Hoffen auf Sars-Rückgang in China

28. April 2003, 19:54
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Fast überall ist Kontrolle über SARS in Aussicht - in China steigen die Infektionszahlen, das Land wird zum Infektionsgebiet erklärt

Peking/Bangkok/Taipeh - Die lebensgefährliche Lungenkrankheit Sars (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom) hat nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO in vier der am längsten betroffenen Staaten ihren Höhepunkt erreicht, jedoch noch nicht in China.

In Kanada, Singapur, Hongkong und Vietnam werde nicht mit einem weiteren beträchtlichen Anstieg der Zahl von Infizierten gerechnet, sagte der WHO-Experte David Heymann am Montag. Heymann ist derzeit in der thailändischen Hauptstadt Bangkok, wo sich Staats- und Regierungschefs asiatischer Länder heute, Dienstag, zu Beratungen über die Lungenkrankheit versammeln.

Nicht optimistisch

Seine Einschätzung der Lage: Man sei nicht optimistisch, hoffe aber, dass die weitere Ausbreitung von Sars verhindert werde könne. Dies könne aber ohne eine Eindämmung der Krankheit in China nicht erreicht werden.

Vietnam wurde am Montag von der Liste der Länder mit Sars-Fällen gestrichen. Eine WHO-Sprecherin in Genf erklärte: "Vietnam ist das erste Land, in dem wir Sars festgestellt haben und das erste Land, in dem die Krankheit unter Kontrolle ist."

International gab es weiterhin Kritik an China. Der deutsche WHO-Virologe Wolfgang Preiser bezeichnete die Maßnahmen an Chinas Flughäfen zur Eindämmung von Sars als unzureichend und warnte vor einer Einschleppung der Seuche nach Europa. Italiens Gesundheitsminister Girolamo Sirchia forderte die chinesische Regierung zu effizienteren Kontrollen von abreisenden Fluggästen auf, nachdem in Triest Sars-Verdacht bei einem chinesischen Kind festgestellt worden war.

In einem Gespräch mit dem STANDARD sagte Preiser, er habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass "wir mit rigorosen Mitteln die Krankheit in den Griff bekommen". Die Chance schwinde aber mit jedem Tag, an dem die Fallzahlen höher werden. Alles hänge davon ab, ob Chinas Regierung in der Lage ist, ein Übergreifen von Sars auf das riesige Bauernland zu verhindern. Im günstigen Fall rechne er mit noch vier bis sechs Monaten, die China brauche.

Volle Quarantäne

Wahrscheinlich werde der WHO nicht anderes übrig bleiben, als ganz China zum Infektionsgebiet zu erklären. Damit werde der Regierung die technische Möglichkeit gegeben, alle Kranken zu erfassen und ausnahmslos in Quarantäne behandeln zu können.

In China (ohne Hongkong) wurden rund 3000 Sars-Fälle offiziell bestätigt, mehr als 1000 davon in Peking. Zeitungen berichteten, in der Hauptstadt seien bisher mehr als 7600 der rund 14 Millionen Einwohner unter Quarantäne gestellt worden.

1200 zusätzliche Ärzte und Pfleger

Chinas Volksbefreiungsarmee mobilisierte zusätzliche 1200 Ärzte und Krankenpfleger, um Peking bei der Behandlung von Sars-Patienten zu unterstützen. Nördlich der Stadt wurde von 7000 Arbeitern ein spezielles Krankenhaus mit mehr als 1000 Zweibett-Zimmern errichtet. Es solle am Mittwoch seinen Betrieb aufnehmen.

Weltweit wurden bis Montag mindestens 5300 Erkrankungen mit 318 Todesfällen registriert. Die meisten Opfer wurden in Südostasien verzeichnet. Auch in Kanada werden mittlerweile 21 Sars-Tote gezählt. Damit könnte die Todesrate an die sechs Prozent betragen.

Am Montag wurde erstmals ein Todesopfer in Indonesien bekannt, ein Geschäftsmann aus Taiwan. Die taiwanesische Regierung hat verfügt, überhaupt keine Menschen mehr aus Sars-Krisengebieten ins Land zu lassen. (Reuters, AP, erl/DER STANDARD, Printausgabe, 29.4.2003)

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