Mindestens 120 Tote bei ethnischen Unruhen in Kongo

28. April 2003, 15:35
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Nach Armeeabzug Ugandas - amnesty sieht Kampf um natürliche Ressourcen als Quelle der Gewalt

Kampala - Bei ethnischen Unruhen im Nordosten des Kongo sind unbestätigten Berichten zufolge mindestens 120 Menschen ums Leben gekommen. Den Kämpfen in der Provinz Ituri fielen demnach innerhalb von zwei Tagen jeweils rund 60 Angehörige vom Volk der Hema und der Lendu zum Opfer. Das sagte der Führer einer Hema-Rebellengruppe, der Union Kongolesischer Patrioten, am Montag.

Seinen Angaben zufolge wurden am Freitag mindestens 60 Männer, Frauen und Kinder getötet, als sie auf der Flucht nach Uganda in einen Hinterhalt der Lendu gerieten. Die Lendu hätten Vergeltung geübt für die Ermordung von mehr als 60 Angehörigen ihres Volkes, die von einer Hema-Miliz in der Nähe der Ortschaft Kasenyi getötet worden waren.

Der ugandische Armeesprecher Shaban Bantariza berichtete, nachdem die ugandische Armee in der vergangenen Woche begonnen habe, ihre 6000 Mann aus der nordost-kongolesischen Provinz Ituri abzuziehen, hätten Tausende von Angehörigen des Hema-Stammes begonnen, aus Angst vor Überfällen der verfeindeten Lendu, nach Uganda zu fliehen. Kurz vor Erreichen der Grenze seien sie am vergangenen Freitag in einen Hinterhalt der Lendu geraten, sagte Major Bantariza. "Es ist wahr, dass rund 60 von ihnen getötet wurden."

Die ugandischen Truppen waren seit März in Ituri stationiert, um Stammeskämpfe mit Hunderten von Toten in der Unruheprovinz zu unterbinden. Nach einem Abkommen unter Vermittlung der UNO ziehen sie sich zurück. Die Hema misstrauen dem Schutz durch UNO-Blauhelme und kongolesische Polizei und flüchten nach Uganda, wo sie in der derzeitigen Regenzeit meist unter freiem Himmel vegetieren müssen.

Die Hema und Lendu haben sich in der Vergangenheit immer wieder bekriegt, meist wegen eines Streits um Ländereien. Nach dem Beginn des Bürgerkriegs im August 1998 kamen die Volksgruppen in den Besitz schwerer Waffen, weshalb weit mehr Menschen als früher den Auseinandersetzungen zum Opfer fallen.

Quelle der Massaker in Kongo ist nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) der Kampf um die natürlichen Ressourcen. Die Organisation forderte die internationale Gemeinschaft am Montag auf, die Gewalttaten unverzüglich zu unterbinden. Laut amnesty plündern Ruanda, Uganda und deren Verbündete in Kongo seit viereinhalb Jahren systematisch die natürlichen Ressourcen im Osten des Landes, wie Gold, Diamanten und Holz. Direkt oder indirekt habe dies den Tod von Hunderten Menschen zur Folge gehabt. Um ihre wirtschaftlichen Interessen zu fördern, hätten die ausländischen Kräfte die ethnischen Konflikte geschürt.(APA/AP/dpa)

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