Wachstum tritt weiter auf der Stelle

28. April 2003, 19:15
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Erholung der Wirtschaft rückt in weite Ferne - Die Industriellenvereinigung sieht eher schwarz

Wien - Die Industriellenvereinigung dämpft die Hoffnungen auf ein Anspringen der Konjunktur in Österreich. "Zwar sind die Rahmenbedingungen für eine Erholung nicht so schlecht, aber um diese in Wachstum umzusetzen, bedarf es wirtschaftlicher Initiativen, nicht nur in Österreich, sondern auch in Europa", sagte Erhard Fürst, der Chefökonom der Industriellenvereinigung (IV).

Die IV erwartet für die nächsten ein bis drei Quarta- le ein im europäischen Vergleich unterdurchschnittliches Wachstums, das von einer neuerlichen Verschlechterung der Stimmungen der Konsumenten sowie einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit begleitet werde. Dennoch gibt es laut Fürst keine Indizien dafür, dass Österreich eine Rezession drohen könnte.

Kein Optimismus

Nicht erfüllt habe sich aber die Erwartung vieler Ökonomen, dass die Konjunkturskepsis nach einem kurzen Irakkrieg rasch Richtung Optimismus drehen würde. Schließlich sei das Problem Irak politisch noch lange nicht gelöst, lautet die Begründung des IV-Chefvolkswirts. Mit einem deutlichen Aufschwung sei erst 2004 zu rechnen.

Laut Fürst könne die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts der niedrigen Inflationsrate, zu der der starke Eurokurs beitrage, ein deutliches Zinssignal im Ausmaß von 0,5 Prozentpunkten setzen: "Selbst dann liegt das Zinsniveau in Europa noch immer um einen halben Prozentpunkt über jenem der USA." Die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten sei zwar momentan nicht stark, dennoch würden die USA weiter die globale Konjunkturlokomotive bleiben. Fürst erwartet für heuer ein Wachstum von 2,5 Prozent, das durch niedrige Zinsen und das Konjunkturpaket der Regierung in Washington gestützt werde.

Negativ-Trend dauert an

Dass die heimische Konjunktur nicht auf Touren kommt, zeige auch die jüngsten Mitgliederbefragung der Industriellenvereinigung aus dem 1. Quartal 2003. Sämtliche wichtige Indikatoren würden auf eine Verschlechterung des Wirtschaftsklimas hindeuten. So sei das IV-Konjunkturbarometer nach einer vorübergehenden Erholung zur Jahreswende deutlich von 9,9 auf 2,1 gefallen, erläuterte Fürst am Montag. Sowohl die Beurteilung der gegenwärtigen Geschäftslage wie auch jener in sechs Monaten sei pessimistischer geworden. Der Saldo aus den positiven und negativen Einschätzungen der Geschäftslage bewege sich derzeit um die Nulllinie. Die Folge sei ein weiterer Arbeitsplätzeabbau in der Industrie. Für heuer rechnet der IV-Chefökonom mit einem Arbeitsplatzschwund von 1,5 bis zwei Prozent nach einem Jobabbau von 2,5 Prozent im abgelaufenen Jahr.

IV-Generalsekretär Lorenz Fritz bewertet die Ergebnisse der Konjunkturumfrage als Indiz für eine anhaltende Verunsicherung der Unternehmen und eine angespannte wirtschaftliche Situation.

Abwehr statt Aufbruch

Obwohl jetzt Aufbruchstimmung angesagt wäre, müsse man sich mit der Abwehr von Belastungsmaßnahmen aus den Budgetbegleitgesetzen auseinander setzen. Beispiel dafür seien neue Gebühren im Abfallbereich für das Verbrennen von Industrieabfällen. Außerdem hänge die Anschlussfinanzierung für Forschung und Entwicklung (rund 200 Mio. Euro) seit dem Herbst 2002 in der Luft. (rose/DER STANDARD Print-Ausgabe, 29.4.2003)

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