschaft für bedrohte Völker fordert Irak-Tribunal zu Kriegsverbrechen und Ende der UNO-Sanktionen

Bern - "Das Terror-Regime (von Saddam Hussein), die UNO-Sanktionen und der Krieg verursachten im Irak eine erschreckende Unterversorgung und Mangelernährung", warnt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in einer Aussendung von heute, Montag. Mindestens zwei Millionen Kinder unter fünf Jahren und eine Million schwangere Frauen benötigen demnach rasch Aufbau-Nahrung. Zehn Millionen Iraker könnten nicht auf sauberes Trinkwasser zurückgreifen.

Die GfbV fordert deshalb von den USA die sofortige Aufhebung der UNO-Sanktionen, die Anerkennung des Internationalen Strafgerichtshofes und die Einrichtung eines Tribunals, in dem Saddam Hussein und seinem Regime der Prozess gemacht werden kann. Nach Schätzungen der GfbV-International sind seit Machtantritt des Baath-Regimes 1968 bis zu 500.000 Kurden (und mit ihnen Angehörige der assyrischen, yezidischen und turkmenischen Minderheiten) und bis zu 400.000 Schiiten und Marscharaber getötet worden. Dieses Tribunal müsse auch möglichen Kriegsverbrechen beider Kriegsparteien während dieses Irak-Krieges nachgehen und diese ahnden.

Weiters spricht sich die GfbV für schnellst möglich freie Wahlen im Irak aus, die zur Bildung einer demokratischen föderalen Regierung führen sollen. Der überwiegend kurdische Nordirak müsse nach 42 Kriegsjahren und ständiger Verfolgung seiner Bevölkerung eine international garantierte Autonomie erhalten und über eigene Schutztruppen verfügen.

Die internationale Staatengemeinschaft habe es versäumt, so GfbV, die Aufrüstung des Irak zu verhindern. Deutsche, französische, britische, nordamerikanische, italienische und schweizerische Firmen seien Jahre lang am Aufbau der Giftgas-Industrie beteiligt gewesen. Frankreich sei seinerzeit für den Aufbau der Atomindustrie verantwortlich gewesen. GfbV fordert daher: Diese Regierungen müssen dazu beitragen, die Opfer des Regimes zu entschädigen.

Auch die Irak-Anrainer-Staaten Türkei und Iran werden aufgefordert. Sie sollen humanitäre Hilfe leisten. Der Iran und die Türkei sollen außerdem angehalten werden, ihren kurdischen Bevölkerungsgruppen (10 bzw. 15 Millionen Kurden) regionale, demokratisch verfasste Autonomie zuzugestehen. (APA)

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