Leistungsbilanz im Plus

29. April 2003, 11:26
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Export-Anstieg und positive Entwicklung im Fremdenverkehr sorgen zum ersten Mal seit Jahren für Überschuss

Wien - Österreich hat im Jahr 2002 zum ersten Mal seit 1990 wieder einen Leistungsbilanzüberschuss erzielt. Mit 1,6 Mrd. Euro bzw. 0,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) liegt das Ergebnis allerdings immer noch in jener Bandbreite, die traditionell als "ausgeglichen" bezeichnet werde, teilte die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) mit. Den entscheidenden Beitrag für diese Verbesserung habe die Handelsbilanz geliefert. Aber auch die geringeren Nettoabflüsse bei den Vermögenseinkommen haben zur Aktivierung der Bilanz beigetragen, so die OeNB. 2001 wurde noch ein Defizit in der Leistungsbilanz in Höhe von 3,9 Mrd. Euro verbucht.

Exporte deutliche gestiegen

Die Handelsbilanz weist erstmals seit Bestehen der Zweiten Republik einen Überschuss auf. Die Exporte wuchsen im Berichtsjahr um 4,1 Prozent, während die Importe angesichts des schwachen Konsumwachstums und rückläufiger Anlageinvestitionen wertmäßig um 2,2 Prozent zurückgingen. Die Entwicklung folgte hier dem Euroraum, wo die Exporte um 2,4 Prozent stiegen und die Importe um 3,4 Prozent abnahmen. Gegenüber ihren Mitbewerbern aus dem Euroraum habe die österreichische Exportwirtschaft Marktanteilsgewinne erzielen können, so die OeNB. Die wichtigste Position innerhalb des Dienstleistungsverkehrs mit dem Ausland ist der Reiseverkehr. Die Zahl der Ausländernächtigungen ist im Kalenderjahr 2002 um 2,5 Prozent gestiegen.

Nach einem Jahrzehnt, in dem es fast durchwegs deutliche Rückgänge gegeben hat, gab es 2002 auch in der Sommersaison ein deutliches Nächtigungsplus. Österreichs Ruf als ein sicheres Reiseland und seine geografische Nähe zu den wichtigsten Quellmärkten dürften sich vorteilhaft ausgewirkt haben, heißt es weiter. Österreich habe vor allem als Zielland deutscher Touristen etwa ab Mitte 2001 seit langer Zeit wieder Marktanteile gewinnen können - vorwiegend zulasten der Überseedestinationen.

Kapitalexporteur Österreich

Die Deviseneinnahmen aus dem Reiseverkehr stiegen im Einklang mit der Nächtigungs-und Preisentwicklung um 4,8 Prozent. Spiegelbildlich zur Leistungsbilanz entwickelte sich im Jahr 2002 die Kapitalbilanz. Erstmals seit zehn Jahren ist Österreich im Vorjahr wieder als Kapitalexporteur in Erscheinung getreten. Entgegen dem internationalen Trend haben die aktiven Direktinvestitionen deutlich zugenommen und erreichten mit 5,7 Mrd. Euro das zweithöchste jemals gemessene Volumen, teilt die OeNB am Montag weiter mit. 60 Prozent der aktiven Direktinvestitionen entfielen auf Mittel- und Osteuropa. Damit wurden sogar die Rekordinvestitionen Österreichs in dieser Region aus den Jahren 2001 und 2002 übertroffen. Spitzenreiter unter den Zielländern war die Tschechische Republik mit 890 Millionen Euro. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 29.4.2003)

  • Mozartkugeln & Co. waren 2002 gefragt. Die positive Leistungsbilanz dankt.
    montage: derstandard.at

    Mozartkugeln & Co. waren 2002 gefragt. Die positive Leistungsbilanz dankt.

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    grafik: der standard

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