Rausverkauf im Museum

28. April 2003, 13:10
2 Postings

Bestände abstoßen, um leere Kassen zu füllen - Drastischer Vorschlag des eheligen Frankfurter Kulturdezernenten

Frankfurt/Main - Romy Schneiders Liebesbriefe, Hundertwasser-Modelle oder Barockmalerei: In den Archiven und Depots Frankfurter Museen schlummern unzählige verborgene Schätze. Die Lagerräume platzen aus allen Nähten. Doch vieles ist nicht für Ausstellungen geeignet, weil es zu sperrig, zu unspektakulär oder zu lichtempfindlich ist. Aufbewahrung und konservatorische Betreuung nagen an den Etats der ohnehin von wegschmelzenden öffentlichen Zuschüssen gebeutelten Kunsthäuser. "Um ihre Kassen zu füllen, könnten die Museen verzichtbare oder doppelte Exponate verkaufen", meint deshalb Frankfurts ehemaliger Kulturdezernent Hilmar Hoffmann.

Museen lehnen Vorschlag ab

Ein Vorschlag, der bei den Museen auf Ablehnung stößt: "Natürlich würden wir die Besucher überfordern, wenn wir beispielsweise alle unsere 1000 chinesischen Porzellanteller zeigten", sagt die stellvertretende Direktorin des Museums für Angewandte Kunst, Margret Bauer. Aber alle 40.000 Möbel, Münzen oder Designexponate ihres Hauses seien als Studienobjekte wichtig. "Außerdem können Dinge, die vorher niemand beachtet hat, ganz plötzlich interessant werden."

Rückbesinnung auf die Depots der Museen

Aber die gut gefüllten Bestände sind in Zeiten knapper Kassen auch Kapital für die Museen, die sich teure Neuerwerbungen nur noch selten leisten können: "Die Museen konzentrieren sich wieder auf ihre Depots, die ein kulturelles Gedächtnis darstellen", sagt der Direktor des Museums für Moderne Kunst, Udo Kittelmann. Er zeigt in seinem Haus neuerdings wie viele seiner Museumskollegen verstärkt Werke aus den eigenen Beständen. Verstärkt wird auch auf Ausleihen gesetzt: "Wir kooperieren weltweit mit anderen Museen", berichtet etwa der stellvertretende Direktor des Deutschen Filmmuseums, Hans-Peter Reichmann.

Unwichtiges verkaufen, Wichtige kaufen

Hilmar Hoffmann dagegen meint, dass vieles in den Kellern der Museen dort noch in hundert Jahren lagern werde, ohne jemals ausgestellt worden zu sein. Unzählige Objekte seien doppelt vorhanden. "Mit diesem Geld könnten die Häuser Exponate erwerben, die sie unbedingt brauchen", meinte der ehemalige Frankfurter Kulturdezernent (1970 bis 1990).

Lagerung und Konservierung ist teuer

Die Ansicht der Museen, einmal erworbene oder erhaltene Gegenstände dürften nicht veräußert werden, sei konservativ. In einem Frankfurter Museumsdepot gebe es beispielsweise 100 Gürtelschnallen, die aber nur zehn unterschiedliche Motive hätten. Die Räume platzten aus allen Nähten. Die Lagerung von Exponaten sei ebenso wie die konservatorische Betreuung sehr teuer.

"Verkaufssonntag" im Museim

"Weil die Museen für ihre Ankäufe keinen Pfennig mehr haben, sind sie häufig auf das Geld von Stiftungen angewiesen", erklärte Hoffmann. Um die Kassen zu füllen, sollten die Leiter der Museen entscheiden, welche doppelten oder verzichtbaren Stücke zum Verkauf angeboten werden könnten. Rücksicht müssten sie dabei aber auf testamentarische Festlegungen nehmen. Die Exponate könnten auf dem Kunstmarkt angeboten werden. Denkbar sei auch ein einmal im Jahr stattfindender Verkaufssonntag, zu dem das Museum einladen könnte. "Leider ist der Verkauf von Archivstücken noch immer ein Thema, das von den Museen tabuisiert wird." (APA/dpa)

Share if you care.