Apple sagt mit eigenen Musikangeboten Tauschbörsen den Kampf an

29. April 2003, 15:22
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Mit der Eröffnung seines Online-Musik-Store macht Apple einen großen Schritt zum Dienstleister - Ein neues Preisschema macht den Dienst zum Testfall für die gesamte Musikbranche

Mit der Eröffnung seines Online Music Store Montagnacht hat Apple ein neues Kapitel als Online-Serviceanbieter aufgeschlagen. Obwohl das Angebot derzeit auf die relativ kleine Schar an Mac-Usern begrenzt ist, gilt der Music Store aufgrund seines Bezahlungsschemas nach einzelnem Downloads statt monatlichen Gebühren sowie der Möglichkeit, die gekauften Titel mehrfach zu speichern und auf CD zu brennen als Testfall für die gesamte Musikbranche, die mit Verkaufsrückgängen kämpft und noch kein überzeugendes Modell für den Onlineverkauf gefunden hat.

Neuer iPod

Gleichzeitig brachte Apple neue Versionen seines Walkman-artigen MP3-Player iPod auf den Markt. Die mit Macs und Windows-PCs kompatiblen Geräte sind über eine eigene Software, iTunes, nahtlos in den Musikdienst integriert und können gekaufte Titel in einem neuen, platzsparenden Format (ACC) speichern. Die Geräte, deren leistungsstärkstes bis zu 7500 Titel speichern kann und die auch direkt an eine Stereoanlage angeschlossen werden können, werden ab Mitte Mai in Österreich zu Preisen von 399 bis 599 Euro erhältlich.

Vorbild Amazon

Bei seinem Music Store nahm Apple offensichtlich eine große Lektion vom erfolgreichen Onlinehändler Amazon, dessen Ein-Klick-Einkaufssystem der Mac-Hersteller lizenzierte. Der Store, der über das Musikprogramm iTunes "besucht" wird, bietet anders als Musikbörsen wie KaaZaa oder früher Napster, bei denen Titel nur nach Text angezeigt werden, ein richtiges Einkaufserlebnis. Ähnlich wie in einem richtigen Geschäft (oder auf den Seiten von Amazon) werden Angebote mit CD-Coverart, Bildern und Videos gezeigt. Alle Musiktitel können in 30-Sekunden-Clips angehört werden. Beim Kauf von Titeln, der im Augenblick auf US-Rechnungsadressen beschränkt ist, werden auch CD-Covers mitgeliefert. So wie Amazon gibt der Apple Music Store individuelle Verkaufsempfehlungen aufgrund der Interessen des jeweiligen Nutzers.

99 US-Cent pro Song

Neu ist auch das Zahlungsschema. Während bisherige E-Musikdienste monatliche Abonnements erforderlich machten und die Musik teilweise nur gehört, aber nicht gespeichert werden konnte, verkauft Apple die Titel der fünf größten Plattenlabels um 99 US-Cent pro Song sowie billigeren Preise für gesamte Alben (meist 9,99 US-Dollar).

Die Titel können gespeichert (auf bis zu drei Macs, sowie beliebige vielen iPods) und auch maximal 10 mal auf CD gebrannt werden. Werden die Titel in einer leicht veränderten Playliste zusammengestellt, können weitere 10 Kopien gezogen werden.

Billigung der Musikindustrie

Damit zeigt Apple mit Billigung der Musikindustrie einen wesentlich gemäßigteren Zugang zur Frage des Schutzes des Urheberrechts: Die meisten Digital Rights Management Systeme setzen derzeit darauf, dass alle weiteren Kopien entweder verhindert werden, oder zusätzliche Gebühren anfallen. Apples Musikdienst erlaubt hingegen eine Nutzung, die in der Praxis durchaus dem Erwerb einer CD im Geschäft entspricht.

200.000 Titel aus allen Genres

Derzeit bietet der Store 200.000 Titel aus allen Genres der fünf Labels Warner, BMG, EMI, Sony Music und Universal, die laufend ergänzt werden. Ein Warner Sprecher kündigte an, dass nach Lösung von technischen Problemen das gesamte Repertoire online verfügbar sein soll. (Helmut Spudich)

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