Mit 66 Jahren...

28. April 2003, 16:45
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Tikrit feiert Saddam Husseins Geburtstag - Einwohner von Bagdad beglückwünschen Esel anstelle des Diktators - "Zum ersten Mal müssen wir keine Freude heucheln"

Tikrit/Bagdad - Zumindest in einer irakischen Stadt haben die Menschen dem verschwundenen Präsidenten Saddam Hussein am Montag von Herzen zum 66. Geburtstag gratuliert: "Herzlichen Glückwunsch, Saddam Hussein!", "Saddam, wir lieben Dich!", hieß es auf den Mauern von Tikrit, der am 14. April von US-Truppen eingenommenen Heimatstadt und ehemaligen Hochburg des entmachteten Staatschefs. "Jeder hier feiert seinen Geburtstag, wir werden laut und deutlich sagen, wie sehr wir ihn lieben", sagt der ehemalige Soldat Kassem Taha mit hasserfülltem Blick auf die US-Besatzungstruppen. "Saddam ist unersetzbar", beteuert ein weiterer Soldat. "Er hat uns das Leben geschenkt, Sicherheit und Stabilität."

"Saddam wird zurückkommen und die Ordnung wieder herstellen, und wir werden ihm helfen", sagt ein Bewohner von Tikrit und reckt drohend die Faust. Mohammed Hassan, ebenfalls ehemaliger Soldat, ist nach eigenem Bekunden bereit, "tausend Soldaten" um sich zu scharen, "um die Amerikaner zum Wohle Saddams anzugreifen". In den vergangenen Jahrzehnten war der Geburtstag des Staatschefs landesweit mit viel Pomp gefeiert worden.

Esel statt Saddam

Anstelle des seit Wochen verschwundenen Saddam Husseins haben Einwohner von Bagdad am Montag einen Esel mit Glückwünschen zum 66. Geburtstag überhäuft. "Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich nicht gezwungen, an den Zeremonien zu Saddam Husseins Geburtstag teilzunehmen", freute sich der 24-jährige Ali. "Er war ein Diktator, nichts anderes als ein Esel, der den Irak beherrscht hat", fügte der junge Mann aus Sadr-City hinzu, einem von rund zwei Millionen Schiiten bewohnten Viertel der irakischen Hauptstadt, der bis vor kurzem noch Saddam-City hieß. Alljährlich am 28. April hätten die meisten Iraker falsche Freude heucheln müssen, "weil wir solche Angst hatten".

Wie es einem Geburtstagskind gebührt, sollten dem mit Fotos von Saddam Hussein beklebten Esel am Nachmittag Blumen und ein Geburtstagskuchen dargebracht werden, kündigte der 27-jährige Hassan el Hussein an. Jubel brandete in der Menge auf, als ein Mann einen bunten Plastikbaum und ein Banner neben dem Tier in die Erde pflanzte: "28. April, heute ist Dein Geburtstag, Du Verlierer!" stand auf dem Schild. Getötet werde der Esel nicht, obwohl er "Saddam, den Verbrecher" darstelle, betonte Hussein: "Esel waren jahrelang genauso unterdrückt wie wir."(APA)

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    Ein-Mann-und-Esel-Demo: Das Portrait des Diktators ziert das hintere Ende des Esels (Zum Vergrößern klicken)

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