Ein Wald voller Schutz-Probleme

28. April 2003, 18:58
posten

44 Minister und EU-Kommissar Franz Fischler konferenzierten in der Hofburg - Umweltschutz- Organisationen forderten Schutz der Regenwälder

Wien - Es wäre durchaus möglich, dass man den Waldzustand vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Der "Zustandsbericht" der europäischen Wälder ist jedenfalls ein ambivalenter. Einerseits: Ein Fünftel der Bäume ist geschädigt; sie verlieren Nadeln oder Blätter.

Andererseits: Fast die Hälfte des Kontinents ist bewaldet - auf jeden Europäer kommen rund zwei Fußballfelder Wald, heißt es im Bericht "State of Europe's Forests 2003", der am Montag bei der Forstministerkonferenz in der Hofburg präsentiert wurde. 70 Prozent der Wälder werden als "naturnah" eingestuft, ein Viertel als "unberührt". Die größten Waldbesitzer: die Russische Föderation, Schweden und Finnland.

Europäische Waldfläche nimmt zu

Die europäische Waldfläche nimmt übrigens langsam wieder zu - pro Jahr um 0,08 Prozent. Klingt nach einem kleinen Wäldchen, dieser jährliche europäische Waldwuchs ist aber immerhin in etwa so groß wie Zypern. In den vergangenen zehn Jahren waren Europas Forste um insgesamt 22 Prozent zurückgegangen.

Ein Beitrag zur Vermehrung der Wälder: Zum Auftakt der "Vierten Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder in Europa" gab es eine Pflanzerei

im Wiener Museumsquartier. 44 Minister, EU-Kommissar Franz Fischler und 90 Kinder vom Gymnasium Rahlgasse setzten einen "europäischen Wald" von 45 Bäumen. Dieser Wald wird später übersiedeln - er wird zum Grünraum einer neuen Wohnhausanlage in Liesing.

"Den Titel nicht wert"

Während sich die Minister zum "Forst-Dialog" in die Hofburg zurückzogen, kam Kritik von Umweltschutzorganisationen: "Diese Konferenz ist ihren Titel nicht wert", ärgerte sich Greenpeace-Waldexpertin Nina Thüllen. "Es fehlt ein unmissverständliches Be^kenn^tnis zum Schutz der letzten Urwälder."

Wie auch für den WWF ist für Greenpeace das dringendste Problem in Europa der rasante Rückgang der alten Forstbestände: "Die geschützten Wälder Europas sind nicht mehr als Markierungen auf den Landkarten." Greenpeace fordert ein sofortiges europaweites Moratorium, das jeden weiteren Einschlag in Urwälder verhindert.

Außerdem solle bis zur nächsten Waldminister-Konferenz in fünf Jahren ein Netzwerk geschützter Urwälder in Europa mit einem konkreten Umsetzungszeitrahmen erarbeitet werden. (Roman Freihsl/DER STANDARD, Printausgabe, 29.4.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.